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Aus der Stadt Hündin Amy sollte den Zug verlassen
Hannover Aus der Stadt Hündin Amy sollte den Zug verlassen
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09:13 25.11.2011
Von Felix Harbart
Klamm, nicht nass: Hündin Amy.
Klamm, nicht nass: Hündin Amy. Quelle: Handout
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Hannover

Es gibt da einen Paragrafen in den Beförderungsbestimmungen der Deutschen Bahn, in dem von „übel riechenden Personen“ die Rede ist. Könnte Amy dies jetzt lesen, das Nackenfell würde sich ihr sträuben. „Ein Pferd riecht wie ein Pferd, und ein Hund riecht wie ein Hund“, sagt Amys Herrchen Knut Weyer.

Dass Herr Weyer die mutmaßlichen Ausdünstungen seiner zweijährigen Landseer-Hündin überhaupt diskutieren muss, liegt daran, dass er sich auf einen Slogan der Deutschen Bahn verließ, der heißt: „Reisen mit Hund – kein Problem.“ Dass dem nicht immer so ist, erfuhren Weyer und Amy jüngst an einem diesigen Novembertag, als sie vom hannoverschen Hauptbahnhof zurück nach Burgdorf fahren wollten. „Amys Fell war bei dem Wetter natürlich klamm, aber nicht nass“, sagt Weyer. Klamme Hunde riechen, aber sie stinken nicht. Ein entscheidender Unterschied, findet der Hundezüchter.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Es gab da einen Fahrgast, der fand, dass Amy stinke. Weyer fand das nicht. Aber das ist gar nicht der Punkt. Der Punkt ist die Art, wie der Sicherheitsdienst der Bahn die Sache anpackte. „Zwei Uniformierte traten auf mich zu und sagten, wir müssten aussteigen und wiesen uns auf den Bahnsteig“, erzählt Weyer. „Ich kam mir vor wie am Grenzübergang Marienborn.“ In dieser Atmosphäre teilten die Bahnleute Mann und Hund mit, dass sie sich eine Zugfahrt nach Burgdorf abschminken könnten – eine Fahrt, für  die beide eine Fahrkarte besaßen. Als Begründung führten sie den Paragrafen mit den „übel riechenden Personen“ an. Man verhandelte eine Weile, und am Ende durften Hund und Herrchen doch mitfahren – im Fahrradabteil. „Glück gehabt“, sagt Weyer. Aber damit ist sein Problem nicht gelöst.

Knut Weyer ist nicht unflexibel, er hat kein Problem damit, das Abteil zu wechseln, wenn er jemanden stört. Aber er wüsste schon gerne, ob er, wenn er mit Amy demnächst nach Kiel fahren möchte, auch dort ankommt, ohne viermal aus dem Zug geworfen zu werden.

Bei der Bahn heißt es auf Nachfrage, dass ein Hund eben das Abteil wechseln müsse, sobald sich der erste Fahrgast beschwert. Und wenn es keine anderen Abteile mehr gibt? „Dann wird es irgendwann eng“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis mit trauriger Stimme.
Denn auch er ist Hundefreund.