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Aus der Stadt Hundehalter fühlen sich kriminalisiert
Hannover Aus der Stadt Hundehalter fühlen sich kriminalisiert
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22:19 22.05.2012
Foto: Sabine Bundschuh fordert mehr Auslaufflächen für ihre Hunde Oscar und Henri.
Sabine Bundschuh fordert mehr Auslaufflächen für ihre Hunde Oscar und Henri. Quelle: Steiner
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Hannover

Die Brut- und Setzzeit ist für Hundebesitzer in den innenstadtnahen Stadtteilen besonders hart. Dann kommt zum Leinenzwang, der ohnehin ganzjährig in Mitte, Oststadt, Zooviertel und Calenberger Neustadt sowie Teilen der Eilenriede herrscht, noch der landesweite Leinenzwang in allen Wäldern und Landschaftsgebieten hinzu. Von April bis Mitte Juli gilt er damit unter anderem im kompletten Stadtwald. „Alle Stadtteile Hannovers haben speziell eingerichtete Auslaufflächen für Hunde in der Nähe, nur wir Anwohner der Eilenriede nicht“, ärgert sich Hundebesitzerin Sabine Bundschuh aus der List: „Wir haben zwar den größten Stadtwald Europas vor der Tür, sollen aber ein Vierteljahr lang unsere Hunde ins Auto laden und zum Georgengarten fahren, um ihnen Auslauf zu gewähren.“

Am Montagabend hat sie mit Gleichgesinnten im zuständigen Bezirksrat Mitte protestiert. Die Hundehalter fühlen sich kriminalisiert. Ihrer Schilderung zufolge kontrollieren berittene Polizisten jetzt verstärkt auch die volkstümlich „Hundewiese“ genannte Freifläche nahe dem Steuerndieb in der nördlichen Eilenriede. Lange Zeit wurde toleriert, dass Bewohner der innenstadtnahen Stadtteile dort ihren Vierbeinern auch während der Brut- und Setzzeit freien Lauf ließen. Jetzt aber sind mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden. „Hoch zu Ross“ werde man als Hundehalter angegangen, als ob man ein Straftäter wäre, erregten sich Besucher im Bezirksrat. 90 Euro Bußgeld sei angedroht worden. „Dabei hat dort niemand von uns jemals Wildtiere gesehen, die von unseren Hunden gestört werden.“ Als besonders absurd empfanden es die Protestierer, dass dort mit dem Schutz von Bodenbrütern argumentiert werde - während im Georgengarten und an anderen ausgewiesenen Auslaufflächen Teiche sind, an denen Enten und andere Tiere ihre Gelege haben.

Polizeisprecher Holger Hilgenberg bestätigt, dass berittene Polizisten in der Eilenriede auf Kontrolltouren seien. „Wenn sie Gesetzesverstöße bemerken, nehmen sie diese auf und leiten sie für das Bußgeldverfahren an die Stadt weiter“, sagt Hilgenberg. In der Regel seien die Beamten angehalten, vom Pferd zu steigen, wenn sie etwa Personalien aufnähmen: „Wenn es Beschwerden über das Verhalten von Polizisten gibt, sollen sich die Betroffenen bitte an uns wenden.“

Im Bezirksrat reagierten die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker zunächst ratlos, versprachen aber, die Kritik aufzugreifen. Das Landesgesetz zu ändern, das die Brut- und Setzzeit festlegt, habe wohl wenig Aussichten auf Erfolg, hieß es. Denkbar seien daher nur zwei Varianten: Zum einen könne möglicherweise die sogenannte Hundewiese von ihrer Deklaration als Wald befreit und eingezäunt werden, um dort auch während der Brut- und Setzzeit Hundeauslauf zu ermöglichen. Alternativ könne nach Grünanlagen im Stadtbezirk Mitte oder in der List gesucht werden, die als Hundeauslauffläche auszuweisen seien. Stadtsprecher Klaus Helmer bestätigte gestern, dass diese Vorschläge jetzt geprüft würden. „Das wird aber etwas Zeit in Anspruch nehmen.“ Bedingung für das Einrichten weiterer Auslaufflächen sei etwa, dass keine Kindergärten oder Spielplätze in unmittelbarer Nähe seien sowie keine stark frequentieren Radwege oder Straßen.

Hundehalterin Bundschuh ist unzufrieden damit, dass auf Kinder stets mehr Rücksicht genommen wird als auf Hunde. „Es gibt Hunderte Kinderspielplätze in Hannover, aber viel zu wenig Auslaufflächen.“ Die Politik müsse auch an Bürger denken, die keine Kinder bekommen könnten und ihre Liebe stattdessen Hunden schenkten.

Leinenzwang trotz Führerschein: Falsch ist das in Hundehalterkreisen kursierende Gerücht, durch das Absolvieren eines Hundeführerscheins oder der Begleithundprüfung entfalle der Leinenzwang während der Brut- und Setzzeit oder die Anleinpflicht im Stadtbezirk Mitte. Auf der Internetseite der Stadt kann lediglich ein Antragsformular heruntergeladen werden, das vom Leinenzwang in Grünanlagen befreit. Grundsätzlich darf nur in Einzelfällen vom Leinenzwang abgewichen werden - ausgenommen sind ausgebildete Polizei- und Rettungshunde im Einsatz sowie Blinden- und Assistenzhunde.

Veronika Thomas 22.05.2012
Conrad von Meding 25.05.2012
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