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Aus der Stadt Demonstranten versuchen Polizeiwache zu stürmen
Hannover Aus der Stadt Demonstranten versuchen Polizeiwache zu stürmen
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00:17 01.06.2015
Von Jörn Kießler
Demonstranten versuchten die Wache der Bundespolizei zu stürmen. Als das nicht gelang, zündeten sie eine Rauchbombe. Quelle: Uwe Dillenberg
Hannover

Rund 200 autonome Demonstranten haben am Freitagabend versucht, die Wache der Bundespolizei am Hauptbahnhof zu stürmen. Gegen 20.25 Uhr löste sich die Gruppe aus einem Demonstrationszug, der gegen Polizeigewalt protestierte. Die Autonomen liefen auf die Wache zu, konnten aber von Beamten der Polizei zurückgehalten werden. Daraufhin warfen sie mehrere Farbbeutel an die Fassade des Gebäudes und zündeten eine Rauchbombe. Verletzte gab es nicht, auf Festnahmen verzichtete die Polizei. Man habe lediglich deeskalierend gewirkt, hieß es vonseiten der Polizei.

Unter Rufen wie „Polizisten sind Mörder“ zogen die Demonstranten weiter in Richtung Weißekreuzplatz, wo sich die Lage entspannte. Der Bereich um den Hauptbahnhof ähnelte derweil einem Hochsicherheitstrakt. Zahlreiche Polizisten sicherten die Innenstadtwachen von Bundespolizei und Polizeidirektion Hannover.

Insgesamt hatten rund 650 Demonstranten an dem Protest teilgenommen. Anlass waren die Missbrauchsvorwürfe gegen einen Bundespolizisten aus der Wache am hannoverschen Hauptbahnhof, der im vergangenen Jahr in mindestens zwei Fällen Flüchtlinge in einer Gewahrsamszelle am Hauptbahnhof misshandelt haben soll. Die Kundgebung wurde von Beginn an von einem Großaufgebot der Polizei begleitet. Wegen der Menschenmenge, die über den Engelbosteler Damm und die Goseriede zu den Polizeiwachen in der Innenstadt zog, kam der Verkehr in der Nordstadt zeitweise zum Erliegen. Die Üstra musste mehrere Bus- und Stadtbahnlinien umleiten.

Schon bevor sich die Demonstranten gegen 18 Uhr am Bahnhof Nordstadt versammelten, hatte die Polizei sich in diesem Bereich weiträumig verteilt. „Wir gehen davon aus, dass sich unter den Demonstranten auch gewaltbereite Teilnehmer befinden“, sagte Polizeisprecherin Tanja Rißland. 

Die Bilder zur Demo gegen Polizeigewalt in Hannover.

Das erste Ziel der Demonstranten war die Wache der Landespolizei an der Herschelstraße. Dort soll es nach Auffassung der linken Antifaschisten, wie sich die Initiatoren der Demo selbst bezeichnen, schon seit Jahren immer wieder zu Übergriffen gegen Ausländer, Homosexuelle, Prostituierte und weitere Personen kommen, „die nicht in ein rassistisches, sexistisches oder autoritäres Weltbild passen“.

Am Tag zuvor hatten offenbar Mitglieder der autonomen Szene das Dach eines Geschäftshauses an der Kurt-Schumacher-Straße erklommen und dort ein Plakat aufgehängt. Darauf forderten sie die Auflösung der Polizeidienststelle an der Herschelstraße.
Ermittlungen stocken: Währenddessen gestalten sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Bundespolizisten Torsten S. weiterhin schwierig. Die beiden Flüchtlinge, ein 19 Jahre alter Afghane und ein ebenso alter Marokkaner, die der 39-Jährige misshandelt haben soll, konnten noch immer nicht befragt werden. „Wir haben aber mittlerweile herausfinden können, wo einer der beiden sich aufhält“, sagte Oberstaatsanwalt Klinge am Freitagabend auf Anfrage. „Die Ermittler hoffen, ihn an diesem Wochenende dort anzutreffen und befragen zu können.“

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