Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Tausende kommen zum Public Viewing in Linden
Hannover Aus der Stadt Tausende kommen zum Public Viewing in Linden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:37 20.06.2018
Trotz der Niederlage: Auf der Fährmannswiese bei Public Viewing zum Wm-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft ist die Stimmung richtig gut.
Trotz der Niederlage: Auf der Fährmannswiese bei Public Viewing zum Wm-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft ist die Stimmung richtig gut. Quelle: Katrin Kutter
Anzeige
Hannover

Der kleine Leano hat einen Premiumplatz. Hoch oben auf dem Abhang auf der Lindener Fährmannwiese hat ihn seine Mutter auf eine Mülltonne gesetzt. Von dort aus kann der Sechsjährige mit dem Deutschlandtrikot und den schwarz-rot-goldenen Strichen auf der Wange die Leinwand beim Public Viewing wunderbar sehen. „Deutschland gewinnt“, sagt er siegesgewiss. Und was macht der Fußballfan, wenn Deutschland verliert? „Dann schreie ich ganz laut“, sagt er bestimmt.

Es ist kurz vor 17 Uhr. Auf der Fährmannswiese in Linden ist die Welt noch in Ordnung. Vergessen ist, dass es in diesem Jahr vor der WM viel Ärger um die Freiluft-Fußballveranstaltungen in Hannover gab. Anwohner am Küchengartenplatz in Linden und am Weißekreuzplatz in Mitte hatten durchgesetzt, dass die dort geplanten Public Viewings wegen der Lärmbelästigung abgesagt werden mussten. Die Kneipe Centrum am Lindener Marktplatz, das Restaurant 11a, die Gilde Brauerei Hannover und die Bar Strandleben taten sich daraufhin zusammen, um ein gemeinsames Public Viewing auf der kleinen Insel zu organisieren, wo Leine und Ihme zusammenfließen. Die Wiese ist jährlich Austragungsort des Fährmannsfests. Von dort gibt es kaum Anwohnerklagen – man ging davon aus, dass das Public Viewing deutlich leiser ist als ein Livemusikfestival und daher keine Einsprüche zu erwarten sind.

Mehrere Tausend Fans kamen auf der Fährmannswiese zum Public Viewing zusammen – und mussten mit ansehen wie Deutschland verliert.

Die Fans scheinen das ähnlich zu sehen. Viele Hundert sind gekommen. Dicht an dicht sitzen die Menschen an den Biertischen, auch der Abhang hinauf zur Straße ist übersät mit Fans. Die Lage, die Wiese, der Fluss. Den Ersatzstandort für das Public Viewing am Küchengartenplatz genießen viele. Die Atmosphäre sei einfach schön, sagt die 21-jährige Merle. „Die Wiese ist ein Kultplatz, Gras statt Beton gibt es hier“, sagt die 40-jährige Ilka. Sie ist nicht wegen der WM, sondern wegen der Stimmung hier. Deshalb hat sie auch zur Halbzeit, nach dem 0:1 gegen Deutschland, noch gute Laune.

Vor dem Spiel hatte sich unter den Fans noch Optimismus breit gemacht. Warum auch nicht? Immerhin hat es seit 1990 für das deutsche Team noch nie eine Niederlage im ersten Gruppenspiel einer WM gegeben. Allerdings: Auch die Mexikaner können Turnierstarts. Ein erstes WM-Spiel verloren sie zum letzten Mal 1994. „Mexiko ist ziemlich gefährlich“, sagt denn auch David, 24. Als ob er es geahnt hätte. Als das Tor für Mexiko fällt, hört man jedenfalls nur zwei Gruppen enthusiastisch jubelnder Mexiko-Fans auf der Wiese. Ansonsten: Totenstille. Halbzeitfazit? Wie findet der sechsjährige Leano das Spiel bislang? „Schlecht“, sagt er schlicht. Und befindet sich mit dieser Meinung in guter Gesellschaft.

Hunderte Fans am Lindener Marktplatz

Beim Public Viewing auf dem Lindener Marktplatz geht es nach der Halbzeit etwas beschaulicher zu. Das Public Viewing auf dem zentralen Platz in Linden-Mitte organisiert die Kneipe GIG – in den Vorjahren war hier das Centrum am Ruder. Auch hier verfolgen Hunderte Fans das WM-Auftaktspiel der deutschen Mannschaft. Und die Spannung ist mit Händen zu greifen. Mal geht ein kollektives Aufseufzen durch die Menge, wenn es den deutschen Spielern partout nicht gelingt, den Ball ins Tor zu bekommen. Aufatmen gibt es, wenn die mexikanische Mannschaft nicht trifft. “Die Atmosphäre hier ist immer gut“, sagt die 57-jährige Ümit. Mit gelben Schuhen, rotem Nagellack und ganz in Schwarz gekleidet ist sie zum Public Viewing gekommen. Es hilft nichts. Deutschland verliert am Ende mit 0:1. „Man hatte schon mehr erwartet“ sagt Ümit –und geht.

Von Jutta Rinas