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Aus der Stadt Hunderte von Kindern haben an Heiligabend ihren großen Auftritt
Hannover Aus der Stadt Hunderte von Kindern haben an Heiligabend ihren großen Auftritt
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00:28 25.12.2011
Traumrolle für Jette: Heute werden sie und ihr Engelschor in der Timotheuskirche in Waldhausen auftreten. Quelle: Nico Herzog
Hannover

Eigentlich wollte Felix lieber noch einmal ein Hirte sein. Dass er in diesem Jahr zum König ernannt wurde, liegt auch ein wenig an der Besetzung und dem Textumfang des diesjährigen Krippenspiels in der evangelisch-lutherischen Lukaskirche: König Melchior hat mehr zu sagen als ein Hirte, und Felix, der in diesem Jahr schon zum zweiten Mal mit dabei ist, ist dementsprechend erfahrener als Angel, der mit seinen vier Jahren den kleinsten Hirten darstellt. Felix sieht es gelassen: „Der König ist schon okay.“

Überall in der Stadt haben heute Nachmittag die kleinen Darsteller ihren großen Auftritt. Oft haben sie bereits im November mit den Proben begonnen. An Heiligabend dürfen sie zeigen, was sie gelernt haben. Und das ist oft weit mehr als der Text, der alle Jahre wieder Bestsellerniveau hat.

Angel hat noch etwas Mühe mit seinem Satz. „Ja, Ephraim, und ich höre den Engel sprechen ...“, sagt er bei der Probe leise ins Mikrofon. Das „r“ rollt ihm dabei ein wenig über die Zunge wie ein frisch gefangener Fisch, der sich noch ein wenig windet. Angels Familie stammt nicht aus Deutschland, sondern aus Peru, und manche Buchstabenkombinationen sind noch etwas sperrig. „Angel, sag es bitte noch einmal“, fordert Diakonin Elke Siegmund den kleinen Hirten auf und wiederholt selbst den Satz. Angel hört geduldig zu, doch in seinen großen braunen Augen leuchtet auch ein wenig Trotz auf. „Mach es bitte noch einmal“, sagt Frau Siegmund. Der Vierjährige holt tief Luft, schaut konzentriert und wiederholt den Satz fehlerfrei. „Super! Ein Applaus für Angel!“, ruft die Diakonin, und Maria und Josef, kleine wie große Hirten klatschen begeistert. Angel strahlt. Geschafft.

Umgang miteinander. Verständnis füreinander. Aufeinander hören, dabei ganz viel Lob bekommen und Spaß haben – auch das ist Krippenspiel. Doch so unterschiedlich die Gemeinden auch sind, so sehr unterscheiden sich auch die Inszenierungen rund um die Geschichte von Maria und Josef. In der Lukaskirche in List/Vahrenwald ist der Klassiker in eine Rahmenhandlung eingebettet, die auf einem Dachboden spielt. Dort entdecken Kinder in Zeitungspapier eingewickelte Krippenfiguren, die im Laufe des Spiels zum Leben erwachen. Ganz anders ist das Krippenspiel in der Timotheusgemeinde in Waldhausen inszeniert: Dort wird die Weihnachtsgeschichte ganz klassisch erzählt, mit Engeln, einem himmlischen Chor, Hirten und natürlich mit dem berühmtesten Paar der Kirchengeschichte. Und noch eine Besonderheit gibt es in Waldhausen: Dort werden zwei Krippenspiele gegeben. Das erste wird von den Mädchen und Jungen des kirchlichen Kindergartens gespielt, sie treten um 14.30 Uhr während der Kinderchristvesper auf. Die größeren Kinder im Grundschulalter gestalten um 16 Uhr den Gottesdienst mit.

„Wir wollten nicht, dass das Krippenspiel zur Theateraufführung wird, wenn die Kinder zweimal spielen“, erklärt Pastor Werner Hennies. Außerdem ist der Andrang in Waldhausen, beim Krippenspiel dabei zu sein, immer sehr groß. Allein in diesem Jahr meldeten sich rund 25 Mädchen und Jungen bei Diakonin Christiane von Arnim, als der Aufruf zum Krippenspiel im Gemeindebrief stand. Auch in Timotheus sind die Hirtenrollen besonders beliebt. „Wir hätten 20 Hirten besetzen können“, erklärt von Arnim. Der Verkündigungsengel hingegen sei bislang gar nicht so beliebt gewesen. Doch für Jette Schoof war es die Traumrolle.

In einem weißen Kleid und mit Engelsflügeln auf dem Rücken steht die Zehnjährige oben auf der Kanzel. In den Händen hält sie eine dicke Kerze. Es ist still in der Kirche. So still, dass man bei der Probe hören kann, wie die Zehnjährige tief Luft holt, die Flamme ansieht und mit klarer Stimme beginnt zu singen: „Vom Himmel hoch, da komm ich her ...“ Selbst die Hirten schweigen, die bis dahin eher etwas unorthodox auf der Bühne die Ankunft der himmlischen Heerscharen erwartet hatten. Dass es in Timotheus einen Engelschor gibt, liegt auch an dem großen Interesse am Krippenspiel: Wer keine der Hauptrollen ergattert hat, der singt bei den Engeln mit. Auch in der Markuskirche war der Andrang auf die Jobs als Schauspieler so groß, dass das Krippenspiel zweimal aufgeführt wird.

Weil auch in der Lukaskirche immer mehr Kinder mitmachen wollen, als es in der klassischen Weihnachtsgeschichte Rollen gibt, wird jedes Jahr ein neues Krippenspiel inszeniert. Meist ist es in eine Rahmenhandlung eingebettet. In diesem Jahr sind es zwei Mäuse, die auf einem Dachboden alte Krippenspielfiguren entdecken.

Nils spielt die Maus Florian. Die Rolle wollte er unbedingt, „weil die so süß ist“. Den Part seiner Mäusefreundin Friederike hat Luisa übernommen. Doch ohne Unterstützung blieben auch Florian und Friederike graue Mäuse. Dafür, dass es bei den Proben eine Krippe gibt und die Darsteller ihre Kostüme haben, sorgen Christiane Wegner, Elke Hass und Kirsten Heike. Ihr Sohn André Heike hilft ebenfalls mit. Fehlte in der Probe ein Kind, sprang er ebenso ein wie sein Freund Bastian Jaeckel. Für die beiden Jugendlichen ist das selbstverständlich.
Miriam Grütter sieht das ähnlich. Die 16-Jährige wird in der Timotheuskirche einen Teil der Weihnachtsgeschichte lesen. „Ohne Krippenspiel geht es nicht“, meint die junge Frau, „ich war jedes Jahr dabei. Ich war immer im Engelschor, weil ich immer singen wollte.“

Krippenspiele sind Gemeinschaftsprojekte. Sie sind überall anders. Eins haben sie aber gemeinsam: Sie begeistern Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Auch wenn es bei den Proben manchmal hektisch wird, sich die Hirten zwischendurch boxen oder der himmlische Chor noch etwas zu leise ist – am Heiligen Abend wird alles gut gehen. „Denn das Krippenspiel ist den Kindern sehr wichtig“, weiß Diakonin von Arnim: „Dann ist für sie wirklich Weihnachten.“

Heike Schmidt

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