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Aus der Stadt IBM-Gebäude: Geisterhaus soll Baudenkmal werden
Hannover Aus der Stadt IBM-Gebäude: Geisterhaus soll Baudenkmal werden
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21:40 31.08.2010
Von Andreas Schinkel
Ein Werk von Architekt Dieter Oesterlen: Das verwahrloste ehemalige IBM-Haus in der Hamburger Allee. Quelle: Rainer Surrey
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Das IBM-Gebäude steht seit Jahren leer, Trinker und Drogensüchtige haben sich den Vorplatz erobert, was den Eindruck eines Geisterhauses verstärkt. Wie der Landtag ist auch das IBM-Haus von dem renommierten Architekten Dieter Oesterlen entworfen worden.

Noch, so betont Stadtsprecher Dennis Dix, stehe das Gebäude nicht unter Denkmalschutz, das letzte Wort habe das Land als zuständige Behörde. „Den bislang diskutierten Nutzungsmöglichkeiten steht der Denkmalschutz nicht im Wege“, sagt Dix. Das sieht man in Maklerkreisen anders. „Das Gebäude ist als Büroraum nicht mehr zu gebrauchen“, meint Werner Fürst von der Firma Fürst-Immobilien. Deshalb bleibe im Grunde nur Abriss und Neubau übrig, dem aber der Denkmalschutz einen Riegel vorschieben könnte. Vor fünf Jahren hatte Fürst den Oesterlen-Bau auf seine Nutzungsmöglichkeiten hin untersucht. Sein Ergebnis: Sehr viel Geld müsste in eine komplette Neugestaltung der Innenräume investiert werden, um die weitläufigen Großraumbüros zu verändern. „Das würde sich nicht rechnen“, meint er. Muss denn jeder Oesterlen-Bau unter Denkmalschutz gestellt werden?, fragt er.

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Tatsächlich entscheidet die Landesbehörde von Fall zu Fall. „Wir stellen keineswegs alle Bauten eines einzelnen Architekten unter Schutz“, sagt Reiner Zittlau, Leiter der Bau- und Kunstdenkmalpflege des Landes. Im Übrigen gelte, dass jedes öffentliche Interesse an einem Bauwerk, und dazu zähle auch der Denkmalschutz, ein privates Interesse, etwa an einem Abriss, aussteche.

Bauhistoriker Sid Auffarth wundert sich, dass das Gebäude an der Hamburger Allee noch nicht als Baudenkmal anerkannt wurde. Er sieht in der Fassadengestaltung aus Waschbeton die Leichtigkeit Oesterlen’scher Baukunst. „Die Fassade ist aufgelockert durch kleine Balkone und horizontale Bänder, die um das Gebäude verlaufen“, sagt er. Kein Problem sei es, die Büroflächen im Inneren so umzugestalten, dass sie auch für andere Nutzungen zur Verfügung stünden. „Dazu muss man keinesfalls das Gebäude abreißen“, meint er. Besonders hat es ihm der kleine Vorplatz angetan, der den Eingang des Gebäudes mit dem Fußweg und der Straße verbindet. Ein halböffentlicher Bereich, der gewissermaßen ins Gebäude einlade, schwärmt er.

Derzeit allerdings feiern Trinkergruppen Zechgelage vor dem Gebäude und im Wartehäuschen der nahe gelegenen Bushaltestelle. „Vor dem Eingang des IBM-Gebäudes sehe ich oft Junkies, die dort ihre Drogen einnehmen“, sagt eine Dame, die dort jeden Tag auf ihren Bus wartet. Es werde Zeit, sagt sie, dass mit dem Haus endlich etwas geschehe. An Denkmalschutz hat sie dabei wohl nicht gedacht.