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Aus der Stadt Streit um IGS Südstadt: Politiker sind entsetzt
Hannover Aus der Stadt Streit um IGS Südstadt: Politiker sind entsetzt
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00:17 31.01.2018
Die IGS Südtstadt wird wohl vorerst nicht weiter gebaut –weil die Anwohner mit einer Klage Erfolg hatten.
Die IGS Südtstadt wird wohl vorerst nicht weiter gebaut –weil die Anwohner mit einer Klage Erfolg hatten. Quelle: Google
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Hannover

 Der gerichtlich verordnete Ausbaustopp für die Integrierte Gesamtschule (IGS) Südstadt stößt bei den Schulpolitikern im Rat auf Unverständnis. „In Wohngebieten muss es auch Schulen und Kitas geben. Und wir brauchen angesichts steigender Schülerzahlen dringend mehr Platz an den weiterführenden Schulen“, argumentiert Stefanie Matz (CDU). Henning Hofmann (SPD) spricht von einer Katastrophe. „Schulpolitisch ist das ein wahnwitziges Urteil. Das geht gegen Kinder und Bildung.“ Dennoch dürfe die Stadt die Anliegen der Anwohner nicht abtun. „Wir müssen in einem engen Dialog mit den Bürgern einen Konsens hinbekommen.“ 

Die IGS Südstadt kann vorerst nicht wie geplant saniert und erweitert werden. Der Grund: ein Gerichtsurteil sieht die Nachbarn gestört. Das sind die Hintergründe des Streits.

32 Millionen-Euro-Investition verzögert sich

Geplant war, die Schule am Altenbekener Damm um einen Gebäudetrakt zu erweitern und die vorhandenen Räume zu sanieren.  Auch eine Sporthalle und eine Kita waren vorgesehen; die Gesamtinvestitionen liegen bei 32 Millionen Euro. Das Verwaltungsgericht Hannover hat diese Pläne mit der Begründung gestoppt, „das dem Wohngebiet immanente Ruhebedürfnis werde infrage gestellt.“ Anwohner hatten geklagt, weil sie den Verkehr in ihrer Straße verhindern wollen, wenn Eltern­ ihre Kinder zur Kita fahren­, die geplante Mensa beliefert wird oder Sportler in der neuen Turnhalle trainieren wollen. 

Sozial nicht nachvollziehbar sei es, wenn Einwohner einer Großstadt wie Hannover sich derart gegen eine Schule wehren, sagt Silvia Klingenburg-Pülm (Grüne). „Natürlich machen Kinder Krach. Eine Gesellschaft kann aber nur funktionieren, wenn jeder einen Beitrag leistet statt egoistisch auf eigene Interessen zu schauen.“ Damit Eltern ihre Kinder nicht bis vor die Kita oder Schule fahren, brauche es ein Verkehrskonzept. 

Drohen jetzt weitere Anwohnerklagen?

Patrick Döring (FDP) nannte das Urteil weltfremd und befürchtet Signalwirkung. „Wir müssen damit rechnen, dass jetzt auch Anwohner in anderen Wohngebieten klagen, wenn dort Schulen erweitert oder neu gebaut werden sollen“, befürchtet der Liberale. Da die Stadt massiv in die Bildungspolitik investieren wolle, sei das ein kommunalpolitisch ganz heißes Eisen. Zu begrüßen sei, dass die Stadt in die nächste Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht ziehen wolle. Selbst das brächte Verzögerungen. Sogar mindestens zwei Jahre Unterbrechung würden ins Land ziehen, wenn der Rat den Bebauungsplan ändern müsste, um die Schule erweitern zu können.

Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne (SPD) sagte, er habe Anrufe von Anwohnern erhalten, die sich gewundert haben, dass sie in einem Luxuswohngebiet leben. Den Begriff „Wohnquartier de Luxe“ hatte das Verwaltungsgericht in seiner Urteilsbegründung benutzt. „Für die Südstadt ist das ein heftiger Schlag, zumal Haupt- und Realschule schließen und die IGS räumlich an den Grenzen ist“, sagt Pollähne. Er schlägt vor, leerstehende Räume der ehemaligen Pädagogischen Hochschule des Landes als Übergangslösung zu nutzen. Diese habeschon einmal gut geklappt, als die Elsa-Brändström-Schule umgebaut worden sei.

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Von Bärbel Hilbig und Bernd Haase

28.01.2018
28.01.2018