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Aus der Stadt „Zu viel Vorrang für Bus und Bahn“
Hannover Aus der Stadt „Zu viel Vorrang für Bus und Bahn“
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13:34 08.02.2014
Von Conrad von Meding
Quelle: Wilde (Symbolbild)
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Hannover

„Die überzogene Auslegung der Vorrangschaltung für den öffentlichen Verkehr privilegiert damit den kleinsten Teil der Verkehrsteilnehmer“, kritisiert der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Christian Bebek. Die Stadt verweist auf einen Ratsbeschluss von 1988, in dem der Vorrang für Busse und Bahnen vorgegeben ist. Allerdings weicht sie selbst jetzt gelegentlich davon ab - und macht damit Autofahrern Hoffnung auf mehr Freizügigkeit.

An der oft überlasteten Kreuzung zwischen Hauptbahnhof und Ernst-August-Galerie etwa wurde der Vorrang für den öffentlichen Nahverkehr etwas zurückgenommen, weil die Wartezeiten teilweise unzumutbar lang geworden waren. Genüsslich zitiert IHK-Mann Bebek jetzt Daten, denen zufolge die maximalen Wartezeiten für Autofahrer von 399 auf 75 Sekunden und die durchschnittlichen von 91 auf 51 gesunken seien. „Dies ist ein substanzieller Fortschritt ohne Qualitätsverlust beim ÖPNV“, folgert Bebek.

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Auch in der Vahrenwalder Straße hat die Stadt die Vorrangschaltung etwas maßvoller gestaltet. Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil können Bus- und Bahnfahrer sich die Grünphase nämlich nicht per Knopfdruck holen, sondern bekommen diese von Verkehrscomputern automatisch zugeteilt. Wenn die Wartezeiten für andere Verkehrsteilnehmer zu lang werden, reduzieren die Computer die Vorrangregelung etwas. Hannover gilt bundesweit als eine Stadt mit sehr rigider Voreinstellung.

Die Stadt verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass sie dem Ratsbeschluss zufolge „alle technischen Möglichkeiten zur Einrichtung von Vorrangschaltungen für Stadtbahnen und Busse auszuschöpfen“ habe. Dadurch werde der Nahverkehr attraktiver, sodass mehr Menschen umstiegen, wodurch wiederum die Straßen leerer würden, wovon alle profitierten - inklusive der Luftreinheit. Richtig sei aber, dass die Vorrangregelungen „an Kreuzungen mit unzumutbar langen Wartezeiten“ etwas zurückgenommen wurden. Zudem werde bei den derzeitigen Optimierungen von Ampelanlagen auch kontrolliert, ob die An- und Abmeldetechnik für Busse und Bahnen noch funktioniere. Wo diese nämlich ausfällt, bleiben Ampeln zuweilen lange auf Rot stehen, obwohl Busse und Bahnen längst passiert haben - die Fahrer bemerken das Problem selbst gar nicht.

Bei der IHK schlägt man der Stadt vor, sich speziell um die Kreuzung Emmichplatz zu kümmern, wo sich vier Buslinien kreuzen und Fußgänger daher bis zu fünf Minuten warten müssten. Viele überquerten dann aus Ungeduld regelwidrig die Straße, was gefährlich sei. „Wir stellen den Vorrang nicht grundsätzlich infrage“, sagt Bebek - von gutem öffentlichen Nahverkehr profitiere schließlich auch die Wirtschaft. Begrüßt würden aber neue Techniken wie die Pulksteuerung auf der Marienstraße - nach diesem Vorbild müssten jetzt alle Straßen neu geschaltet werden.

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