Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt „Ich habe kein Verständnis für diesen Streik“
Hannover Aus der Stadt „Ich habe kein Verständnis für diesen Streik“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:47 05.02.2010
100205-HANN-2-weil.tif
Anzeige

Herr Weil, man kann sich vorstellen, dass Sie alles andere als erfreut darüber sind, dass die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Hannover für einen ganzen Tag lahm legen will. Haben Sie dennoch einen Funken Verständnis für dieses Vorgehen?

Nein. Mein Unverständnis beginnt schon bei der Tarifforderung nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt. Das liegt völlig quer zur Situation der Kommunen, die alle miteinander vor einem großen finanziellen Scherbenhaufen stehen. Ich halte es für falsch, so eine Forderung zu stellen und dafür große Teile der Bevölkerung in Mitleidenschaft zu ziehen.

Die Verhältnismäßigkeit der Mittel ist ein Grundsatz der Tarifpolitik. Ist es noch verhältnismäßig, wenn in einer Warnstreikphase die Stadtbahnen einen ganzen Tag lag still stehen sollen?

Ich denke, dass solche Maßnahmen in größeren Teilen der Bevölkerung nicht als verhältnismäßig wahrgenommen werden.

Schon mehrfach hat ver.di sich in solchen Tarifauseinandersetzungen auf Hannover konzentriert und den Arbeitskampf hier mit besonderer Härte geführt. Wie erklären Sie sich das?

Hannover ist traditionell gewerkschaftlich überdurchschnittlich organisiert, was ich politisch ja für richtig halte. Aber dann ist die Versuchung groß, dass man solche Städte zum Schwerpunkt für Arbeitskampfmaßnahmen macht. Auf der anderen Seite ist die Stadt Hannover immer um ein gutes Einvernehmen mit der Arbeitnehmerseite bemüht.

Sie kennen den ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske ganz gut, haben Sie mal Kontakt mit ihm aufgenommen, um genau das mit ihm zu erörtern?

Nein. In dieser Auseinandersetzung muss sich jeder an die Spielregeln halten. Frank Bsirske ist Vorsitzender einer Gewerkschaft, und ich bin Teil des Arbeitgeberlagers. Gesprochen wird in den Verhandlungskommissionen.

Unabhängig von der bundesweiten Tarifrunde wird in Hannover über die Verlängerung eines Haustarifvertrages zur Beschäftigungssicherung verhandelt. Diese Gespräche werden doch jetzt atmosphärisch belastet.

Es ist ein Problem, dass es sozusagen zwei gegenläufige Bewegungen gibt. Auf der einen Seite verlangt ver.di deutlich mehr Lohn, auf der anderen Seite sprechen wir in der Stadt darüber, dass wir weniger Lohn zahlen wollen, dafür aber Sicherheit vor der Privatisierung kommunaler Bereiche bieten. Die allgemeine Tariflage ist nicht förderlich für unsere Haustarifverhandlungen, deswegen erwarte ich da auch keinen kurzfristigen Abschluss.

Das heißt: Wenn ver.di sich mit der hohen Lohnforderung durchsetzt, dann führt das über kurz oder lang zu Personalabbau?

Ja, und zwar in ganz Deutschland. Die Kommunen erwarten ein Rekorddefizit in einer Höhe, wie es sie in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat. Ein hoher Tarifabschluss wird dazu führen müssen, dass weiter an der Kostenschraube gedreht wird. Und das betrifft immer das Personal.

Interview: Volker Goebel

Lokales Layout 4