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Aus der Stadt „Ich lebe in der Gegenwart“
Hannover Aus der Stadt „Ich lebe in der Gegenwart“
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06:15 21.04.2012
Von Stefanie Kaune
Elsa Peck wird am Freitag 110 Jahre alt. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Elsa Peck ist die älteste Bürgerin der Stadt und gehört zu den sechs ältesten Frauen bundesweit. Sie wurde am 20. April 1902 in Hannover geboren und war damals das erste Kind, das in der ein Jahr zuvor geweihten Lukaskirche in Vahrenwald getauft wurde. Nach der Schulzeit machte sie eine Lehre zur Schneiderin. Heute ist die Jubilarin immer noch in Vahrenwald zu Hause, seit 1991 lebt sie im AWO-Seniorenzentrum in der Schleswiger Straße. Einige Jahre hatte sie in Erfurt verbracht, wo sie mit ihrer Familie von 1929 bis 1935 lebte. Elsa Peck war dreimal verheiratet, ihr letzter Mann verstarb 1980. Sie hat drei Kinder, sieben Enkel und neun Urenkel. Tochter Lieselotte Müller, die regelmäßig nach ihrer Mutter schaut, ist auch schon stolze 84 Jahre.

Guten Morgen, Frau Peck. Wie geht es Ihnen?

Ach, ich mache es, so gut ich kann. Und ich bin mit mir selbst immer noch zufrieden, das ist doch die Hauptsache. Aber natürlich muss ich bei allem mein Alter mitbedenken. Ich bin eben nicht mehr bei hundert Prozent, vielleicht sogar nur noch bei der Hälfte ...

Ach was, Sie haben bestimmt noch mehr Prozent in Reserve. Wie fühlt es sich denn an, 110 Jahre alt zu werden?

Das weiß ich noch nicht ganz genau, das ist ja erst Freitag so weit. Ich muss es einfach an mich herankommen lassen, und ich freue mich, dass ich noch einigermaßen kann.

Sie sind nicht nur die älteste Hannoveranerin, sondern gehören auch zu den sechs ältesten Frauen Deutschlands, die ebenfalls alle 110 sind. Was sagen Sie denn dazu?

Das mit Hannover habe ich wohl gewusst, das andere ist mir neu. Aber kann man darauf stolz sein? Ich bin einfach froh, dass alles so ist, wie es ist. Am Ende muss man doch sagen: Der Mensch denkt, und Gott lenkt.

Der älteste deutsche Mann ist erst 109 Jahre alt. Generell überholen die Frauen ja die Männer oft mit dem Alter und leben länger. Woran liegt das wohl?

(überlegt eine Weile) Vielleicht leben die Frauen vernünftiger ...

Haben Sie denn ein persönliches Rezept für ein langes, vernünftiges Leben?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe immer gesund gelebt, denke ich. Aber ein Gläschen Wein ab und zu schadet nichts. Im Krankenhaus bin ich nie länger als drei, vier Tage gewesen. Ich bin ein Stehaufmännchen und lasse mich nicht unterkriegen. An schlechten Tagen sage ich mir einfach, morgen wird es wieder besser. Und es ist wichtig, dass immer wieder auch mal junge Leute bei mir im Heim vorbeikommen und erzählen, was sie so machen.

Als Johannes Heesters im Dezember 1903 geboren wurde, konnten Sie schon laufen. Jetzt haben Sie den vermeintlich unverwüstlichen Dauerkünstler auch überlebt. Haben Sie ihn gemocht und seinen Lebensweg verfolgt?

So ein bisschen. Das waren nicht ganz meine Lieder, was er gesungen hat.

Und was sagen Sie dazu, dass er praktisch bis zum Schluss auf der Bühne stand?

Ach, man sollte sich selbst nicht so hervorheben und im Alter lieber etwas zurückhaltender sein.

Heesters hatte Mitte 2011 sogar noch seinen Schlager „Heut geh ich ins Maxim“ mit einem modernen Musiker, einem sogenannten Rapper, aufgenommen. Haben Sie schon mal von Rapmusik gehört?

Nein, was ist das? Das kenne ich nicht. Ich höre gern die Musik im Radio auf NDR1 und bin früher auch viel in die Oper gegangen. Da hatte ich sogar ein Abonnement. Auch im Theater war ich immer gern.

Als Sie geboren wurden, gab es noch kein Radio und kein Fernsehen. Das Telefon erlebte seine Pionierjahre. Heute gibt es Handy und Internet, die Kommunikation ist schnell und mobil geworden. Können Sie damit etwas anfangen?

Handys kenne ich, das andere nicht. Ich weiß auch nicht, ob wir alle mit der neuen Zeit noch mitkommen können. Wenn ich mit meiner Tochter telefonieren will, dann nehme ich das Telefon, das in meinem Zimmer steht.

Auch Auto, Straßenbahn und Fliegerei waren noch in den Anfängen. Heute ist man in wenigen Stunden von einem Ende der Welt am anderen, selbst die Mondlandung ist schon Geschichte. Staunen Sie manchmal, was heute alles möglich ist?

So aufnahmefähig sind wir Älteren ja auch nicht mehr. Auf jeden Fall war die Welt früher ruhiger. So viel haben wir nicht gehabt in unserer Jugend, wie die jungen Leute heute. Die stellen auch ganz andere Ansprüche, wir waren bescheidener. Heute muss alles im großen Stil sein.

Sie haben zwei Weltkriege bewusst erfahren, in Ihrem Geburtsjahr 1902 war Wilhelm II. Kaiser von Deutschland und Theodore Roosevelt Präsident der USA. Sie sind so etwas wie ein lebendes Geschichtsbuch, könnte man sagen ...

Ja, was ich weiß, gebe ich auch gerne von mir. Ich habe Kaiser Wilhelm persönlich gesehen, als er einmal zu Besuch in Hannover war. Er hat einen Ritt durch die Vahrenwalder Heide gemacht und eine Militärparade abgenommen. Meine Freundinnen und ich haben uns schick angezogen und Kränze mit Kornblumen aufgesetzt, das waren die Lieblingsblumen des Kaisers.

Jetzt haben wir Angela Merkel und Barack Obama statt Wilhelm und Roosevelt. Verfolgen Sie das politische Tagesgeschehen?

Seit einigen Jahren nicht mehr so sehr. Seit ich schlechter sehen kann und es mit dem Fernsehen schwieriger geworden ist. Frau Merkel kenne ich natürlich.

In Ihrer Kindheit und Jugend war Deutschland eine Monarchie. Später waren Sie immer eine aktive Wählerin, zuletzt bei der Kommunalwahl 2011. Was sagen Sie den Jüngeren, die keine Lust mehr aufs Wählen haben?

Wollen die jungen Leute das wirklich nicht mehr? Man muss wählen gehen, wenn man etwas mitgestalten will. Ich bin selber immer überzeugt zur Wahl gegangen. Was ich gewählt habe, verrate ich aber nicht. Das ist ein Geheimnis, selbst Vater und Mutter waren sich zu Hause nicht immer einig und haben das für sich behalten.

Und wollen Sie auch bei der Landtagswahl im nächsten Januar wieder Ihr Kreuz machen?

Wenn ich dann noch da bin ... Der Mensch denkt, und Gott lenkt.

Erzählen Sie gern von früher oder lieber von dem, was Sie heute erleben?

Ich lebe doch in der Gegenwart. Zwei- bis dreimal in der Woche mache ich Gymnastik, und ich gehe regelmäßig zum Singen hier im Heim. Schöne Erinnerungen habe ich an meinen großen Bruder Hermann, der hat mich immer beschützt und meine Herrenbekanntschaften unter die Lupe genommen (schmunzelt).

Was würden Sie tun, wenn Sie noch einmal jung wären?

Ich würde wieder dahin gehen, wo getanzt wird. Früher war das im Parkhaus in Herrenhausen und im Neuen Haus in der Bödekerstraße.

Sie sollen auch die Strophen vieler Lieder auswendig können ...

Ja, das kann ich wohl immer noch (lacht, stimmt „Das Wandern ist des Müllers Lust“ an und singt die komplette erste Strophe). Auch bei meiner Geburtstagsfeier am Freitag wird natürlich gesungen.

Sie kennen es ja schon, dass viele Leute zum Gratulieren kommen und der Bürgermeister vorbeischaut. Sind sie dennoch aufgeregt?

Ja, natürlich. Ich ziehe mich auch immer noch gern schön an. Wir Frauen sind da doch eitel. Auf Bürgermeister Strauch freue ich mich schon. Er hat so einen netten Fahrer, mit dem kann man sich gut unterhalten.

Die älteste Frau der Welt lebt auf Kuba und ist 127 Jahre alt. Wäre das ein Ziel für Sie?

Nicht unbedingt. Aber man kann doch sowieso nicht wissen, wie es kommt.

Die Fragen stellte Stefanie Kaune.

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