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Aus der Stadt Ideen zur Radverkehrsförderung stoßen auf Ablehnung
Hannover Aus der Stadt Ideen zur Radverkehrsförderung stoßen auf Ablehnung
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07:00 15.08.2017
Von Andreas Schinkel
Symbolbild
Symbolbild Quelle: dpa
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Hannover

„Fahrspuren von Hauptverkehrsstraßen zu sperren, um mehr Platz für den Radverkehr zu haben, das geht gar nicht“, sagt SPD-Verkehrsexperte Lars Kelich. Auch bei einer Verengung des Cityrings zugunsten des Radverkehrs bleibe er skeptisch. Man könne aber darüber reden, meint er diplomatisch. Die FDP erteilt allen Sperr-Vorschlägen eine Absage. „Wir müssen den Radverkehr attraktiver machen, aber dürfen nicht Fahrspuren entfernen“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Die CDU hält die Überlegungen für „absurd“. „Man fragt sich, ob die Grünen Oppositionspolitik innerhalb des Bündnisses betreiben“, sagt CDU-Verkehrsexperte Felix Blaschzyk.

Die Grünen hatten nach einer von ihnen initiierten Fahrradkonferenz einen Zehn-Punkte-Plan entworfen, um den Radverkehr in Hannover voranzutreiben. Damit wollen sie zugleich die Luftverschmutzung bekämpfen. Zu den radikalsten Vorschlägen zählt, mindestens zwei Meter breite Radwege entlang von Hauptverkehrsstraßen, etwa Vahrenwalder und Hildesheimer Straße, anzulegen. Dafür müssten bei Bedarf Autofahrspuren und Parkplätze wegfallen.

Einzelne Vorschläge aus dem Papier stoßen in der Ratspolitik aber durchaus auf Zustimmung. „Es ist richtig, in Hannover ein besseres Fahrrad-Verleihsystem aufzubauen“, sagt CDU-Verkehrspolitiker Blaschzyk. Auch sei es sinnvoll, über mehr Abstellmöglichkeiten für Räder rund um den Hauptbahnhof nachzudenken. Aber 10 000 Rad-Parkplätze zu fordern, wie die Grünen, hält er für völlig unrealistisch. Anfreunden kann sich Blaschzyk mit der Idee der FDP, Radabstellplätze in Autoparkhäusern zu schaffen.

Die Grünen wünschen sich einen deutlichen Zuwachs von Rad-Parkplätzen in der City und schlagen den Bau einer Fahrrad-Tiefgarage vor. Auch an Stadtbahn- und S-Bahnstationen sollen bis zum Jahr 2025 insgesamt 35 000 überdachte Radstellflächen entstehen.

Für die anderen Parteien gehört es zu den dringlichsten Aufgaben, Lücken im Radwegenetz zu schließen. „Schnelle Verbindungen sind unerlässlich, um das Radfahren attraktiver zu machen“, sagt SPD-Mann Kelich und erntet Zustimmung bei CDU und FDP. Dazu gehöre auch, manche Schotterstrecke zu asphaltieren. Damit geht Kelich mit einem weiteren Vorschlag der Grünen konform.

Grundsätzlich will die SPD den Radverkehr nicht auf die Straße bringen, sondern auf separaten Wegen führen. „Das bringt mehr Komfort und Sicherheit“, sagt Kelich. Von einer Verdrängung des Autoverkehrs hält er nichts. „Wir müssen Anreize schaffen, aber nicht hoch zu Ross gegen den Autoverkehr kämpfen“, sagt er.

Aus der Stadt Ticker am 15. August 2017 - HAZ live: Der Morgen in Hannover
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