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Aus der Stadt Illustrationen von Cornelia Funke im Wilhelm-Busch-Museum
Hannover Aus der Stadt Illustrationen von Cornelia Funke im Wilhelm-Busch-Museum
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18:14 17.10.2009
Von Karl-Ludwig Baader
Illustration von Cornelia Funke. Quelle: Wilhelm-Busch-Museum
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Am Anfang war das Zeichnen. Die Diplom-Pädagogin studierte zunächst Buchillustration, und weil ihr die Texte, die sie mit Zeichnungen schmücken sollte, nicht gefielen, fing sie selbst an zu schreiben. Heute ist sie die erfolgreichste deutsche Kinderbuchautorin im In- und Ausland. Wie virtuos sie mit Stift und Pinsel umgehen kann, will Hans Joachim Neyer, der Direktor des Wilhelm-Busch-Museums, mit seiner Ausstellung „Tintenherz und Drachenreiter“ zeigen, die zusammen mit der Klaus Stuttmann gewidmeten Schau „Karikaturen aus der Hauptstadt“ am Sonntag eröffnet wird.

Als Doppelbegabung passt Cornelia Funke perfekt in ein Museum, das nach Wilhelm Busch benannt ist. Auf die Idee, erzählt Neyer, sei aber seine Frau gekommen, die ihn, der sich bis dahin noch nicht in das Werk Funkes eingelesen hatte, auf die zeichnerische Begabung der Erfolgsautorin aufmerksam gemacht hat. Mit spürbarer Begeisterung berichtet er, wie unkompliziert die Schriftstellerin, die in Los Angeles lebt, auf seine Idee reagiert hatte. Sie stellte einen Kontakt mit ihrem Bruder her, der die rund tausend Zeichnungen verwahrt hat. Aus diesem bislang noch von niemandem gesichteten Konvolut traf er dann eine Auswahl, und die ist nun zu sehen: 274 farbige und schwarz-weiße Illustrationen, die zum ersten Mal öffentlich ausgestellt werden.

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Die virtuosen, mit ihrem filigranen Strich leicht wirkenden Zeichnungen sind nie anbiedernd kindisch, wohl aber, was bei Kinderbuchillustrationen keineswegs immer der Fall ist, immer kindgerecht. Ob nun bärbeißig-lausbubenhafte Piraten auf Abenteuer aus sind oder zart gezeichnete Drachen sich in einer verträumten Märchenwelt bewegen, Funke bietet immer auch Sehvergnügen für jene, die auf Ironie und Witz ansprechen.
Die Ausstellung dokumentiert die Tätigkeit der 1958 geborenen Funke seit 1988, die Auswahl zeigt dabei die Bandbreite von der witzigen oder märchenhafte Szene bis zur liebevoll ausgemalten Vignette. Dokumentiert sind auch die Versionen ihrer Buchtitelillustrationen. Dem hannoverschen Publikum zeigt die Ausstellung auch einige der Kostüme aus den „Tintenwelt“-Produktionen des Schauspielhauses, wo alle drei Teile der Trilogie zwischen 2004 und 2008 als Theaterstücke uraufgeführt worden sind.

Klaus Stuttmann, dem die zweite Ausstellung, „Karikaturen aus der Hauptstadt“ gewidmet ist, hat bei aller Detail- und Porträtverliebtheit zum Ausmalen der Hintergründe naturgemäß wenig Zeit. Als tagespolitischer Karikaturist bleiben dem 1949 geborenen und seit Jahrzehnten in Berlin lebenden Schwaben oft nur wenige Stunden, um ein Thema, eine Idee zu entwickeln und sie zeichnerisch umzusetzen. Auf diese Weise sind nach Schätzung Neyers sieben- bis achttausend Zeichnungen entstanden, von denen in Hannover 340 gezeigt werden. Und so ist eine satirische Chronik des wiedervereinigten Deutschlands entstanden. Stuttmann begleitet seit 1990 nahezu täglich das tagespolitische Geschäft, darunter für die „Leipziger Volkszeitung“ und den „Tagesspiegel“. Und es ist erstaunlich, wie viele Themen seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung stehen – geht es nun um Rente, Gesundheit oder innere Sicherheit. Die Chronik der laufenden Ereignisse zeugt von leer laufenden Debatten und der Wiederkehr des Immergleichen, was aber nicht dem Karikaturisten vorzuwerfen ist. Der ist technisch auf dem neuesten Stand, arbeitet mit einem digitalen Zeichenbrett und experimentiert auch schon mit animierten politischen Karikaturen.

Dass technischer und gesellschaftlicher Fortschritt nicht Hand in Hand gehen, musste Stuttmann erfahren, als er, ohne es beabsichtigt zu haben, einmal den Zorn militanter Muslime erregte und vor den Drohungen eine Zeit lang in den Untergrund auswich. Gezeigt werden diese Anstoß erregenden Zeichnungen allerdings nicht. Stattdessen gerät die Religion in ihrer katholischen Version ins Blick- und Schussfeld des Karikaturisten. Als Avantgardist und großen politischen Beweger sieht sich Stuttmann, der mit einem kurzen Video vorgestellt wird, ausdrücklich nicht. Karikaturisten dienen unserer Gesellschaft aber als Minenhunde, die die Sprengfallen der multikulturellen Realität aufspüren.

Solchen Problemen zu entfliehen ist sinnlos. Wilhelm Busch jedenfalls suchte Trost in der Natur, die er, wie eine neue kleine Ausstellung mit 50 Originalarbeiten, darunter zwölf Ölgemälden, zeigt, mit liebevoller Genauigkeit beobachtete. Einen heutigen Zugang zur Natur findet man eher bei Stuttmann – seinen Karikaturen zur Klimakrise.

Bis zum 10. Januar im Wilhelm-Busch-Museum, Georgengarten, dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Das Rahmenprogramm beginnt am Sonntag, 1. November, 11 Uhr, mit einer Lesung und Signierstunde von Cornelia Funke. Infos: (05 11) 16 99 99 11.

Bernd Haase 16.10.2009
Tobias Morchner 16.10.2009
17.10.2009