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Aus der Stadt Im HCC zahlen Besucher jetzt auf Vertrauensbasis
Hannover Aus der Stadt Im HCC zahlen Besucher jetzt auf Vertrauensbasis
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21:16 22.05.2017
Von Andreas Schinkel
„Zufriedenheit gesteigert“: Durch die Selbstbedienung kommen HCC-Gäste schneller an ihre Getränke.
„Zufriedenheit gesteigert“: Durch die Selbstbedienung kommen HCC-Gäste schneller an ihre Getränke. Quelle: dpa
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Hannover

In Konzertpausen bedienen sich die Besucher selbst und zahlen den jeweiligen Betrag, der auf einer Preisliste an den Kühlschränken zu lesen ist, in die Kasse ein. So geht die Theorie, in der Praxis ist der Schwund nicht gering. Statistisch genehmigen sich die Besucher teurer Kuppelsaal-Konzerte jedes vierte Getränk für umsonst. „Dennoch rechnet sich die Selbstbedienung“, sagt HCC-Direktor Joachim König. Schließlich spare man das Personal für den Ausschank ein.

König betont, dass es nicht um eine neue Methode gehe, auf Mitarbeiter zu verzichten. „Auslöser waren Beschwerden unserer Gäste, dass sie sich in den Konzertpausen keine Erfrischung gönnen konnten, weil es zu voll war“, sagt der HCC-Direktor. Etwa 20 Minuten dauert eine Pause, bei einem gut besuchten Konzert im Kuppelsaal drängen 3000 Gäste an die Verkaufstresen. „Das ist logistisch nicht zu schaffen“, sagt König. Daher habe man sich etwas anderes überlegen müssen.

Seit Jahresbeginn läuft der Getränkeverkauf auf Vertrauensbasis. 20 Kühlschränke einschließlich Kassen stehen verteilt im Foyer des Kuppelsaals. Wer keine Münzen im Portemonnaie hat, kann sich Kleingeld an der Garderobe wechseln lassen. Auch Brezeln bietet das HCC an einer Selbstbedienungstheke an.

„Wir haben die Zufriedenheit gesteigert“, meint König. 20 Prozent mehr Getränke seien per Selbstbedienung unters Publikum gebracht worden. Das entspreche zwar in etwa dem Schwund, aber unterm Strich gehe die Rechnung auf. „Wenn wir das eingesparte Personal gegenrechnen, haben wir sogar einen kleinen Überhang“, sagt der HCC-Direktor.

Das ist für ihn Grund genug, das Experiment bis zum Jahresende fortzusetzen. Wenn sich der positive Trend fortsetzt, sich die Zahlungsmoral der Gäste womöglich steigert, werden die Kühlschränke im Kuppelsaal zur Dauereinrichtung. Sollten sich aber noch mehr Besucher ermuntert fühlen, ohne Bezahlung zuzugreifen, dann müsse man noch einmal nachdenken, sagt König.

HCC schreibt Verluste: Das Congress-Centrum gehört zu denjenigen städtischen Kultureinrichtungen, die weitgehend kostendeckend arbeiten. Dennoch hat das HCC für das vergangene Jahr einen Verlust von rund 2,3 Millionen Euro verbucht. Die Stadtverwaltung rechnet aber sogenannte Strukturkosten heraus, das sind Investitionen in den Erhalt des historischen Gebäudes. Auch die erhöhten Personalkosten, die aus dem Haustarifvertrag der Stadt Hannover resultieren, werden herausgestrichen, sodass als „operatives Jahresergebnis“ ein Plus von fast 424.000 Euro herauskommt. Die CDU kritisiert diese Rechenmethode seit Jahren, räumt aber ein, dass die HCC-Leitung einen guten Job macht. „Herr König hat viel erreicht“, sagt CDU-Wirtschaftsexperte Jens-Michael Emmelmann.     

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