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Aus der Stadt Immer mehr Depressive in Hannover
Hannover Aus der Stadt Immer mehr Depressive in Hannover
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00:17 26.02.2015
Von Veronika Thomas
In den 31 Lebensberatungsstellen der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover melden sich immer mehr Ratsuchende mit Symptomen einer Depression. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

 „Für viele dieser Menschen sind wir die erste Anlaufstelle“, sagte Axel Gerland, Leiter des evangelischen Beratungszentrums Oskar-Winter-Straße. „Weil wir im Gegensatz zu Psychiatern und Psychotherapeuten verhältnismäßig  schnell Beratungstermine anbieten und Erste Hilfe leisten, können wir verhindern, dass sich Probleme chronifizieren.“ Zur Jahrestagung der kirchlichen Beratungsstellen zum Thema „Depression und therapeutische Hilfen“ kamen jetzt mehr als 100 Teilnehmer nach Hannover.

Nach Angaben von Pastor Rainer Bugdahn, Leiter der Hauptstelle für Lebensberatung in Hannover, haben die Fehltage durch Depressionen in den Unternehmen 2014 einen Höchststand erreicht. Fast jede zweite Krankschreibung sei darauf zurückzuführen. In den 31 Lebensberatungsstellen der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover mit 20 000 Ratsuchenden 2014 sei das Thema bei mittlerweile 20 Prozent aller Menschen Grund für die Anmeldung. „Viele Arbeitnehmer sind am Arbeitsplatz stark belastet. Kommen dann noch persönliche Probleme wie Trennung, Scheidung oder Krankheit hinzu, brechen viele zusammen“, sagt Bugdahn. Auch Pastorinnen und Pastoren würden in ihrer täglichen Arbeit zunehmend mit diesem Thema Depression konfrontiert.

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Die Beratungsstellen verstünden sich aufgrund ihres niedrigschwelligen Angebots als Mittler und Clearingstellen, berichtete Garland. „Durch intensives Nachfragen klopfen wir zunächst ab, ob ein Ratsuchender dringend ärztlicher Behandlung bedarf und überweisen ihn gegebenenfalls weiter.“ In anderen Fällen reichten die angebotenen Gesprächsangebote aus, damit die Krise überwunden werden könne. „Wir überbrücken häufig die Wartezeit auf einen Therapieplatz“, ergänzte Bugdahn, der die unzureichende Versorgung Depressiver in Niedersachsen kritisierte. „Oft übernehmen wir noch die Nachsorge, weil die von den Krankenkassen bezahlten Therapiestunden nicht ausreichen“, bemängelt er.

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