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Aus der Stadt Stadt profitiert von immer mehr Spielsucht
Hannover Aus der Stadt Stadt profitiert von immer mehr Spielsucht
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00:15 21.02.2015
Von Andreas Schinkel
Werbung für „Spiel und Spaß“ in Automatenhallen ist gesetzlich nicht erlaubt, wird aber oft ignoriert, wie hier am Steintor.
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Hannover

„Drei Wochen Wartezeit zwischen Beratungsterminen sind einfach zu viel“, sagt Silke Quast, Expertin für Glücksspielsucht beim Diakonischen Werk. Im vergangenen Jahr haben mehr als 100 Spielsüchtige zum ersten Mal die Beratungsstelle aufgesucht - eine Rekordzahl. Quast geht davon aus, dass rund 5000 Menschen mit Spielsucht im Stadtgebiet leben. Zählt man das Umland hinzu, verdoppelt sich die Zahl.

Die meisten Spielsüchtigen zieht es in Automatenhallen, aber auch Sportwetten werden beliebter. „Die Tendenz ist besorgniserregend“, sagt die Landeskoordinatorin für Glücksspielsucht, Martina Kuhnt. Sie sieht Stadt und Land in der Pflicht, den Spielhallenbetreibern genauer auf die Finger zu schauen und Geld in die Prävention zu investieren. „Schließlich profitiert die Stadt von der Spielsucht“.

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Tatsächlich boomt das Geschäft mit den Geldspielautomaten. Beliefen sich die Einnahmen der Geräte in Hannover vor drei Jahren noch auf 36,5 Millionen Euro, stieg die Summe in 2013 auf 51 Millionen Euro, und das bei einer nahezu gleichbleibenden Zahl von 2000 Automaten im Stadtgebiet. Die Daten stammen aus statistischen Analysen des Arbeitskreises gegen Spielsucht.

Die Stadt verdient dabei kräftig mit, denn sie erhebt eine Steuer auf die Glücksspielautomaten. Nach Angaben der Kämmerei flossen 2008 rund 2,8 Millionen Euro in die Stadtkasse. Danach stieg die Zahl der Geräte rapide an, und die Stadt drehte an der Steuerschraube. Ergebnis: 2014 schöpfte die Stadt fast zwölf Millionen Euro ab, bei einem Steuersatz von 18 Prozent. In diesem Jahr, so wünscht es sich Rot-Grün, erhöht sich der Satz sogar auf 20 Prozent.

Suchtberater wünschen sich von der Stadt schärfere Kontrollen in den Spielhallen, etwa in Sachen Jugendschutz.

„Einige meiner Klienten berichten, dass sie mit 13 Jahren angefangen hätten“, sagt Beraterin Quast. Auch müsse die Stadt stärker darauf achten, Mehrfachkonzessionen für Spielgeräte zu unterbinden. Eine Konzession wird für zwölf Geräte erteilt, meist schaffen es Spielhallenbetreiber, gleich mehrere Konzessionen zu erlangen und einen Gerätepark einzurichten. Nicht erlaubt ist offensive Werbung an den Außenwänden einer Spielhalle. Daran hielten sich aber viele Betreiber nicht, sagt Quast.

Bei der Stadt glaubt man, dass sich das Problem in ein paar Jahren von selbst erledigt. Dann gilt die gesetzliche Regel, dass Spielhallen untereinander einen Mindestabstand von 100 Metern wahren müssen. „Die Zahl der Hallen wird schätzungsweise um die Hälfte sinken“, heißt es aus dem Ordnungsdezernat.

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