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Aus der Stadt Weitere Vorwürfe gegen Polizisten
Hannover Aus der Stadt Weitere Vorwürfe gegen Polizisten
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00:20 22.05.2015
Von Jörn Kießler
Verganenes Jahr soll der Polizist in der Wache am Bahnhof zwei Flüchtlinge misshandelt haben. Quelle: Thomas
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Hannover

Auf seiner Instagram-Seite geht es vor allem um Männlichkeit. In regelmäßigen Abständen stellte der Bundespolizist, gegen den die Staatsanwaltschaft derzeit wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt, Fotos von sich in möglichst martialischen Posen ins Internet. Einige zeigen den 39-Jährigen aus dem Kreis Schaumburg grimmig blickend in Uniform, das Funkgerät am Revers seiner schusssicheren Weste. Auf einem anderen Bild ließ er sich mit dem Einsatzhelm der Bundespolizei ablichten und versah den Eintrag mit dem Verweis #swat. Die vier Buchstaben stehen für die englischen Wörter special weapons and tactics und bezeichnen die Spezialeinheiten bei der Polizei, die ganz harten Jungs sozusagen, zu denen sich der Beamte offenbar auch zählt.

Auf seinem Instagram-Account zeigte sich der Polizist in martialischen Posen. Quelle: Instagram

Die Taten, deretwegen ihn zwei Personen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt haben, haben indes mit Heldenmut nichts zu tun. So soll er im vergangenen Jahr in mindestens zwei Fällen Flüchtlinge misshandelt haben, die sich in Gewahrsam der Bundespolizei am Hauptbahnhof befanden. Zudem wird ihm illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Die Liste der Vergehen, die ihm zur Last gelegt wird, wird stetig länger. Unter anderem soll der Beamte einem Kollegen seine entsicherte Dienstwaffe an die Schläfe gehalten haben.

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„Die Anzeige, die bei uns gestellt wurde, ist sehr umfangreich“, sagte Oberstaatsanwalt Klinge am Dienstag. Sämtliche darin enthaltenen Punkte wollte er jedoch nicht nennen. „Es gibt auch Verdachtsfälle, die dienstrechtliche, jedoch keine strafrechtliche Relevanz haben“, so Klinge. Zudem müsse die Staatsanwaltschaft zunächst alle Anschuldigungen genau prüfen. „Es hat sich herausgestellt, dass die beiden Personen, die die Anzeige am 7. Mai gestellt haben, manche Sachverhalte nicht selbst erlebt haben, sondern nur über Dritte davon erfuhren“, sagt der Behördensprecher. Noch Dienstag sollten daher die beiden Zeugen vernommen werden.

Als wesentlich schwieriger stellt sich die Befragung der beiden Flüchtlinge dar, die von dem Beamten misshandelt und erniedrigt worden sein sollen. „Von beiden war uns eine Anschrift bekannt, wo sie sich in Deutschland aufhalten sollen“, sagte Oberstaatsanwalt Klinge. Jedoch habe man weder den 19 Jahre alten Marokkaner noch den gleichaltrigen Afghanen an den jeweiligen Adressen angetroffen. Auch über den aktuellen Aufenthaltsstatus der beiden Flüchtlinge konnte Klinge gestern nichts sagen.

Derweil äußerte sich die Bundespolizei selbst am Dienstag erstmals öffentlich zu den Vorwürfen gegen ihren Mitarbeiter. Polizeipräsident Dieter Romann reiste nach Hannover, um sich ein Bild von der Dienststelle am Hauptbahnhof zu machen und dort mit den Mitarbeitern zu sprechen. „Sollten sich die zum Teil erheblichen Vorwürfe, die Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen sind, auch nur ansatzweise bestätigen, wird die Bundespolizei mit aller Konsequenz gegen den oder die Beamten vorgehen“, sagte Romann. Die Bundespolizei werde es nicht zulassen, dass einer oder einige wenige die Reputation der gesamten Organisation aufs Spiel setzen.

Ob es sich nur um das Fehlverhalten eines Einzelnen handelt oder auch Kollegen von den Übergriffen auf die Flüchtlinge wussten oder sogar beteiligt waren, muss die Staatsanwaltschaft klären. Bereits gestern wollten die Ermittler Bundespolizisten der Dienststelle vernehmen.

Mindestens einer von ihnen muss vom Hang des Kollegen gewusst haben, sich selbst als martialischen Polizisten zu inszenieren. Eines der Bilder im Internet zeigt den 39-Jährigen mit einem Kollegen in voller Einsatzkleidung. Er formt mit Daumen und Zeigefinger eine Pistole. Neben das Foto hat der Polizist die Wörter „weekend, bro, cop, man, party“ geschrieben.

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