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Aus der Stadt 1500 neue Wohnungen für Hannover geplant
Hannover Aus der Stadt 1500 neue Wohnungen für Hannover geplant
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20:44 27.04.2015
Von Andreas Schinkel
Foto: Die Geschäftsstelle der GBH in den Sieben Stücken.
Foto: Die Geschäftsstelle der GBH in den Sieben Stücken. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Die städtische Immobiliengesellschaft GBH kündigt an, 1500 Wohnungen in fünf Jahren bauen zu wollen. Im kommenden Jahr soll es losgehen. „Jedes Jahr investieren wir dann zwischen 60 und 90 Millionen Euro“, sagt GBH-Geschäftsführer Karsten Klaus auf Nachfrage der HAZ.

300 Wohnungen pro Jahr will das Unternehmen damit finanzieren. Die Häuser entstehen in Baulücken im gesamten Stadtgebiet, auf größeren Flächen wie dem südlichen Kronsberg, auf dem Gelände des ehemaligen Oststadtkrankenhauses und dem danebenliegenden Areal der derzeitigen GBH-Zentrale - sie zieht in die Innenstadt. „Besonders engagieren wollen wir uns für die Wasserstadt Limmer“, kündigt Klaus an. Der GBH-Chef hofft, mit der Wohnungsbauoffensive ein Signal zu setzen und andere Bauunternehmen zu Investitionen zu ermuntern.

Der Wohnungsmarkt in Hannover ist angespannt. Mieten und Immobilienpreise klettern in begehrten Lagen in die Höhe, vor allem in den citynahen Vierteln Südstadt, Linden, List und Nordstadt. Hannover wächst, besonders kleine, preisgünstige Wohnungen sind rar. Zudem sucht die Stadt nach Wohnungen für Flüchtlinge - Asylsuchende sollen möglichst nur kurze Zeit in Notunterkünften verbringen. Die Stadt geht davon aus, dass viele Flüchtlinge eine Aufenthaltserlaubnis bekommen und sich dann in Hannover eine Existenz aufbauen. „Wir wollen Wohnraum vornehmlich für einkommensschwache Schichten schaffen“, sagt GBH-Chef Klaus.

Bereits jetzt stemmt die GBH mehrere Großprojekte. 48 Millionen Euro fließen in den Bau von 100 Wohnungen auf dem südlichen Klagesmarkt. 63 Millionen Euro investiert das städtische Unternehmen in Abriss und Neubau der Gesamtschule Mühlenberg. Aus der Ratsopposition kommt mitunter die kritische Frage, ob die GBH die Flut von Projekten noch stemmen könne.

„Die GBH steht sehr stabil da“, betont Unternehmenschef Klaus. Die neue Wohnungsbauoffensive wird auch dadurch ermöglicht, dass die GBH einen Teil ihrer jahrelang gesammelten Rücklagen behalten darf und nicht komplett an die Stadt ausschütten muss. Rund 37 Millionen Euro hat die GBH angespart. Grund waren steuerliche Erwägungen. Ein Bundesgesetz schrieb vor zehn Jahren allen gemeinnützigen Einrichtungen vor, eine Steuer auf Gewinnausschüttungen zu entrichten. In fünf Jahren läuft die Regelung aus, die Summe könnte dann steuerfrei in die Hände der Stadt gehen.

Tatsächlich hatte Kämmerer Marc Hansmann (SPD) angesichts des desolaten Haushalts ein Auge auf die 37 Millionen Euro geworfen. SPD und Grüne plädierten aber dafür, das Geld bei der GBH zu belassen und in den Wohnungsbau zu investieren. Jetzt ist ein Kompromiss gefunden. Rund 15 Millionen Euro darf die GBH behalten, 22 Millionen gehen an die Stadt. „Das hilft uns bei unseren Investitionen“, bestätigt Klaus die Informationen der HAZ. Auch in der Kämmerei ist man zufrieden. Die Millionen sollen in den Bau neuer Kitas und in die Schulsanierung gesteckt werden.

Baut Häuser in der Stadtmitte

Kommentar von Andreas Schinkel

Rund 1500 Wohnungen für einkommensschwache Schichten – da drängen sich Bilder von schmucklosen Mietskasernen auf, wie sie in einigen Vierteln Hannovers stehen. Doch man darf der stadteigenen Immobiliengesellschaft GBH vertrauen, dass sie die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt.

Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass die GBH die Ärmel hochkrempelt und eine Bauoffensive startet. Sie setzt einen Impuls für die gesamte Wohnungswirtschaft. Zweierlei ist dabei aber zu beachten. Die GBH schreibt zwar exzellente Zahlen, doch sie darf sich nicht überheben. Das niedrige Zinsniveau spielt den Investoren in die Karten, aber der Preis für Kredite kann schnell wieder steigen.

Gerade ein kommunales Unternehmen muss vorsichtig agieren, damit nicht am Ende der Steuerzahler der GBH aus den roten Zahlen helfen muss. Zum anderen sollte die GBH die Standorte der neuen Wohnhäuser sorgsam auswählen. Nicht an den Rändern der Stadt sind Wohnungen knapp, sondern mitten in den dicht besiedelten Vierteln.

Jörn Kießler 30.04.2015
Tobias Morchner 30.04.2015
Tobias Morchner 27.04.2015