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Aus der Stadt Kein Platz für Kinder?
Hannover Aus der Stadt Kein Platz für Kinder?
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06:43 30.07.2014
Wie familienfreundlich ist Hannover? In der Stadt leben weniger Familien als in anderen Großstädten. Quelle: Michael Joos
Hannover

Die Zahlen scheinen so gar nicht zur Wirklichkeit zu passen: Nach dem jüngsten Monitoringbericht der Stadt liegt der Anteil von Familien an Hannovers Einwohnerschaft nur bei 21,2 Prozent – deutlich unter dem von Großstädten wie Duisburg (26,5 Prozent) oder Dortmund (25,1 Prozent). Dabei versichern viele Familien, dass sie gerne hier leben. Ist Hannover nun also ein familienfreundliches Pflaster – oder doch eher nicht? Wie lassen sich Statistik und Realität in Einklang bringen?

„Das kulturelle und soziale Netz für Familien ist ausgesprochen gut“, betont  etwa Christiane Kemper vom Caritas-Verband. Experten monieren zwar, dass es in der Landeshauptstadt – anders als teils im Umland – kein zentrales Vergabesystem für Kita-Plätze gebe und Eltern oft lange auf eigene Faust suchen müssten. Doch was Kita-Gebühren und das Betreuungsnetz anbelangt, stehe Hannover im Vergleich keineswegs schlechter da: „Was die Stadt für Familien leistet, kann sich sehen lassen“, sagt auch Ulrich Werkmeister vom Regionsvorstand des Deutschen Roten Kreuzes, das in 15 der 21 Regionskommunen Kitas betreibt. Er zählt auf: die Familienzentren, die gute Einbeziehung behinderter Kinder, die große Vielfalt von Kitas und Schulen in unterschiedlicher Trägerschaft. Sein Resümee: „Hannover ist eine familienfreundliche Stadt.“

In der Ratspolitik sieht man das ganz ähnlich: „Die Stadt tut viel, um die Lebensbedingungen für Familien zu verbessern“, sagt SPD-Fraktionschefin Christine Kastning. Sie erinnert an den Ausbau der Kinderbetreuung und die Investitionen in Grundschulen. „Inzwischen hat mehr als die Hälfte von ihnen Ganztagsbetrieb“, sagt sie. Auch CDU-Fraktionschef Jens Seidel, selbst junger Vater, betont, Hannover sei durchaus familienfreundlich.

Manfred Frühling, Landesvorsitzender des Deutschen Familienverbandes, weist darauf hin, dass Familienfreundlichkeit stets von mehreren Faktoren abhänge. So sei das Wohnumfeld in  vielen Vierteln Hannovers deutlich familienfreundlicher als etwa in Duisburg oder Dortmund. „Die Qualität von Spielplätzen, Kitas oder Schulen ist dabei aber gar nicht so entscheidend“, sagt er. Wichtiger sei, dass eine Stadt bezahlbare Mieten zu bieten habe.

Auch CDU-Fraktionschef Seidel sieht eine Aufgabe der Stadt darin, mehr bezahlbare Baugebiete auszuweisen, um Familien zu halten. In diesem Punkt allerdings stellt der Mieterbund Hannover ein gutes Zeugnis aus: „Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist nicht so dramatisch, dass es für Familien prinzipiell eng würde“, sagt Geschäftsführer Randolph Fries. Schließlich habe Hannover als zweite Stadt Niedersachsens ein kommunales Programm zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums aufgelegt, von dem Familien profitierten – ebenso wie viele junge Leute.

Hannover ist ein hochattraktiver Ausbildungsort“, sagt Sozialdezernent Thomas Walter. Aus ganz Deutschland kämen Auszubildende und Studenten  in die Stadt: „Zur Kehrseite gehört es, dass in der Statistik dann der Anteil der Familien in der Stadt sinkt und der Anteil an Singlehaushalten steigt.“ Dem familiären Klima muss dies ja nicht schaden.

Von Simon Benne und Andreas Schinkel

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Nicht nachlassen

Kommentar Von Conrad von Meding

Nach dem letzten Platz im Kinderunfallatlas ist Hannover nun also Schlusslicht beim Familien-Großstadtvergleich. Man könnte spötteln: Wenigstens nicht mehr Mittelmaß. Doch statt kritischer Auseinandersetzung mit unbequemen Zahlen, die man immer kritisieren kann, kommt nun die Abwehrhaltung. Alle betonen, Hannover sei nicht familienunfreundlich. Klaffen Statistik und Realität so weit auseinander?

Es stimmt: Hannover ist ein toller Platz für Familien und tut zugleich viel, damit er besser wird. Trotzdem gibt es weiterhin zu viele triste Spielplätze, zu viele gefährliche Kreuzungen und eher teure Betreuungsplätze. Bei den Anstrengungen darf nicht nachgelassen werden – denn eine familienfreundliche Stadt ist immer auch eine lebenswerte Stadt für alle.

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