Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Was macht den Charme von Opel aus?
Hannover Aus der Stadt Was macht den Charme von Opel aus?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 22.02.2017
Von Gunnar Menkens
Das wichtigste zuerst: In der Mitte ein Opel Manta, Baujahr 1971. Drumherum Patrick Kufahl, René Ackermann (unter der Haube), Janina Adams (Steuer), Marc Langner (Boden) und Hendrik Raulfs (Felge). Alle lieben das Schrauben und Fahren. Quelle: Eberstein
Anzeige
Hannover

Tja, Faszination Opel“, sagt Patrick Kufahl, „was macht die aus? Genau beschreiben kann ich das nicht. Die Form, der Aufbau.“ Klar ist, dass er auf Kombis steht, aber hinten in der Schrauberwerkstatt der „Old School Gas Garage“ wartet jedes Wochenende sein Lieblingsstück. Ein Kadett C-Aero, ein Modell aus den Siebzigerjahren. Er kaufte die Rohkarosserie für 3500 Euro, und dann ging es erst los, Patrick erzählt es mit Liebe zum Detail. Neue Frontmaske. Neue Seitenteile. Neues Heckblech. Neuer Lackaufbau. Verdeck und Himmel vom Sattler. Es ist nicht so, dass der Kadett fahren könnte. Eine Zwei-Liter-Maschine muss noch rein. Klappt alles, ist der Wagen im Mai auf der Straße. Drei Jahre wird Patrick Kufahl am Auto geschraubt haben, und er schätzt, dass dann 20 000 Euro mindestens drinstecken in seinem alten und doch neuen Schön-Wetter-Cabrio.

Autos mit eigenem Gesicht

Der 27-jährige gelernte Lackierer hat damit doch viel erzählt von der Faszination für eine Automarke. Wobei es um alte Opel geht. Autos ohne Computer, mit Stoßstangen aus Chrom statt Plastiküberzügen. Funktioniert etwas nicht, können Schrauber selbst zum 10er-Schlüssel greifen. Es sind Autos, deren Form Designer nicht nach Windschlüpfrigkeit gestalteten, sondern nach: Design. Der Vorsitzende der Opel-Interessengemeinschaft Hannover-Land, Christoph Endres, sagt es so: „Jedes Auto hatte damals ein eigenes Gesicht. Heute gleicht ein Auto allen anderen.“ Die neuen Modelle nimmt er davon nicht aus.

Anzeige
Die Autoliebhaber bringen ihre Wagen wieder auf Vordermann.

In diesen Tagen ist nun heraus gekommen, dass Opel, die deutsche Traditionsmarke unter dem Dach von General Motors, wohl verkauft werden soll. Interessent ist PSA, die Franzosen bauen schon Peugeots und Citroëns. Beide Marken haben eine ähnliche Entwicklung durchgemacht wie Opel. Aus markanten Typen wurden zunehmend gleichförmige Autos. Der Eigentümerwechsel ist natürlich auch ein Thema in der Garage, wo sich Opelfreunde aus der Region einfinden.

Ummantelung für eine Klorolle

Marc Langner, 33, kommt ebenfalls jedes Wochenende. Sein Vater brachte ihn zur Opel-Liebe, damals mit einem Rekord-Modell. Seitdem sagt er, ist er „vom Virus infiziert, das uns alle nicht los lässt“. Bald also unter einem neuen Dach? Sehr schlimm fände er es nicht. „Opel ist doch nur ein lästiger Klotz am Bein für General Motors. Peugeot ist nicht die schlechteste Wahl. Die Autos sind in Ordnung, man hört nichts Schlechtes.“ Langner wünscht sich nur, dass die Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben. Für Schrauber selbst wäre ein Besitzerwechsel egal. Ersatzteile für die Oldtimer sind schwer zu bekommen, gebaut wird nichts mehr.

Mit manchem Accessoire behelfen sich Fans ohnehin selbst. Janina Adams, 2015 bei einem Treffen in Oschersleben zur Miss Opel gewählt, hat das getan. Ihre Mütter häkelte eine weiße Klorollen-Ummantelung. Die Klorollenummantelung steht nun als Symbol für Spießigkeit ironisch im Fonds ihres Opel Corsa und ummantelt tatsächlich eine Klorolle.