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Aus der Stadt „Stolz auf die Präsenz in der Stadt“
Hannover Aus der Stadt „Stolz auf die Präsenz in der Stadt“
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00:20 15.04.2015
Von Saskia Döhner
uru heißt auf Deutsch Führer oder Meister: In ihrem Restaurant verbinden Naresh (li.) und Gurcharn Dass Tradition mit Moderne.
uru heißt auf Deutsch Führer oder Meister: In ihrem Restaurant verbinden Naresh (li.) und Gurcharn Dass Tradition mit Moderne. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Liebe, auch Heimatliebe, geht bekanntlich durch den Magen. „Inder essen indisch, mindestens ein- oder zweimal in der Woche, wenn sie auf Reisen sind“, sagt Gurcharn Dass, der mit seinem Bruder Naresh seit vergangenem Herbst das Restaurant Guru in der List betreibt. Wie sehr die Inder ihre heimische Kost vermissen, davon zeugen die zahlreichen Reservierungen und Anfragen, die das Brüderpaar schon lange vor Messebeginn bekommen hat. Auf Wunsch liefern die Dass-Brüder ihre Gerichte auch auf das Messegelände. Nicht nur das Guru, alle rund zehn indischen Restaurants wie Shalimar, Taj Mahal, Sagir, Koh-I-Noor Dhaba oder Himalaya dürften in den nächsten Tagen gut zu tun haben.

Spuren indischen Lebens finden sich in der Landeshauptstadt einige, viele, aber längst nicht alle sind kulinarisch. „Es gibt vielleicht 50 Familien mit insgesamt 500 Personen in Hannover“, schätzt Gurcharn Dass. Als 15-Jähriger ist er mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder und seinem Vater nach Deutschland gekommen. An der Integrierten Gesamtschule Linden hat er sein Abitur gemacht, später ein Jurastudium begonnen, eine Lehre als Handelsassistent absolviert und für H&M und Görtz im Ausland gearbeitet. In Kanada entdeckte er, wie indische Küche auch schmecken kann – knackiges Gemüse, frischer Fisch, mediterran und modern. Genau das bietet er seit vergangenem November auch in seinem Restaurant Guru in der Jakobistraße an.

Hinterm Herd steht sein Bruder Naresh (38), der früher unter anderem im renommierten Gallo Nero gekocht hat. „Inder essen immer warm – auch zum Frühstück, und immer gibt es Tee“, erzählt dieser. Morgens isst man gern ein mit Käse und Kartoffeln gefülltes Brot, deutsche Marmeladenbrötchen dürften für indische Messegäste gewöhnungsbedürftig sein, genauso wie der Spargel, den es ab Mai im Guru gibt. Auch wenn die jüngere Generation der Inder sehr westlich orientiert sei, wie die beiden Brüder sagen. Die Liebe zu ihrem Heimatland hat sie nie losgelassen. Möglichst einmal im Jahr fliegt Gurchan nach Indien, wo noch seine Mutter lebt. Und er tut Gutes dort. In dem Dorf Maksudra, aus dem er stammt, hat er eine Grundschule gegründet. Er trägt die Kosten für Schulkleidung und -bücher der rund 300 Kinder. Von der bitteren Armut, die in weiten Teilen Indiens herrschte, sei er immer wieder betroffen, sagt  der 40-Jährige: „Da laufen Kinder selbst im Winter barfuß herum.“ Am liebsten würde er auch noch eine Hauptschule für ältere Kinder gründen.

Es sei schön, dass Indien Partnerland bei der Hannover Messe sei, betonen die Brüder. „Man ist schon stolz, wenn man die Plakate oder die Stadtbahnen mit dem indischen Löwen sieht“, sagt Naresh. In den indischen Premierminister Narendra Modi setzen sie große Hoffnung: „Der bewegt etwas, endlich.“

Saskia Döhner 15.04.2015
Bernd Haase 12.04.2015
Mathias Klein 12.04.2015