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Aus der Stadt Initiative hilft Obdachlosen am Andreas-Hermes-Platz
Hannover Aus der Stadt Initiative hilft Obdachlosen am Andreas-Hermes-Platz
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00:31 08.11.2017
Selbst im Dauerregen: Bei der Initiative am Andreas-Hermes-Platz gibt es Suppe, einen Pott Kaffee, Backwaren und warme Gespräche. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Es regnet und stürmt, als Björn Lohmann 50 Liter dampfende Linsensuppe aus dem Kofferraum seines Autos hievt. Brötchen, große Kannen mit Kaffee und tellerweise Kuchen haben ihren Weg schon auf die Klapptische am Andreas-Hermes-Platz gefunden. „Wir sind seit knapp einem Jahr jeden Montag hier“, sagt der Initiator der Gruppe „Obdachlosen helfen - Wir tun was“. Freiwillige verteilen von 16.30 bis 18 Uhr Spenden an Bedürftige. „Es sind viele Obdachlose hier“, erzählt Lohmann - „und Rentner, denen das Geld fehlt.“

Die Initiative „Obdachlosen helfen – Wir tun was“ kümmert sich seit einem Jahr um Bedürftige auf dem Andreas-Hermes-Platz.

Einer von ihnen ist Artur. Der 48-Jährige klopft Lohmann zur Begrüßung auf die Schulter. Man kennt sich. „Ich habe eine Wohnung“, sagt Artur. Aber der einstige Boxer mit russischen Wurzeln ist krank. „Die 400 Euro Rente reichen nicht. Das hier sind Freunde, die mir helfen.“ So sieht das auch die obdachlose Evelyn, die mit Hab und Gut auf dem Rücken in der Essensschlange steht: „Hier passen wir aufeinander auf.“

Der Stand vor dem Pavillon ist schon weit vor 16.30 Uhr umringt. „Aber wir fangen nie früher an“, betont Lohmann. Man wolle keinen Neid bei den meist rund 80 Wartenden schüren. „Dann gibt es hier auch keinen Stress.“

Als die Idee für die Initiative vor einem Jahr entstand, war es eine lockere Geschichte. Über Facebook habe man sich verabredet und sei mit ein paar Einkaufswagen zum Raschplatz gezogen, um dort Toastbrote zu schmieren, erinnert sich Lohmann. „Mit der Zeit ist es gewachsen, wir haben uns vernetzt und breiter aufgestellt.“ So kann Mitstreiter Mario Cordes, der auch im Tagestreff der Caritas engagiert ist, dort die Küche nutzen, um für die Obdachlosen montags zu kochen - gerade in der kalten Jahreszeit ein wohltuendes und gefragtes Angebot. „Zu Hause wäre mir langweilig“, sagt Cordes mit einem Augenzwinkern, während er Kelle um Kelle heiße Suppe in Plastikteller füllt. Seine Vorstellung von Obdachlosen habe sich seit Beginn seiner Mitarbeit verändert: „90 Prozent sind ganz normal. Sie freuen sich über ein offenes Ohr.“

Tatsächlich kommen die wenigsten, um sich nur schnell Suppe abzuholen. Die meisten bleiben bis zum Ende. „Das ist hier eine Anlaufstelle mit Herz“, sagt die 61-jährige Erika. Die Obdachlosen fühlten sich von der Gesellschaft oft als Penner oder Drogensüchtige abgestempelt. „Hier werden wir wertgeschätzt. Das tut gut.“

Als Sozialarbeit versteht die Gruppe ihr Engagement denn auch nicht. „Wir wollen einfach etwas tun und helfen, weil es uns gut geht“, sagt Lohmann, der beruflich bei MTU im Schichtdienst eingespannt ist. Seine Freizeit opfert er gern, um die Spenden von Bäckereien und Menschen, die sich bei Facebook gemeldet haben, abzuholen. „Wir könnten aber noch mehr Helfer und Spenden brauchen“, sagt seine Freundin Nicole Teschner. Rund zehn Aktive zählt die Gruppe - viel eigenes Geld sei schon investiert worden.

Einmal im Quartal organisiert die Gruppe eine größere Aktion: einen Spendenstand mit Kleidung und Schlafsäcken, ein Sommergrillen oder eine Weihnachtsfeier. Lebensmittel-, Kleider- und Geldspenden, tatkräftige Hilfe oder Autofahrer, die beim Tansportieren helfen, seien gefragt. Interessierte können eine E-Mail an wirtunwas@gmx.de schicken, auf der Facebook-Seite der Initiative vorbeischauen - oder an einem Montag wie heute zum Andreas-Hermes-Platz kommen. „Wir sind da“, verspricht Lohmann. „Die Leute verlassen sich schließlich auf uns.“

Von Carina Bahl

Stadt hält 64 Notschlafplätze in Hannover vor

1152 Obdachlose zählt die Stadt aktuell: 646 von ihnen sind in sogenannten Schlichtwohnungen untergebracht, 210 in Gemeinschaftsunterkünften für Männer, 65 in Einrichtungen für Frauen und 231 in Unterkünften für Familien. Die Dunkelziffer liegt vermutlich sehr viel höher. Für Männer, die einen Notschlafplatz suchen, hält die Stadt rund 50 Plätze an der Wörthstraße und vier an der Schulenburger Landstraße vor.

Für Frauen gibt es am Vinnhorster Weg bis zu zehn Übernachtungsmöglichkeiten. In der kalten Jahreszeit gilt die Winterregelung. Dann können Obdachlose auch mehrere Nächte in den „Sleep-Ins“ bleiben. Um die Obdachlosen über Beratungsstellen, Tagestreffs und Wohnungshilfen zu informieren, gibt es auch eine aufsuchende Sozialarbeit.

Die Stadt fördert zudem das „Notprogramm Obdachlosigkeit“ mit 45 000 Euro, zu dem im Winter beispielsweise der Kältebus der Johanniter gehört. Rein ehrenamtliche Projekte werden laut Stadt derzeit nicht gefördert.

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