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Aus der Stadt Initiative kritisiert Straßennamen in Hannover
Hannover Aus der Stadt Initiative kritisiert Straßennamen in Hannover
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09:08 10.11.2010
Die Sedanstraße erinnert an die Schlacht bei Sedan 1870, in der 6000 Menschen starben. Quelle: Hannah Suppa
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Spiegeln Hannovers Straßennamen zu viel Militarismus wider? Wind- und wetterfeste Zettel an Straßenschildern in der List und der Oststadt weisen auf einen Internetblog hin, wo die Idee einer hannoverschen Initiative, über die Herkunft der Straßennamen zu diskutieren, erläutert ist. Die Initiatoren sind unbekannt, stammen aber offenbar aus der List. Sie liefern einen neuen Beitrag zu einer Debatte, die Hannover seit Langem beschäftigt. Erst am Montag wurde in der Südstadt die Wißmannstraße umgewidmet – sie ist nun offiziell nicht mehr nach dem Afrika-Kolonialisten Hermann von Wißmann benannt, sondern nach dem Kommunisten Hermann Wißmann, der im Konzentrationslager Heuberg starb.

Der Zettel, der unter dem Straßenschild in der Sedanstraße baumelt, ist in Plastikfolie eingeschweißt. Neben dem Bild einer Pickelhaube ist zu lesen: „In dieser Schlacht starben mehr als 6000 Menschen.“ Dazu gibt es einen Hinweis auf deinestrassen.blogspot.com. Lange wird der Zettel dort wohl nicht hängen. „Wer Schilder an öffentlichen Einrichtungen befestigt, muss damit rechnen, dass sie entfernt werden“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Das gebiete die Verordnung über die öffentliche Sicherheit. Bei der Lister Stadtbezirksmanagerin Stefanie Patté hat sich allerdings noch niemand beschwert – weder über den Straßennamen Sedanstraße noch über den angehängten Zettel.

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Als Urheber der Homepage – und damit wahrscheinlich auch der Schilder – ist ein „Otto Eduard Leopold“ angegeben – offensichtlich ein Pseudonym, zusammengesetzt aus den Vornamen des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck. Die Internetseite kritisiert beispielsweise die Benennung der Walderseestraße nach dem preußischen Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee (1832–1904). Dieser hatte das Kommando über die internationalen Truppen, die 1900 und 1901 den sogenannten Boxeraufstand in China blutig niederschlugen. Die Dennewitzstraße in Vahrenwald, beklagt die Initiative, sei nach der Schlacht von Dennewitz im Jahr 1813 benannt, der knapp 20.000 Menschen zum Opfer fielen. Das Weddigenufer in der Calenberger Neustadt erinnere an einen U-Boot-Kommandanten des ersten Weltkriegs, dem die Initiative unter anderem die völkerrechtswidrige Versenkung dreier Handelsschiffe vorwirft.

Die Diskussion um Straßennamen mit militärischem Hintergrund wird in Hannover teilweise erbittert geführt. Im Mai hatte ein Nachfahre des Generals Paul von Lettow-Vorbeck Strafanzeige gegen Oberbürgermeister Stephan Weil erstattet, weil die Stadt die nach ihm benannte Straße in Badenstedt in Namibia-Allee umbenennen will. Der Vorwurf des Nachfahren: Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener.

Rüdiger Meise und Hannah Suppa

Tobias Morchner 10.11.2010
Felix Harbart 09.11.2010