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Aus der Stadt Häftlinge liefern sich Zechgelage
Hannover Aus der Stadt Häftlinge liefern sich Zechgelage
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20:20 25.11.2014
Von Tobias Morchner
Die Küche in der JVA an der Schulenburger Landstraße.
Die Küche in der JVA an der Schulenburger Landstraße. Quelle: Wilde
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Hannover

Mit Alkoholpegeln zwischen 0,2 und 2,5 Promille sind sieben Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hannover von Mitarbeitern des Gefängnisses erwischt worden. Sie hatten heimlich den Wein- und Martinivorrat in der Küche der Haftanstalt geplündert und es sich in einem Pausenraum gutgehen lassen. Dabei gilt in der JVA ein strenges Alkoholverbot.

Vor genau einer Woche hatten die sieben Häftlinge, die alle in demselben Gebäude untergebracht sind, weil sie einen Arbeitsplatz in der Großküche der Anstalt an der Schulenburger Landstraße bekommen hatten, eine überraschende Entdeckung gemacht. Einer der Schlüssel zu einem der Spinde, in dem sie ihre Arbeitskleidung aufbewahren, passte auch problemlos zu dem Schrank mit dem Kochwein. Schnell wurden die Zellennachbarn zu Zechkumpanen. Ein Teil der Gruppe lenkte den Vollzugsbeamten, der an diesem Tag allein im Dienst war, die beiden Ausbilder und die übrigen Helfer in der Küche ab. Die anderen kümmerten sich um die Getränkeversorgung.

Sie öffneten den Schrank, füllten acht Zwei-Liter Flaschen Kochwein und eine Flasche Martini in andere Gefäße um. Um den Diebstahl zu vertuschen, füllten sie anschließend die Flaschen wieder mit Wasser auf und stellten sie in den Schrank zurück. Anschließend versammelte sich die Gruppe in einem nicht bewachten Pausenraum zu einer heimlichen Sause. Niemand bemerkte zunächst, wie angetrunken die Küchenhilfen hinterher waren. Doch als sie gegen 14 Uhr wieder zu ihren Zellen zurück gebracht werden sollten, fiel den Vollzugsbeamten der schwankende Gang und die lallende Aussprache der Häftlinge auf. Ein anschließender Alkoholtest brachte schließlich die ganze Wahrheit ans Licht.

Die sieben Zecher kommt ihr Fehltritt teuer zu stehen. Gegen alle wird wegen Diebstahls ermittelt. Sie dürfen zudem vier Wochen lang nicht in der JVA arbeiten. Nach dieser Auszeit können sie zwar wieder einer geregelten Tätigkeit in der Anstalt nachgehen. Ausgeschlossen ist allerdings, dass sie jemals wieder in der Küche arbeiten dürfen. Zusätzlich müssen sie einen Monat lang die Haftkosten übernehmen, die sonst von der Anstalt getragen werden. Die genauen Summen stehen noch nicht fest. „Sie hängt vom Einkommen des jeweiligen Insassen ab“, sagt Claudia Brinkmann, stellvertretende Leiterin der JVA. Doch das ist noch nicht alles: Darüberhinaus sind die Alkoholsünder erst einmal einmal vom Einkauf im Gefängnis ausgeschlossen. „Außerdem prüft die Staatsanwaltschaft in einem Fall, ob die bereits bewilligte Weihnachtsamnestie wieder rückgängig gemacht werden muss“, sagt Brinkmann. Die Weinvorräte der Küche werden künftig auch anders gelagert. Der Schrank mit allen alkoholischen Getränken wird ab sofort im Büro eines Bediensteten aufgestellt.

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