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Aus der Stadt Kann denn Lachen Sünde sein?
Hannover Aus der Stadt Kann denn Lachen Sünde sein?
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20:54 07.01.2015
Von Rüdiger Meise
Atze lässt die Muskeln spielen: Die HAZ traf den Comedystar standesgemäß in der Catcher-Kneipe Max Walloschke am Steintor.
Atze lässt die Muskeln spielen: Die HAZ traf den Comedystar standesgemäß in der Catcher-Kneipe Max Walloschke am Steintor. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Herr Schröder, wie darf ich Sie anreden?

Ich bin natürlich der Atze.

Ja, das sieht man. Im April forderst du 4500 Leute in der Swiss Life Hall in Hannover zum „Richtig Fremdgehen“ auf. Wie geht das deiner Meinung nach?

Vor allem muss sich Fremdgehen lohnen. Wenn, dann richtig. Wenn man sich so umhört, dann merkt man, wie viele Menschen schon mal fremdgegangen sind. Viele davon ganz verschämt. Aber das ist amateurhaft! Wenn man schon untreu wird, dann muss das etwas sein, an das man sich immer erinnert. Frag mal alte Leute, was sie bereuen. Die sagen, sie bereuen vor allem das, was sie nicht getan haben.

Ist deine Frau der gleichen Meinung?

Meine Frau weiß, dass ich immer treu bin – zumindest mir selbst.

Wird Moral überbewertet?

Moral entsteht nur durch zu niedrigen Blutdruck, und Lkw-Fahrer wissen: Laster sind schwer zu bremsen. Von Moral wollen die Leute auch bei der Show nichts hören. Anfangs habe ich versucht, das Programm mit einem Appell zu schließen: „Leute, jetzt mal im Ernst, lasst die Finger davon.“ Aber das will keiner. Jetzt rate ich am Ende der Show, bei der Fahrt nach Haus mal im Wald anzuhalten. Auch wenn die Leute verheiratet sind. Sogar miteinander. Dann gucken die Frauen schon wolllüstig - und die Männer, als drohe Arbeit.

Ein lustiges Programm zu einem ernsten Thema ...

Das ist ja immer so bei gutem Humor. Wenn du so ein Programm konzipierst, fragst du dich schon, wieso die Leute eigentlich fremdgehen. Was fehlt ihnen denn und wieso? Das ist ein tiefgründiges Thema. Aber auf der Bühne kannst du diese Gedanken nicht brauchen - sonst fragen die Leute: „Soll das etwa Comedy sein?“ Auf der Bühne muss es krachen.

Auf der Bühne lässt du es schon ganz schön lange krachen. 1998 hast du mit dem Programm „Nur so geht’s“ angefangen. Das ist 16 Jahre her. Altert die Figur Atze Schröder eigentlich gar nicht?

Na klar altert die. Damals habe ich ein weißes Netzhemd angehabt, mit Ringen an den Brustwarzen. Das ziehe ich inzwischen nicht mehr an. Aber Atze bleibt eben Atze.

16 Jahre Solarium. Ist das nicht ziemlich ungesund?

Ich war noch nie im Solarium, ich bin nur gut durchblutet. Sehe ich so aus? Ich komme gerade von Mallorca!

Zur Frisur frag ich gar nicht erst. Aber was machst du, wenn die Sonnenbrille mal kaputt geht?

Die Brille hat mir ganz am Anfang mal ein Fan mitgebracht. Der meinte, sie würde zu mir passen - das stimmt wirklich. Guck her (zeigt das Gestell; d. Red.). Ich habe mir dann immer Reservebrillen dieses Modells gekauft, wenn ich mal eine gesehen hab. Inzwischen kann man die im Internet bestellen (Alpina TR3 Large; d. Red.).

Auch wenn es genügend Brillen gibt - wie lange kannst du den jungenhaften, dynamischen Atze noch spielen?

Mein großes Vorbild war und bleibt Udo Jürgens.

Erinnerst du dich noch an deine Shows im Capitol in Linden vor knapp 20 Jahren?

Aber ja! Das war immer super. Ich bin im Capitol mit Götz Alsmann aufgetreten, da haben wir mal in der Bühnenpause Backstage eine solche Party gefeiert, dass wir glatt die Show vergessen hatten. Irgendwann kam einer rein und erinnerte uns, dass die Leute warten. Und hinterher ging es in den Kneipen weiter.

Was magst du am liebsten? Bühnenshows? Moderationen? Filme?

Bühne! Mit Abstand! Da weißt du sofort, ob ein Gag funktioniert, hast einen direkten Draht zum Publikum. Und wenn es gut läuft, schaukelst du dich mit dem Publikum gegenseitig hoch. Ein Riesenspaß!

Wie nah kommt eigentlich die Kunstfigur Atze Schröder ihrem Darsteller?

Sehr nah. Schon immer. Ein Beispiel: Ganz am Anfang, ich hatte noch kein eigenes Programm, sollte ich mal irgendwo auf die Bühne gehen und Zeit überbrücken. Ich fragte: „Wie lange?“ Die Antwort: „60 Minuten.“ Puh. Ich ging raus und erzählte ein paar Geschichten meines alten Herren - und dann lief es wie von selbst. Alles wird einfacher, wenn du Spaß dabei hast.

Die Kunstfigur Atze Schröder ermöglicht dir den Luxus, im Alltag kaum erkannt zu werden. Es ist ein bisschen wie mit einem Superhelden: Du rettest den deutschen Humor, und dann gehst du nach Hause und niemand weiß, dass Clark Kent Superman ist ...

Stimmt schon - aber ich bin nicht Superman, dann doch eher Karlsson vom Dach.

Interview: Rüdiger Meise

Zur Person

Atze Schröder lehnt die Offenlegung seiner Identität ab und ist mehrmals erfolgreich gerichtlich dagegen vorgegangen. Laut einer fiktiven Biografie ist er 1965 in Essen geboren, war Turner, Tanzlehrer und Soziologiestudent und wurde später Komödiant. Zumindest Letzteres stimmt. Er zählt zu den erfolgreichsten deutschen Comedystars, wurde ausgezeichnet und spielte in mehreren Filmen mit sowie in der Fernsehserie „Alles Atze“. Sein Auftritt am 24. April in der Swiss Life Hall Hannover ist ausverkauft.

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