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Aus der Stadt "Haarmanns Gehilfen wurde Unrecht getan"
Hannover Aus der Stadt "Haarmanns Gehilfen wurde Unrecht getan"
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00:16 16.02.2017
Von Simon Benne
Die Taten des Serienmörders Fritz Haarmann (2. v.l.) beschäftigen die Forschung bis heute. Das kleine Bild zeigt Hans Grans. Quelle: Archiv/Montage
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Frau Lieske, der Kriminalfall Fritz Haarmann ist in Hannover eigentlich bestens bekannt. Sie haben trotzdem noch etwas Neues dazu herausgefunden ... 
Ja, über Haarmanns mutmaßlichen Geliebten Hans Grans. Eher zufällig bin ich bei meinen Recherchen in Bergen-Belsen und im Landesarchiv Hannover auf Unterlagen über ihn gestoßen, die der Forschung bislang unbekannt waren.

Zwischen 1918 und 1924 hat Fritz Haarmann in Hannover mindestens 24 Jungen und Männer getötet.  Haarmann wurde auch „Vampir von Hannover“ genannt.

Hans Grans galt als „Haarmanns Gehilfe“, als sein Vertrauter und als wohl einziger Mensch, der ausgerechnet Haarmann sein Leben zu verdanken hatte.
Nach Haarmanns Mordserie wurde auch Grans im Jahr 1924 zum Tode verurteilt, wegen Anstiftung zum Mord. Dann jedoch warf Haarmann auf einer Fahrt vom Gerichtsgefängnis zum Polizeipräsidium einen Brief aus dem Autofenster, in dem er alle Schuld auf sich nahm. Der Prozess wurde noch einmal aufgerollt und Grans’ Strafe in zwölf Jahre Zuchthaus umgewandelt. Das Urteil war schon damals umstritten.

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Grans hätte demnach etwa im Jahr 1936 aus der Haft freikommen müssen.
Kam er aber nicht. In der NS-Zeit kam er - wie Zehntausende andere - in sogenannte Vorbeugehaft. Nach dem Menschenbild der Nazis galten Vorbestrafte wie er als „Berufsverbrecher“, Grans wurde noch dazu als gemeingefährlich eingestuft. Nach seiner Haftstrafe steckte man ihn ins KZ. Unter anderem saß er in Sachsenhausen, nach einer Odyssee durch verschiedene Lager kam er 1945 dann von Mittelbau-Dora nach Bergen-Belsen. Und als die Briten dieses Lager befreiten, sperrten sie ihn und einige andere Häftlinge gleich wieder ein. Bis Januar 1946 saß er im Zuchthaus Celle, ehe er schließlich freikam - nach fast 22 Jahren Haft.

Er arbeitete dann unter anderem auf dem Bau.
Und er kämpfte um eine Entschädigung. Bis in die Sechzigerjahre hinein stellte er Anträge - ohne Erfolg. Die Vorstellung, wer als NS-Opfer gelten durfte, war sehr eng damals. Zweimal sagte Grans selbst gegen SS-Täter aus Sachsenhausen aus, doch obwohl er nur als Zeuge vor Gericht stand, blieb sein Misstrauen gegenüber der Polizei und der Justiz spürbar. Eine Chance auf Wiedergutmachung hatte Grans, der bis zu seinem Tod im Jahr 1975 in Oberricklingen lebte, nie. Heute muss man sagen: Ihm ist Unrecht geschehen.

Das ist Dagmar Lieske

Dagmar Lieske ist Historikerin, promovierte an der FU Berlin und arbeitet in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Die 38-Jährige hält am Dienstag, 21. Februar, 18 Uhr, im Historischen Museum einen Vortrag über Hans Grans und die sogenannte NS-Vorbeugehaft.

Interview: Simon Benne

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