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Aus der Stadt "Es ist eine Frage, ob man so mit Kritikern umgeht"
Hannover Aus der Stadt "Es ist eine Frage, ob man so mit Kritikern umgeht"
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19:52 09.04.2016
Von Conrad von Meding
Wundert sich über die lange und scharfe Replik von SPD-Chef Sigmar Gabriel: Philipp Kreisz aus Hannover.
Wundert sich über die lange und scharfe Replik von SPD-Chef Sigmar Gabriel: Philipp Kreisz aus Hannover. Quelle: dpa/Berger
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Herr Kreisz, mit einer etliche Minuten langen Wutrede hat Sigmar Gabriel beim Landesparteitag auf Ihre Kritik reagiert. Wie ist es für einen jungen SPD‘ler, wenn der Parteivorsitzende versucht, einen vor großem Publikum zusammenzustauchen?

Beim Bundesparteitag hatte er auch schon auf Kritik der Juso-Chefin Johanna Uekermann sehr heftig reagiert. Ich hatte daher durchaus damit gerechnet, dass er kontert – aber nicht damit, dass die Antwort so lang und so heftig ausfällt. Es ist eben so die Frage, wie man mit seinen Kritikern umgeht. Seltsam fand ich: Ich hatte drei Minuten Redezeit, er durfte 15 Minuten lang antworten. Und dann ist es irgendwie komisch, dass er mir erzählt, was ich am Infostand angeblich sage – obwohl er doch nie dabei gewesen ist.

Beim Thema Waffenlieferung wirft er Ihnen ja regelrecht Falschbehauptungen vor.

Das kann ich nur schwer nachvollziehen. Ich habe meine Informationen über solche Geschäfte ja auch nur aus den Medien, da steht unwidersprochen, dass wir mit Genehmigung des Bundeswirtschaftsministers Waffen nach Saudi-Arabien geliefert haben. Andererseits ist es natürlich so: Wenn er sagt, unter einem SPD-geführten Bundeswirtschaftsministerium hätten sich die Waffenlieferungen verringert, dann finde ich das selbstverständlich gut.

Auf Facebook hat Ihre Mutter grad gepostet: „Deine Mama ist stolz auf dich.“ Wie sind ansonsten die Reaktionen?

Es gibt sehr viele positive Reaktionen, aber natürlich auch Kritik. Eben auf dem Parteitag habe ich mich länger mit jemandem unterhalten, der meinte, solche Kritik müsse man ausschließlich über Inhalte und nicht an Personen diskutieren. Ich kann diese Position zwar verstehen. Aber ich finde, es darf nicht dazu kommen, dass wir keine Kritik mehr an unserer Parteiführung üben. Die Frage muss erlaubt sein, ob wir die richtigen Leute vorne haben. So viel innerparteiliche Kritikfähigkeit erwarte ich in meinem Ortsverein, wo ich Vorsitzender bin, und das muss genauso in jeder SPD-Parteigliederung erlaubt sein.

12.04.2016
09.04.2016