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Aus der Stadt „Wir begeistern vielschichtig“
Hannover Aus der Stadt „Wir begeistern vielschichtig“
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00:15 07.05.2015
Von Bernd Haase
Zoo-Geschäftsführer Andreas Casdorff. Quelle: Marta Krajinović
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Hannover

Herr Casdorff, Sie sind Familienvater. Haben Sie einen Ausflugstipp?
Wir fahren gerne ans Meer. Aber wenn es um einen kürzeren Ausflug geht, dann in den Zoo.

Als Hausherr haben Sie die Torschlüssel und sind nicht auf die allgemeinen Öffnungszeiten angewiesen. Zu welcher Tageszeit sind Sie am liebsten im Zoo?
Früh am Morgen, wenn noch gar keine oder nur wenig Besucher da sind. Dann hört man die Tiere, es riecht frisch. Die Erlebnisse sind zu dieser Tageszeit sehr intensiv.

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Im Zoo sind in den vergangenen 20 Jahren rund 120 Millionen Euro investiert worden, weitere 71 Millionen Euro sollen folgen. Was ist er eigentlich wert? Wollen Sie ihn kaufen?
Das käme auf den Preis an. Das Grundstück gehört der Stadt Hannover und laut Baurecht darf dort nur ein Zoo stehen. Man kann damit also nicht spekulieren. Die Tiere haben keinen bilanziellen Wert, weil Zoos mit ihnen Gott sei Dank keinen Handel treiben. Wenn wir dauerhaft schwarze Zahlen schreiben und man das Zehn- bis Zwölffache der jährlichen Ertragskraft ansetzen würde, ergäbe sich ein Kaufpreis im einstelligen Millionenbereich. Aber das ist wirklich nur Zahlenspielerei. Entscheidend ist der ideelle Wert.

Noch sind die zwei Mädchen schüchtern und machen ihrem unschuldigen Aussehen alle Ehre: Kurzes goldbraunes Fell, tiefschwarze Augen, eine große feuchte Nase - im Zoo Hannover gibt es seit Mitte April Bison-Nachwuchs.

Wie bemisst er sich?
Der Zoo ist heute das beliebteste Freizeitziel und ein wichtiger Veranstaltungsort in Hannover. Er hat Symbolkraft und eine hohe Werbewirksamkeit für die Stadt und das Land.

Aber es geht schon auch darum, Tiere zu präsentieren ...
Ja, aber nicht nur um reine Schaustellerei. Wir haben einen Bildungsauftrag, wollen sensibilisieren, Neugier anstacheln und die Besucher manchmal auch mit Herausforderungen und Problemen konfrontieren.

Mit Problemen?
Zwei Beispiele: Seit Wölfe in Ortschaften aufgetaucht sind, wird sehr heftig darüber diskutiert, es entstehen Ängste. Bei unseren kanadischen Wölfen in der ­Yukon Bay ist beides zu beobachten: Ihre Wildheit, aber auch ihr ausgeprägtes Sozialverhalten. Man betrachtet die Dinge differenzierter, wenn man das erlebt hat. Oder nehmen Sie Berichte über Nashornwilderei. Man setzt sich damit ganz anders auseinander, wenn man so ein faszinierendes Tier leibhaftig gesehen hat. Wir tragen dazu bei, dass die Menschen eine engere Beziehung zur Tierwelt entwickeln.

Manche Zootiere sind beliebter als andere, einige werden sogar zu Stars. Ein Reigen durch 150 Jahre Geschichte in Hannover.

Gibt es den typischen Zoobesucher?
Nein, wir begeistern vielschichtig. Vormittags sind zum Beispiel viele junge Mütter hier. Es kommen natürlich Schulklassen und Familien. Dann haben wir zoologisch Interessierte, die sich stundenlang zum Beobachten vor die Gehege setzen. Und Paare, die in Ruhe etwas besprechen wollen. Auch das ist im Zoo sehr gut möglich.

Das klingt, als sei der Zoo vor allem ein Ort der Ruhe. Wenn aber beispielsweise die Robbenshow in der Yukon Bay läuft, dann geht das unter viel Getöse ab.
Wir müssen beides bieten, Höhepunkte und Ruhepausen. Man kann das mit einer klassischen Opernkomposition vergleichen, bei der sich unterschiedliche Tempi abwechseln.

Andere Tierparks wie München oder Berlin zeigen weitaus mehr Arten. Mangelt es in Hannover an Vielfalt?
Das glaube ich nicht. Es gibt die sogenannten Big Ten, also zehn Arten, die entscheidenden Einfluss auf die Besucherzahlen haben. Darunter sind Elefanten, Eisbären, Schimpansen, Giraffen und andere. Die Big Ten sieht man sämtlich bei uns. Ich bin mir fast sicher: Ein Großteil der Besucher würde nicht merken, wenn wir von den anderen Arten die Hälfte weggeben würden.

Bei den Erdmännchen im Zoo Hannover hat es Nachwuchs gegeben.

Wenn Sie sich zum Geburtstag ein Tier wünschen könnten, welches würden Sie wählen?
Wir suchen nach einem weiblichen Eisbär, um züchten zu können.

Kleine Eisbären sind bewährte Kassenknüller. Man hat das Gefühl, dass mittlerweile jeder zweite Zoo welche zeigt.
Aber kein Besucher fährt nur deshalb von Hannover nach Bremerhaven oder München. Jungtiere lösen starke Emotionen beim Besucher aus und eignen sich daher besonders, um auf deren Probleme in der freien Wildbahn aufmerksam zu machen. Bei den Eisbären ist es das bedrohliche Thema Klimawandel.

Das Konzept des Erlebniszoos mit Themenwelten ist oft kopiert worden. Was muss getan werden, damit Hannover weiter herausragt?
Der Zoo hier ist nach wie vor einmalig. Andere bieten zwar ähnliche Anlagen, aber nicht die Detailtiefe und das Gesamtbild. Bei uns gehen die Besucher die gesamte Zeit durch Themenwelten mit ihren speziellen Bildern. Manchmal merkt man den Übergang von einer zur anderen gar nicht. Dabei helfen uns unser relativ kleines, aber kompaktes Gelände und die ausgeklügelte Wegeführung.

Wenn bald im Zoo wieder gebaut wird, ändert sich dann etwas am Konzept?
Dazu gibt es keinen Grund. Wir halten an der Thematisierung und am Erzählen von Geschichten fest, wollen, wie auch jetzt schon, Emotionen wecken. Allerdings werden wir die Abläufe hinter den Kulissen verbessern, in den Bereichen also, die der Besucher nicht sieht. Neue Bereiche werden jetzt komplett durchgeplant, sodass wir auch eine hohe Kostensicherheit haben. In der Vergangenheit lief das manchmal anders.

Flusspferdbulle Max hat im Zoo Hannover die Aufgabe für Nachwuchs zu sorgen.

Wird es ein weiteres Großprojekt wie Yukon Bay geben?
Es hat Jahre gedauert, um die Polarlandschaft zu verwirklichen. Und sie hat mehr als 40 Millionen Euro gekostet. So etwas können wir uns finanziell und von den Managementkapazitäten her nicht noch einmal leisten.

Aber Yukon Bay ist ein Besuchermagnet. Braucht der Zoo nicht irgendwann einen neuen?
Der Spitzenwert nach der Eröffnung lag bei 1,6 Millionen Gästen im Jahr, jetzt sind es 1,3 Millionen. Ein gewisser Abnutzungseffekt ist also da. Wenn wir die 1,3 Millionen noch etwas steigern und dann in etwa halten können, sind wir zufrieden. Ich bin da optimistisch: Unser Angebot stimmt, und wir werden ja weiterhin Neues bieten.

Die Investitionen im Zoo haben in der Vergangenheit regelmäßig höhere Eintrittspreise zur Folge gehabt. Kommt da noch was?
Ich sehe derzeit keinen Spielraum, die Preise für Tageskarten anzuheben.

Interview: Bernd Haase

 

Zur Person:

Andreas Casdorff ist seit August 2013 neben dem für das Kaufmännische zuständigen Frank Werner Geschäftsführer im Zoo Hannover und verantwortet unter anderem die Bereiche strategische Unternehmensentwicklung, Vertrieb, Marketing und Zoologie. Der 50-jährige Betriebswirt war zuvor 17 Jahre bei der Tui. Zum Zoo kam er auf eher klassische Art – er bewarb sich auf eine Stellenanzeige. Casdorff ist verheiratet, hat einen 22-jährigen Sohn sowie eine elf- und eine 13-jährige Tochter. Die Familie wohnt in Hannover. Die Hobbys des Zoochefs sind sportlicher Natur: Segeln, Fußball, Laufen und Skifahren. Außerdem schwärmt er für alte Autos. Als glühender Fan von Hannover 96 muss er gerade wie viele andere leiden. Haustiere gibt es bei Familie Casdorff übrigens nicht – „wir könnten uns nicht so um sie kümmern, wie es sein müsste“, sagt der Zoochef. Privat reicht es ihm deshalb, die Eichhörnchen im Garten zu beobachten.

Die ersten Sonnenstrahlen des Wochenendes haben im Zoo Hannover für reichlich Andrang gesorgt. Nicht nur die Besucher haben das schöne Wetter genossen - auch die Tiere. 

Der Zoo baut an der Zukunft

Anfang des Jahres hat der Zoo seinen „Masterplan 2025“ vorgelegt und damit einen Wegweiser in die Zukunft. Hinter der Bezeichnung verbirgt sich ein umfangreiches Umbau-, Modernisierungs- und Sanierungskonzept. Wird alles umgesetzt, stehen Investitionen von 71 Millionen Euro an, von denen der Tierpark selbst 40 Millionen Euro über Kredite aufbringen will. Der Rest soll von der Region kommen, die Alleingesellschafter beim Zoo ist.

Das Programm ist notwendig, weil baufällige Anlagen wie das Tropenhaus saniert werden müssen, und es brachliegende Ecken gibt, obwohl das Gelände mit 22 Hektar im Vergleich zu anderen großstädtischen Tierparks eher klein ist. Außerdem sind neue Auflagen und Erkenntnisse in Sachen Tierhaltung zu berücksichtigen – sonst müsste sich der Zoo langfristig beispielsweise komplett von Elefanten und Giraffen trennen.

Insgesamt stehen elf Projekte im Masterplan, zu realisieren in einem Zeitraum, der vom Sommer dieses Jahres bis 2021 reicht. Vor allem wird die ­Sambesi-Landschaft wachsen. In Planung sind ferner ein neues Außengehege für die Drills, eine Erweiterung der Elefanten- und der Giraffenanlage sowie der Bau einer Madagaskar-Landschaft. Im Zuge der Umbauten werden Orang-Utans, Gibbons sowie einige Antilopenarten den Zoo verlassen müssen. Für die Menschenaffen wird schon eine Heimat gesucht. Dafür kommen andere neu in den Bestand, beispielsweise die früher schon in Hannover beheimateten und beim Publikum beliebten Seychellen-Riesenschildkröten.

„... echt anders“ heißt seit einiger Zeit der Werbeslogan des Tierparks, was ­eigentlich auch als Motto für die vergangenen 150 Jahre gelten könnte. Gewandelt hat sich die Anlage an der Eilenriede immer wieder. Für die Zeit nach 2025 gibt es zwar noch keine konkreten Pläne, aber Visionen. Die Geschäftsführung würde gerne eine Asienhalle und eine Erlebniswelt Südamerika hinzufügen, betont aber, es handele sich einstweilen um reines Wunschdenken.

Tobias Morchner 03.05.2015
Conrad von Meding 03.05.2015
Tobias Morchner 03.05.2015