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Aus der Stadt Investoren wollen alte Markthalle wieder aufbauen
Hannover Aus der Stadt Investoren wollen alte Markthalle wieder aufbauen
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00:21 18.01.2016
Von Conrad von Meding
Alt und neu: Hannovers alte Markthalle an der Karmarschstraße wurde im Krieg zerstört. Nach dem Krieg entstand der Neubau. Ein Modell zeigt die Pracht der Ursprungsform. Quelle: HAZ-Archiv/Surrey/Böttcher/Montage
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Hannover

Im Krieg hat Hannover seine anmutige Jugendstil-Markthalle verloren - jetzt wollen Hamburger Investoren sie wieder aufbauen. Gemeinsam mit Wilhelm von Boddien, der in Berlin für den Wiederaufbau des Stadtschlosses gesorgt hat, und dem hannoverschen Verein für Stadtbaukultur haben die Initiatoren das Projekt am Freitag Stadtbaurat Uwe Bodemann vorgestellt.

Die Idee ist nicht neu. Schon 2002 hatte es einen Anlauf für eine Rekonstruktion gegeben. Damals fertigte der hannoversche Architekt Hartmuth Böttcher sogar ein Modell der Halle nach alten Plänen und Fotos. Doch schnell stellte sich heraus, dass die angeblichen Investoren aus Spanien windige Gesellen waren.

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Bilder der Markthalle in Hannover - früher und heute.

Das ist jetzt anders. Die Geldgeber sollen aus einer angesehenen Hamburger Familie kommen, berichtete Albin Homeyer, Vorsitzender des Stadtbaulkulturvereins. Sie kalkulieren mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag - und halten das Projekt im Grundsatz für machbar. „Für Hannover wäre die rekonstruierte Markthalle ein toller Blickfang“, sagt Homeyer. Von Boddien soll über die bestehende Halle an der Karmarschstraße gesagt haben, sie habe den Charme einer beliebigen Fünfzigerjahrehalle, wie sie in jedem Gewerbegebiet stehe.

Stadtbaurat Uwe Bodemann hat am Freitag eine Stunde lang mit den Initiatoren über das Projekt gesprochen. Es gebe „denkmalrechtliche, planungs- und privatrechtliche Aspekte, die einer Realisierung entgegenstehen und die gegebenenfalls überwunden werden müssten“, sagte er anschließend vorsichtig. Nach HAZ-Informationen gibt es diese Probleme:

Denkmal: Auch die Nachkriegs-Markthalle ist als Denkmal eingestuft, ebenso wie der Landtags-Plenarsaal gegenüber. Einem Abriss müssten also die Denkmalbehörden zustimmen - auch wenn dafür die Rekonstruktion eines früheren Bauwerks entstehen würde.

Maße: Die historische Markthalle war viel breiter als die heutige. Sie würde eine Fahrspur der Karmarschstraße überdecken. Auch die neuen U-Bahn-Aufgänge mit Glasaufzug lägen im Gebäude.

Vertragsrecht: Das Markthallengebäude gehört mehreren Eigentümern, die nach Angaben von Maklern verkaufsbereit sind. Das Grundstück aber ist Eigentum der Stadt, der Erbbaurechtsvertrag läuft bis 2047. Die Stadt muss laut Vertrag Abriss oder wesentlichen Veränderungen am Gebäude zustimmen - ähnlich wie beim Maritim. Daher müsste die Ratsmehrheit die Neuerung befürworten.

Homeyer sagte nach dem „sehr konstruktiven Gespräch“, man werde jetzt „über Lösungen nachdenken“. Der Verein hatte bereits Rekonstruktionen etwa der Wasserkunst am Landtag oder des Scherenschleiferhäuschens am Beginenturm angeregt, war aber bei der Stadt bisher stets abgeblitzt. In Hannover gibt es bereits prominente Rekonstruktionen - etwa das Herrenhäuser Schloss oder das Leibnizhaus am Holzmarkt, das eigentlich in der Schmiedestraße stand.

Markthalle als 3-D-Film

Bei ihrer Eröffnung im Oktober 1892 war Hannovers stolze Markthalle die größte Stahl- und Glasbaukonstruktion des Kaiserreichs. Nach dem Vorbild der Pariser Maschinenhalle war der prächtige Bau vom Architekten Paul Rowald entworfen worden und bot 243 Händlern Platz. Im Juni 1943 fiel sie im Bombenhagel eines Luftangriffs in Trümmer. Vor fünf Jahren war sie bereits virtuell wieder auferstanden. Auf Anregung des Stadtbaulkulturvereins war damals eine dreidimensionale Rekonstruktion des Prachtbaus erstellt und in das aktuelle Stadtbild eingebettet worden.

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