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Aus der Stadt Wo ist Herr Seidel?
Hannover Aus der Stadt Wo ist Herr Seidel?
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12:21 14.11.2015
Von Andreas Schinkel
„Einen Freifahrtsschein wird es nicht geben“: CDU-Ratsfraktionschef Jens Seidel. Quelle: Insa Catherine Hagemann
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Hannoever

Bei der China-Reise des Rates ließ sich der CDU-Fraktionschef vertreten, die Haushaltsvorschläge mussten seine Stellvertreter präsentieren, und auch beim gigantischen Baupfusch im Misburger Bad, eine Steilvorlage für die Opposition, erhoben andere Christdemokraten die Stimme. Jens Seidel, einst von Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer als bissiger Angreifer inthronisiert, scheint abgetaucht. Dafür gibt es gute Gründe, dennoch ist das Murren in der Fraktion kaum zu überhören.

„Die Kommunikation zwischen Fraktionschef und seinen Fachpolitikern ist schlecht, man hängt im luftleeren Raum“, sagt ein Fraktionsmitglied. Zur Kommunalwahl im Herbst 2016 müsse Seidel „eine Schippe drauflegen“, so gehe es nicht weiter, sagt ein anderer. Manche wünschen sich bereits eine andere Besetzung, etwa aus der Reihe des jungen, ehrgeizigen Nachwuchses. Wo sich der Chef derzeit aufhält, wissen nicht einmal Mitglieder des Fraktionsvorstands.

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Nach Informationen der HAZ entspannt sich der Fraktionschef gerade im Urlaub. Zuvor plagte er sich wochenlang mit einer Entzündung im Kieferbereich. Mehrere Operationen waren nötig. Zudem erwartet seine Frau ein zweites Kind. Seine Stellvertreter, Finanzexpertin Kerstin Seitz und Wirtschaftsfachmann Jens-Michael Emmelmann, haben derzeit das Ruder übernommen. „Beide haben unterschiedliche Herangehensweisen an die Themen“, sagt ein Fraktionsmitglied. Ein anderer drückt es so aus: „Die gemeinsame Linie fehlt.“

Noch sägt niemand offen an Seidels Stuhl, aber es werden ihm erste Steine in den Weg gelegt. So weigern sich die Südstädter Christdemokraten, ihren Fraktionschef auf den ersten Listenplatz für die Kommunalwahl zu hieven. „Einen Freifahrtsschein wird Seidel nicht bekommen“, heißt es. Ganz oben auf der Südstädter Liste sehen die Christdemokraten den umtriebigen Dieter Küßner, eines der ältesten Ratsmitglieder. Zur Kommunalwahl 2011 hatte Küßner die Pole Position noch für Seidel geräumt und sich mit Platz 2 begnügt. Doch dann wurde es eng für Küßner, erst spät in der Wahlnacht wurde klar, dass auch der zweite Listenplatz für ein Ticket ins Rathaus reicht. Ein solche Zitterpartie solle es für Küßner nicht wieder geben, da sind sich die Südstädter Christdemokraten einig.

Damit wird die Wiederwahl Seidels im Herbst 2016 nicht leichter. Im eigenen Wahlkreis hätte der Lindener kaum eine Chance, in den Rat zu gelangen. 2011 schickte die CDU dort den Rechtsanwalt Muammer Duran, einen türkischstämmigen Kandidaten, ins Rennen - ohne Erfolg.

Conrad von Meding 14.11.2015
14.11.2015
Mathias Klein 14.11.2015