Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Jagau: „Niederflur hätte nachhaltige Folgen“
Hannover Aus der Stadt Jagau: „Niederflur hätte nachhaltige Folgen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:16 18.03.2012
Von Andreas Schinkel
Regionspräsident Hauke Jagau: Klare Position zur D-Linie. Quelle: Behrens
Hannover

Herr Jagau, über Hoch- oder Niederflurbahnen auf der D-Linie sollen jetzt die Bürger entscheiden. Halten Sie die von Rot-Grün vorgeschlagene Bürgerbefragung in der gesamten Region Hannover für eine gute Idee?

Ja, denn es geht nicht nur um zwei Haltestellen auf der Limmerstraße in Linden, sondern um eine perspektivische Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte. Wir müssen klären, wie das Stadtbahnnetz in Hannover künftig aussehen soll. Die Konflikte um den Stuttgarter Bahnhof haben gezeigt, dass die Sensibilitäten in der Bevölkerung groß sind. Ich kann nur jeden Bürger einladen, bei der Befragung mitzumachen.

Die Meinung von rund 800.000 wahlberechtigten Regionsbewohnern einzuholen, kostet Geld. Haben Sie schon ausgerechnet, wie tief der Steuerzahler in die Tasche greifen muss?

Die Regionsversammlung muss entscheiden, wie die Bürgerbefragung umzusetzen ist. Ein möglicher Weg ist eine Befragung per Brief. Billig ist das nicht. Einen konkreten Betrag kann ich Ihnen jetzt noch nicht nennen, die Summe wird sich aber deutlich im sechsstelligen Bereich bewegen.

Eigentlich geht es nur um eine oberirdische Stadtbahnstrecke, die von Ahlem bis in die City führt. Warum sollten darüber die Bürger in Springe, Uetzen oder Basinghausen entscheiden?

Es geht um eine zentrale Frage für den gesamten Öffentlichen Personennahverkehr mit langfristigen Folgen, nicht nur um eine einzelne Linie. Wir haben nur ein Nahverkehrsbudget. Je mehr Geld wir für diese eine Linie ausgeben, umso weniger ist für andere Bereiche da. Und die Mehrkosten für das Niederflursystem schlagen jedes Jahr aufs Neue zu Buche. Ich schätze, dass schon jemand aus Kirchrode, der bereits einen Hochbahnsteig vor der Tür hat, nicht anders antworten wird als jemand aus Großburgwedel. Wenn wir nur die Anwohner in der Limmerstraße fragen, wird die Antwort allerdings wohl eindeutig sein, weil sie sich vor allem um das Erscheinungsbild ihrer Straße Sorgen machen. Andere Kriterien werden da vermutlich weniger zählen.

Soll denn auch abgefragt werden, ob nicht die Bürger einen unterirdischen Verlauf der Linien 10 und 17 für sinnvoll erachten?

Ich gehe davon aus, dass die Frage nach dem Tunnel kein Thema mehr ist. Die Gesamtfragestellung muss jedoch von der Regionsversammlung beschlossen werden.

Wo machen Sie denn Ihr Kreuzchen?

Die Einführung der Niederflurtechnik in Hannover hätte nachhaltige Folgen.Die Flexibilität geht verloren. Niederflurzüge wären nicht auf anderen Strecken einsetzbar. Man müsste eine zweite Werkstatt vorhalten, eigens geschultes Personal, Ersatzwagen. Für die Einführung des Niederflursystems müssten wir 25 Wagen beschaffen - falls die Strecke verlängert wird, mehr. Wir wissen nicht, ob die Landesnahverkehrsgesellschaft den Bau des Systems und die Beschaffung der Wagen finanziell fördert. Bestehende Hochbahnsteige müssten wieder abgerissen werden.

Letztlich geht es doch nur um eine einzige oberirdische Strecke, die möglicherweise bis in die Südstadt oder in andere Stadtteile führt.

Das scheint nur so. Das Thema ist viel komplexer. Welche Stadtteile würden wohl als nächstes die Einführung von Niederflurbahnen auf ihren Strecken fordern? Schon jetzt haben wir diese Diskussion in Laatzen! Das ganze System steht dann infrage. Derzeit treiben wir den Ausbau der Hochbahnsteige voran. Die neuen Züge, die jetzt beschafft werden, haben keine Klapptrittstufen mehr - sie können also gar nicht mehr ebenerdig aussteigen lassen. Dass ein Bahnsteig für Niederflurbahnen städtebaulich schöner aussieht, ist klar. Ebenerdig ist der allerdings auch nicht. Wir diskutieren hier über 50 Zentimeter Höhenunterschied.

All diese Vor- und Nachteile sind lange bekannt. SPD und Grüne hätten längst einen Beschluss fällen können. Sollen jetzt die Bürger die Entscheidungsschwäche der Politik ausbügeln?

Eine Bürgerbefragung ist ein gesetzlich verankertes Instrument, auf das die Kommunalpolitik zurückgreifen kann. Die gesamte Diskussion in den vergangenen zwei Jahren über die Vor- und Nachteile der beiden Stadtbahntechniken war notwendig, um das Thema zu durchdringen und hat auch dazu geführt, die Verträglichkeit der Hochbahnsteige stärker zu berücksichtigen. Klar ist aber auch: Wenn es kein Streitthema in der Gesellschaft gewesen und Rot-Grün sich einig gewesen wäre, hätte man wohl auf eine Bürgerbefragung verzichtet.

Sie sind zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der Üstra. Geraten Sie nicht in einen Gewissenskonflikt, wenn Sie am Ende doch dem Kauf von Niederflurzügen zustimmen müssten?

Nein. Auch als Verwaltungschef bin ich verpflichtet, die Entscheidungen der Regionsversammlung umzusetzen, auch wenn sie mir nicht gefallen. Die Mehrbelastung von rund 800000 Euro pro Jahr für die Üstra wird dann aus der Regionskasse ausgeglichen, also letztlich vom Steuerzahler.

Wann sind sie eigentlich das letzte Mal über die Limmerstraße gebummelt?

Im vergangenen Jahr. Ich finde, die Straße hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Ich gehe gern auf die Limmerstraße, weil ich da vor 25 Jahren mal gewohnt habe.

Können Sie sich dort einen Hochbahnsteig vorstellen?

Der erste Vorschlag mit einem langen Hochbahnsteig wäre nicht verträglich gewesen. Ich glaube aber, dass wir jetzt mit dem Vorschlag für einen neuen Standort und einen kürzeren Bahnsteig eine gute Lösung für die Limmerstraße gefunden haben. Man kann die neuen Hochbahnsteige auch nicht mehr mit den Klötzen aus den achtziger Jahren zu vergleichen.

Die Fragen stellte Andreas Schinkel

Mehr zum Thema

Niederflur oder Hochflur? Die Bürger sollen über die Zukunft der Stadtbahnlinien 10 und 17 – der sogenannten D-Linie – entscheiden. Doch was passiert bei der Bürgerbefragung eigentlich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

15.03.2012

„Alle reden von Bürgerbeteiligung – wir auch.“ Das ist nun die Formel, die SPD und Grüne in ihrem Disput um die Zukunft der hannoverschen Stadtbahn gefunden haben. Und auf den ersten Blick wirkt es tatsächlich, als wären die Vertreter des rot-grünen Bündnisses damit auf der Höhe der Zeit.

Volker Goebel 14.03.2012

Die Entscheidung über eines der umstrittensten Themen in Stadt- und Regionspolitik wird jetzt in die Hände der Bürger gelegt. Zur Zukunft der D-Linie in Hannover, auf denen die Stadtbahnlinien 10 und 17 verkehren, werden im Sommer Hunderttausende Einwohner Hannovers und der Umlandkommunen befragt.

17.03.2012

Eine defekte Wasserleitung einer Sprinkleranlage hat am Donnerstag in einem Modegeschäft am Kröpcke einen Wasserschaden verursacht. Die Höhe des Sachschadens kann derzeit noch nicht geschätzt werden.

15.03.2012
Aus der Stadt Vergleich vor dem Arbeitsgericht - Moslem darf bei der Arbeit beten

Der muslimische Mitarbeiter eines Tiefbauunternehmens aus Ronnenberg darf weiterhin Gebetspausen einlegen. Ein entsprechender Vergleich wurde am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht Hannover geschlossen.

Bernd Haase 15.03.2012

Kein üblicher Parteitag: In einer kurzen, Aufsehen erregenden Rede rechnete der Chef der FDP-Ratsfraktion, Wilfried Engelke, am Mittwochabend mit seiner Partei ab.

Andreas Schinkel 15.03.2012