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Hannover Aus der Stadt Jasagen am laufenden Band
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10:23 26.07.2014
Von Andreas Schinkel
Auch das geht: Heiraten auf dem Solarboot der Maschseeflotte. Quelle: Kris Finn
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Hannover

Eigentlich sollte es ein unvergesslicher Tag werden. Die Heirat der eigenen Tochter, ganz in Weiß, umgeben von Freunden und Familie, entzückte Gesichter überall. Doch es kam anders. Das mag auch damit zusammenhängen, dass dieser Freitag Mitte Juli ein ausgesprochen heißer Tag war. Kein Wetter für enge Krawattenknoten und schwere Hochzeitskleider. Doch das sei nur ein Randaspekt, meint die Brautmutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Wir haben auf dem Standesamt im Alten Rathaus einen Rummel erlebt, der nichts mit einer feierlichen Zeremonie zu tun hatte“, ärgert sie sich.

Bereits auf den Fluren des Alten Rathauses fühlte sich die Hochzeitsgesellschaft an Warteräume des Ordnungsamtes erinnert. Fehlte nur noch der Nummernautomat. „Mehrere Hochzeitsgesellschaften harrten vor den Türen der Standesbeamten aus“, erzählt die Brautmutter. Offenbar hatte es eine Terminverzögerung gegeben, sodass sich eine Art Heiratsstau bildete. Als man endlich an der Reihe war, passte die Gesellschaft kaum in das enge Trauzimmer. „Es war heiß und stickig, eine Verwandte fiel in Ohnmacht“, berichtet die Brautmutter. Da kam es dann auch nicht mehr darauf an, dass die Zeremonie innerhalb von 20 Minuten durchgezogen wurde. „Wir waren am Ende froh, wieder draußen zu sein“, sagt sie. Doch vor dem Portal des Alten Rathauses war man keineswegs allein. Mehrere Frischvermählte mit ihrer Entourage drängten sich auf dem kleinen Vorplatz und schienen sich gegenseitig mit Reis zu bewerfen. Eine Gruppe Straßenmusikanten sah ihre Chance, hob zu einer munteren Melodie an und ließ dann den Hut herumgehen. „Ich war bedient“, sagt die verärgerte Brautmutter.

Foto (Michael Thomas): Der Nächste bitte... Heiraten im Alten Rathaus.

Womöglich hat sie einfach Pech gehabt. Dass aber das Heiraten im Alten Rathaus ein schnelles Geschäft ist, bestätigt auch die Stadtverwaltung. „Es werden im 20-minütigen Rhythmus bis zu 28 Eheschließungstermine an einem Tag vergeben“, sagt Stadtsprecher Udo Möller. An jenem Freitag im Juli seien insgesamt 26 Ehen im Alten Rathaus geschlossen worden, immerhin zwei Jaworte unterhalb der Kapazitätsgrenze. Lediglich zwei Trauzimmer hatte man an jenem Freitag dafür geöffnet. Da braucht es wenig Fantasie, um sich die ungeduldigen Hochzeitsgesellschaften auf den Fluren vorzustellen. „Leider lässt sich gerade im Wartebereich ein reger Andrang oft nicht vermeiden“, räumt Möller ein. Dies liege an der zunehmenden Größe der Hochzeitsgesellschaften. Immer häufiger, so scheint es, lassen es sich selbst lose Freunde und entfernte Verwandte nicht nehmen, alles von Anfang an mitzuerleben und nicht erst beim Tortenanschnitt dabei zu sein.

Drei Zimmer haben die Standesbeamten im Alten Rathaus zur Verfügung, sie bieten Platz für zehn, 25 und 30 Personen. Das größte Zimmer werde aber kaum genutzt, meint Möller, es diene als Warteraum und Fotostudio für die Brautpaare. Alle Paare, die sich beim Standesamt anmelden, weise man vorab auf den begrenzten Platz in den Amtsstuben hin – offenbar ohne durchschlagenden Erfolg.

Erschwerend hinzu kommen gewisse Terminvorstellungen. Über einen Ansturm auf den 11. 11. '11 oder 12. 12. '12 gibt es keine Zweifel, aber auch die Tage am Ende der Woche sind unter Heiratswilligen beliebt. „Der Freitag ist ein Renner“, sagt Möller. Dennoch wahre man bei aller Turbulenz die Form. „Die Würde, Ernsthaftigkeit und gebührende Feierlichkeit der Trauungszeremonie wird auf keinen Fall beeinträchtigt. Darauf legen wir besonderen Wert“, betont Möller. Zugleich weist er dezent darauf hin, dass es in Hannover noch andere Trauorte als das Alte Rathaus gibt. „Wir haben da ein buntes, sehr attraktives Angebot“, sagt der Stadtsprecher.
Den Wink mit dem Zaunpfahl dürften alle heiratswilligen Leser verstanden haben.

Heiraten außerhalb der Amtsstuben

Es muss nicht die Amtsstube sein, in der Verliebte den Bund fürs Leben schließen. Die Stadt Hannover bietet acht interessante Alternativen.

Atrium im Alten Rathaus: Der Raum eignet sich vor allem für große Hochzeitsgesellschaften. Die Miete muss individuell ausgehandelt werden. Die Standesamtsgebühren für das Atrium liegen mit 40 Euro in gleicher Höhe wie für eine Zeremonie in den üblichen Trauzimmern des Gebäudes (und ebenso an den folgenden Orten).

Meyers Hof im Zoo: Wer zum Jawort Tigergebrüll hören will, sollte seine Ehe im Zoo schließen. Im Garten der Gaststätte Meyers Hof können sich Paare jeden zweiten Freitag im Monat trauen lassen. Der Raum kostet 300 Euro, in dem Preis ist der Zooeintritt für 18 Personen enthalten.

Neues Rathaus: Wenn im Alten Rathaus geheiratet werden darf, warum nicht auch im Neuen Rathaus? Tatsächlich steht der Amtssitz vom OB Heiratswilligen nur im Winterhalbjahr jeden dritten Sonnabend im Monat zur Verfügung. 150 Euro müssen bezahlt werden, will man sich hier die Ringe auf die Finger stecken.

Hörsaal der Leibniz Universität: In den Semesterferien können sich Verliebte auch in der Uni trauen lassen. 220 Euro kostet die Bereitstellung eines Hörsaals. Ein Termin lässt sich unter der Telefonnummer (05 11) 7 62 25 16 vereinbaren.

Solarboot der Maschseeflotte: Freizeitkapitäne dürften jetzt schwach werden. An jedem ersten Dienstag im Monat – von April bis Oktober – dient das Solarboot der Maschseeflotte als Trauzimmer. 300 Euro kostet der Spaß auf dem Maschsee, zahlbar direkt an die Üstra.

Historische Stadtbahn: Fans von Schienenfahrzeugen aller Art dürfen sich jetzt hier trauen. Die Üstra richtet auf Nachfrage eine jener alten Bahnen aus den Pioniertagen des öffentlichen Nahverkehrs her. Von Zuzahlungen ist nichts bekannt.

Wilhelm-Busch-Museum: Für echte Humoristen gibt es in Hannover nur einen einzigen Ort, an dem man sich standesgemäß in die Arme fällt. Das Wilhelm-Busch-Museum im Georgengarten bietet Trauungen in diesem Jahr noch vom 13. bis 27. September an. Die zusätzlichen Kosten für den Raum betragen exakt 200 Euro und 65 Cent.

Galeriegebäude: Der wohl prächtigste Ort für eine Trauzeremonie dürfte das Galeriegebäude in Herrenhausen sein. Sich den Kuss der Ewigkeit unter Deckengemälden von knutschenden, dicken Engelchen zu geben ist nicht ohne Reiz. Noch bis 6. September steht der Raum als Trauzimmer zur Verfügung. Die Zusatzkosten betragen 200,65 Euro.

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Einfach mal die Perspektive wechseln: Rund 180 Beschäftigte aus 15 hannoverschen Unternehmen blieben am Freitag ihrem Arbeitsplatz fern. Statt am Schreibtisch ihren Dienst zu versehen, waren sie in 32 gemeinnützigen Einrichtungen aktiv, um kräftig anzupacken, unter anderem in Kitas, Pflegeheimen und beim Umweltverband BUND.

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Alexander Dahl 25.07.2014