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Aus der Stadt „Sicher, dass es sich um Kinderknochen handelt“
Hannover Aus der Stadt „Sicher, dass es sich um Kinderknochen handelt“
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00:19 05.09.2014
Von Jörn Kießler
Foto: Am Dienstag entdeckte ein Suchtrupp der Polizei eine Leiche am Galgenberg. Es soll sich um Jenisa handeln.
 Am Dienstag entdeckte ein Suchtrupp der Polizei eine Leiche am Galgenberg. Es soll sich um Jenisa handeln. Quelle: Elsner
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Hannover

Mit einem Ergebnis der Untersuchungen wird frühestens für die nächste Woche gerechnet. Solange mahnt Kathrin Söfker zur Vorsicht. Die HAZ hat mit der Staatsanwältin gesprochen.

Frau Söfker, was bedeutet der Fund der Leiche für die Ermittlungen im Fall Jenisa?

Sollte sich herausstellen, dass die Überreste tatsächlich von Jenisa Muja stammen, ist das ein entscheidender Schritt in dem Verfahren. Bisher hatten wir noch keine Gewissheit, ob das Kind nicht doch ins Ausland verschleppt wurde, wie zeitweise angenommen wurde. Wenn es sich bei dem Fund um Jenisas Leiche handelt, müssen wir davon ausgehen, dass sie getötet wurde.

Ist es Jenisa? Eine Suchstaffel der Polizei hat am Dienstag am Galgenberg Leichenteile entdeckt. Das Mädchen soll 2007 von ihrem Onkel Ibrahim B. ermordet worden sein.

Der Verdächtige Ibrahim B. rückte bereits kurz nach der Tat im September 2007 in den Fokus der Ermittlungen. Im Gegensatz zum Fall Dano, wo er den Mord an dem Jungen aus Herford relativ zeitnah gestand, legte er vor sieben Jahren im Fall Jenisa kein Geständnis ab, obwohl er lange Zeit in Untersuchungshaft saß.

Es ist noch zu früh, um die beiden Fälle miteinander zu vergleichen. Deshalb möchte ich ungern über Parallelen zwischen den beiden Taten sprechen, auch weil es noch keine endgültigen Beweise dafür gibt. Zunächst müssen wir die Ergebnisse aus der rechtsmedizinischen Untersuchung abwarten.

Vor knapp sieben Jahren verschwand die achtjährige Jenisa aus Hannover. Jetzt stehen die Ermittler möglicherweise vor der Aufklärung des Falls. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

Bei seiner ersten Verhaftung im Fall Jenisa hatte sich Ibrahim B. in seinen Aussagen in Widersprüche verstrickt. Hätte die Staatsanwaltschaft den Verdächtigen damals länger in Untersuchungshaft behalten oder mehr unter Druck setzen müssen?

Einen Tatverdächtigen unter Druck setzen, um ihn zu einer Aussage zu bewegen, dürfen wir ohnehin nicht. Zudem schreibt uns die Strafprozessordnung ganz klar vor, wie lange und unter welchen Voraussetzungen wir eine Person in Untersuchungshaft festhalten können. Bei Ibrahim B. reichte der dringende Tatverdacht nach dem Verschwinden von Jenisa Muja irgendwann nicht mehr aus, um ihn weiter in Untersuchungshaft zu behalten. Nach 42 Tagen mussten wir ihn wieder auf freien Fuß setzen.

Der Fall Dano führte zu Jenisa

Der Mord an dem fünfjährigen Dano aus Herford brachte die Ermittler im April dieses Jahres auf die Spur von Jenisas mutmaßlichem Mörder. Am frühen Abend des 14. März verlässt der fünfjährige Dano die Wohnung seiner Eltern an der Berliner Straße in Herford, um auf einen Spielplatz nahe des Mehrfamilienhauses zu gehen. Zuvor will er einen Freund abholen, der in der Nachbarschaft wohnt.
Als das Kind an der Haustür klingelt, öffnet ihm jedoch nur dessen Vater, Ibrahim B., der wenige Tage zuvor von seiner Frau und den gemeinsamen Kindern verlassen wurde.
Nach Erkenntnissen der Polizei kommt es zum Streit zwischen Dano und dem 43-Jährigen, in dessen Verlauf B. den Jungen schlägt. Als der droht, seinen Eltern davon zu erzählen, überzeugt ihn der Erwachsene, in die Wohnung zu kommen. Dort lässt er den Fünfjährigen zunächst fernsehen, bevor er ihn letztlich erwürgt. Die Leiche versteckt Ibrahim B. in einem Gebüsch am Ufer der nahe gelegenen Werre, wo die Polizei den toten Jungen am 3. April findet.

Mehr zum Thema

Auf der Suche nach sterblichen Überresten der vor sieben Jahren verschwundenen Jenisa Muja hat die Polizei am Dienstag menschliche Knochen gefunden. Der Fund war das Resultat der mittlerweile vierten Suchaktion in einem Waldstück bei Wunstorf. Noch ist nicht endgültig gesichert, dass die Spur tatsächlich zu der kleinen Jenisa führt.

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