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Aus der Stadt Jesiden demonstrieren erneut in Hannover
Hannover Aus der Stadt Jesiden demonstrieren erneut in Hannover
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00:16 10.04.2015
Von Jörn Kießler
Demonstrieren für die Freilassung von 120 Inhaftierten im Nordirak.
Demonstrieren für die Freilassung von 120 Inhaftierten im Nordirak. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Die waren am Wochenende offenbar von Sicherheitskräften im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak festgenommen worden. Die Jesiden machen die kurdische Demokratische Partei (KDP) dafür verantwortlich. Unter den Gefangenen soll sich auch der Befehlshaber der „Verteidigungseinheit Schingal“ (HPS) Heydar Shesho befinden. Der deutsche Staatsbürger hatte in den vergangenen Monaten den Kampf der jesidischen Streitkräfte gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) geleitet.

Mehrere Menschen jesidischen Glaubens haben am Steintor für die Menschenrechte der Jesiden demonstriert.

„Wir fühlen uns einfach hilflos und allein gelassen“, sagte Sheshos 19 Jahre alte Tochter Nadine, die auch an der Demonstration teilnahm. „Seit er verhaftet wurde, haben wir nichts mehr von ihm gehört und wissen auch nicht wo er hingebracht wurde.“ Sie und die anderen Demonstranten sehen die Bundesregierung in der Pflicht, etwas gegen die Verhaftung zu unternehmen. „Mein Vater hat schließlich einen deutschen Pass“, sagt Nadine Shesho.

Forderung nach einer Schutzzone

Die anderen Demonstranten gehen bei ihren Forderungen noch weiter. „Wir wollen, dass eine Schutzzone für Jesiden im Irak eingerichtet wird“, sagte Sedat Gevci, der für die Demo extra aus der Nähe von Hamburg nach Hannover angereist war. „Alle 5000 Jesiden, die seit Monaten vom IS gefangen gehalten werden, müssen freikommen.“ Aber vor allem müsse die deutsche Bundesregierung aufhören, Waffen an die Kurden zu liefern. „Die Kurden nutzen die Waffen nicht, um gegen den IS zu kämpfen, wie sie sagen“, sagte der 24-Jährige. „Die Peschmerga haben einmal für eine kurze Phase die Jesiden im Kampf unterstützt.“

Genau diese Aussage wurde auch Heydar Shesho zum Verhängnis. Der in Niedersachsen lebende Jeside hatte die kurdische Regierung in einem Fernsehinterview kritisiert. Die Peschmerga hätten seine Männer im Sindschar-Gebirge zunächst im Stich gelassen, jetzt würden sie ihnen auch die von der internationalen Gemeinschaft gestellten Waffen für den Kampf gegen den IS vorenthalten.

Demonstrieren bis zur Freilassung

„Mein Vater hat einfach nur die Wahrheit gesagt“, sagte Nadine Shesho am Dienstag. Vor vier Tagen habe sie das letzte Mal mit Heydar gesprochen. „Da ahnte er nicht einmal, dass so etwas passieren könnte“, sagte die 19-Jährige. Sie, aber auch die anderen Demonstranten, wollen nicht ruhen, bis der Kommandeur und die anderen Gefangenen, unter ihnen auch ein jesidischer Reporter, ein berühmter Sänger und ein bekannter Dichter, wieder in Freiheit sind. Bereits am Sonnabend wollen sie ab 13 Uhr wieder am Steintor demonstrieren. Ob die Kundgebung wirklich stattfindet steht aber noch nicht fest. „Bei uns wurde noch nichts angezeigt“, sagt Polizeisprecher André Puiu.

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