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Aus der Stadt „Ich gehöre gern zum alten Eisen“
Hannover Aus der Stadt „Ich gehöre gern zum alten Eisen“
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00:15 05.08.2015
Helga Denia arbeitet seit 60 Jahren in der Parfümerie Liebe.
Helga Denia arbeitet seit 60 Jahren in der Parfümerie Liebe. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Im fünften Stockwerk der Parfümerie Liebe in der Innenstadt gibt es kleine Kabinen, die Schönheit versprechen. Hinter den Türen wird für ein gepflegtes Äußeres gesorgt. Kundinnen des Familienunternehmens lassen sich dort seit Jahrzehnten über Kosmetikprodukte informieren, ihre Haut reinigen, pflegen sich, nutzen Make-up-Tipps und die Möglichkeit, sich auszutauschen. Helga Denia ist eine der Mitarbeiterinnen, die Kunden dort antreffen. Liebevoll begrüßt sie ihre langjährigen Bekannten mit Namen, fragt nach Befinden und Wünschen, kümmert sich auch um Spuren des Alters. Das Alter selbst ist bei all der Schönheitspflege für sie kein Thema. „Ich stehe dazu und gehöre gern zum alten Eisen“, sagt sie stolz. Die Hannoveranerin aus Döhren ist 80 Jahre alt. Heute feiert sie 60 Jahre Betriebs- zugehörigkeit.

Die Dame mit dem wachen Blick ist eine echte Pionierin. Nach einer Ausbildung zur Drogistin wollte sie sich spezialisieren. Also besuchte sie in den Fünfzigerjahren eine Kosmetikschule und brachte ihr Wissen bei der Parfümerie Liebe ein. Inhaber Kurt Prenzler Senior erkannte ihr Potenzial und richtete ihr eine Kabine im Erdgeschoss ein - für sogenannte Einzelbehandlungen. „Die erste Kabine in Deutschland dieser Art überhaupt“, lobt nun Kurt Prenzler junior, „der Newcomer neben Frau Denia“. Prenzler arbeitet seit 44 Jahren im Familienunternehmen. Die Mitarbeiterin ist für ihn ein Schmuckstück der Parfümerie.

Die Idee zu den Kabinen war in der Nachkriegszeit revolutionär. Die Nachfrage zog an. Denia hielt Vorträge über Kosmetik, wurde auf Kongresse eingeladen, beriet Unternehmen wie Volkswagen und wurde zu einer Repräsentantin des Unternehmens. Sie hat bis heute Stammkundinnen. Eine 93-Jährige fährt regelmäßig aus Osnabrück nach Hannover, um von Denia behandelt zu werden. „Sie identifiziert sich mit dem Haus und macht ihre Arbeit mit purer Liebe und Leidenschaft, also habe ich sie gefragt, ob sie bei uns weitermachen möchte“, erinnert sich Prenzler.

„Ich mag Menschen einfach und bin gern in Gesellschaft“, sagt die 80-Jährige. Zudem halte ihr Beruf sie jung. Gerade habe sie angefangen, Duftflakons zu sammeln. „Jeder hat seine Geschichte“, sagt sie. Und vielleicht kommen schon heute noch ein paar Geschichten dazu.

Von Jan Sedelies

Simon Benne 04.08.2015
04.08.2015