Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Vom kleinen Setzling zum Baum des Lebens
Hannover Aus der Stadt Vom kleinen Setzling zum Baum des Lebens
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 08.11.2015
Von Simon Benne
Josef Schuster (v. l.) , Ingrid Wettberg, Walter Homolka und Gabor Lengyel. Quelle: Thomas
Anzeige
Hannover

Ihre Geburtstagsbilanz fällt zufriedenstellend aus: „Über die Jahre haben wir immer wieder umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten - nämlich ein modernes, zeitgemäßes Judentum zu leben“, sagt Ingrid Wettberg. Beim Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Liberalen Jüdischen Gemeinde zeigte sich deren Vorsitzende am Donnerstag in aufgeräumter Stimmung: Rund 500 Gäste waren ins Gemeindezentrum Etz Chaim gekommen, um das Jubiläum zu feiern. „Das jüdische Leben ist heute fester Bestandteil der hannoverschen Gesellschaft“, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok. „So viele jüdische Mitbürger wie heute hatten wir noch nie.“

Die Liberale Jüdische Gemeinde in Hannover hat ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert.

Auch Kultusministerin Frauke Heiligenstadt pries die Verdienste der größten liberalen jüdischen Gemeinde Deutschlands. „Sie ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie aus einem kleinen Setzling ein großer Baum des Lebens geworden ist“, sagte sie. „Dieser Erfolg ist, wie vieles im jüdischen Leben, Frauen zu verdanken“, erklärte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der zum ersten Mal in die „ausnehmend schöne“ Synagoge gekommen war, wie er befand. „Das Judentum braucht die Diskussion und die Auseinandersetzung“, sagte Schuster.

Anzeige

Vor genau 20 Jahren hatten Ingrid Wettberg und 78 Mitstreiter - die meisten davon Mitstreiterinnen - die Gemeinde gegründet. Viele waren damals aus der traditionellen Jüdischen Gemeinde in der Haeckelstraße ausgeschieden, unter anderem weil sie mehr Rechte für Frauen im Gottesdienst forderten. Prompt kam es zu innigen Zwistigkeiten zwischen den Gemeinden: „Inzwischen leben wieder genügend Juden in Hannover, um das Judentum pluralistisch zu leben“, sagt Ingrid Wettberg heute.

„Die Gemeinde ist in der Spannung entstanden“, sagte Prof. Walter Homolka, der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs. „Dies ist ein Ort der Frauenpower - und doch komme ich gerne hierher“, scherzte er. In seiner Festrede erinnerte er daran, dass Zuwanderer aus der früheren Sowjetunion vor 25 Jahren die kleinen und überalterten jüdischen Gemeinden wiederbelebten. „Migranten haben die jüdische Gemeinschaft vorm Verschwinden bewahrt - und ganz Deutschland bereichert“, sagte auch Rabbiner Gabor Lengyel unter dem Applaus der Besucher.

„Die Gemeinde ist heute ein Platz der Begegnung und des interreligiösen Dialogs“, sagt Ingrid Wettberg. Regelmäßig besuchten Schulklassen die Synagoge, auch viele Christen und Muslime sind hier zu Gast. „Dass es unsere Gemeinde heute gibt“, sagt Wettberg, „ist für uns ein mittelgroßes Wunder.“

Aus der Stadt Kinderbuchautor Wolfram Hänel - Literarischer Adventskalender für Kinder
10.11.2020
Michael Zgoll 05.11.2015