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Aus der Stadt Gansäuer: Randale-Urteil verhöhnt Polizei
Hannover Aus der Stadt Gansäuer: Randale-Urteil verhöhnt Polizei
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00:15 16.11.2015
Von Tobias Morchner
Zweifelt am Urteil: Jürgen Gansäuer. Quelle: Jochen Lübke
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Hannover

Bewährungsstrafe, Geldstrafe, Arbeitseinsatz: Am Mittwoch hatte das Jugendschöffengericht vergleichsweise milde Strafen gegen Fußballchaoten verhängt, die im Stadion Polizisten angegriffen hatten. Jetzt kritisiert der ehemalige niedersächsische Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (CDU) den Richterspruch hart. Ihn würden nach der Lektüre des HAZ-Artikels erhebliche Zweifel befallen, ob auf den Umstand noch Verlass sei, dass die wichtigste Aufgabe der Organe der Rechtssprechung der Schutz vor Gewalt und Repression sei. „Für die betroffenen Polizeibeamten muss dieses Urteil wie eine Verhöhnung klingen“, schreibt Gansäuer in einem Brief an die Redaktion.

Die beiden 35 und 22 Jahre alten Männer waren im Mai 2014 bei der Bundesligapartie Hannover 96 gegen Freiburg an den Auseinandersetzungen von rund 200 Fans im Bereich der Nordkurve beteiligt gewesen. In deren Verlauf wurden Bierbecher, Stühle und Mülltonnen auf die Einsatzkräfte geworfen. Kristian B. und Marcel A. sollen später je einen Polizisten mit der Hand auf den Helm geschlagen haben. B. ist 13-fach vorbestraft, auch wegen Gewaltdelikten. A. hat sieben Einträge in seinem Vorstrafenregister, vier wegen Körperverletzung.

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Urteil liegt über Forderung der Staatsanwaltschaft

Richter Jens Buck verurteilte B. zu sechs Monaten auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Ebenso lang dauert sein bundesweites Stadionverbot. A. muss 120 Arbeitsstunden ableisten. Richter Buck lag mit seinem Urteil deutlich über der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Strafverfolger hatten lediglich eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen für B. gefordert. In das Urteil gegen B. floss nach Angaben von Amtsgerichtssprecher Martin Strube auch mit ein, dass er sich zuletzt im Jahr 2012 etwas hatte zuschulden kommen lassen. „Die einschlägigen Delikte liegen sogar noch weiter zurück“, sagt Martin Strube. Zudem sei B. alleinerziehender Vater von zwei Kindern. Eine Haftstrafe ohne Bewährung hätte demzufolge weitreichende familiäre Konsequenzen gehabt.

Vor Gericht hatte Kristian B. behauptet, er sei trotz seiner zahlreichen Vorstrafen regelmäßig als Ordner in der HDI-Arena tätig. Stadion-Chef Thorsten Meier bestreitet dies: „Bei unserem Sicherheitsunternehmen Primetec arbeitet er definitiv nicht, das haben wir überprüfen lassen.“ Derzeit werde kontrolliert, ob der 35-Jährige möglicherweise für einen Subunternehmer tätig ist, der die Sicherheitskräfte im Stadion unterstützt.

Die 96-Tochter Primetec besteht seit Sommer 2012 und hatte bei ihrer Gründung rund 70 festangestellte und 500 geringfügig Beschäftigte. Generell müssen Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen, die in der Arena arbeiten, vor ihrer Einstellung ihrem Arbeitgeber ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

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