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Aus der Stadt Mehr Jobs durch weniger Bürokratie
Hannover Aus der Stadt Mehr Jobs durch weniger Bürokratie
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00:20 05.02.2015
Von Bernd Haase
Neue Jugendberufsagenturen sollen die Jugendarbeitslosigkeit in der Region mindern. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Vorbild ist ein ähnliches Projekt in Düsseldorf. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt ist es gelungen, die Jugendarbeitslosigkeit um mehr als 10 Prozent zu drücken – im Wesentlichen durch den Abbau bürokratischer Hemmnisse.

„Es gehen immer noch zu viele Jugendliche auf dem Weg von der Schule in den Beruf verloren. Das ist für die Betroffenen nicht gut und volkswirtschaftlich auch nicht“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau und verwies auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel.

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Hartz-IV-Karriere vorbeugen

In Hannover und dem Umland sind 15.000 Männer, Frauen und Jugendliche aus der genannten Altersgruppe in irgendeiner Form auf Hilfen nach der Hartz-IV-Gesetzgebung angewiesen. Sozialwissenschaftler warnen seit Langem vor sogenannten Hartz-IV-Karrieren. Statistiken zeigen, dass Kinder aus hilfebedürftigen Familien häufig selbst Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben. Derzeit sind im Raum Hannover rund 4500 Jugendliche und junge Erwachsene arbeitslos gemeldet, davon 3000 beim Jobcenter. „80 Prozent von ihnen haben keinen Schulabschluss“, sagt Geschäftsführer Michael Stier. Eine weitere Zahl, die den Verantwortlichen Kopfzerbrechen bereitet: Mehr als jeder fünfte Auszubildende in der Region bricht die Lehre ab.

Ein Ansprechpartner

Die Jugendarbeitsagenturen schaffen keine neuen Beratungs-, Hilfs- oder Vermittlungsangebote, sondern versammeln die vorhandenen räumlich und fachlich unter einem Dach. Nach Einschätzung der Beteiligten war das bitter nötig, weil die Rechtslage kompliziert ist: Zuständig sein können je nach Problemstellung im Einzelfall entweder Arbeitsagentur, Jobcenter oder kommunale Jugendhilfe. „Das zu durchschauen, erfordert von Jugendlichen einen sehr hohen Organisations- und Kenntnisgrad“, sagt Bärbel Höltzen-Schoh, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Hannover. Will heißen: Die Betroffenen laufen Gefahr, sich im Labyrinth der Behörden zu verirren.

Höchste Jugendarbeitslosenquote in Garbsen

Garbsen ist unter anderem deshalb als erster Standort ausgewählt worden, weil die Jugendarbeitslosenquote dort über dem Durchschnitt der Region liegt. Die Räume der neuen Agentur, die im Juli öffnen wird, liegen zentral am Rathausplatz. Erster Anlaufpunkt für Ratsuchende ist ein sogenannter Check-in. Dort erhalten sie Auskunft über die zuständige Stelle und werden direkt weitergeleitet. Zu den Angeboten zählen etwa Arbeits- und Ausbildungsvermittlung, Antragsbearbeitung für Hartz-IV- oder Arbeitslosengeldbezug, Berufsberatung, Schuldnerberatung oder Suchthilfe. Außerdem werden die Agenturen eng mit Schulen, Wirtschaftskammern und sozialen Beratungseinrichtungen zusammenarbeiten.

Arbeitsplätze für Asylbewerber

Flüchtlinge im Raum Hannover sollen künftig Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen. Die örtliche Arbeitsagentur ist einer von bundesweit sieben Standorten für ein Modellprojekt, das auf den englischen Namen Early Intervention (zu Deutsch: frühzeitige Intervention) hört. Möglich gemacht hat es der Bundesgesetzgeber, indem er erlaubt, dass Asylbewerber und geduldete Ausländer arbeiten dürfen, wenn sie mindestens drei Monate in Deutschland leben. Damit will er deren Möglichkeiten verbessern, sich hier zu integrieren. Gleichzeitig erhofft man sich, dringend gesuchte Fachkräfte für die Wirtschaft zu rekrutieren.

Das Projekt soll Anfang März mit zunächst einem Vermittler und 100 Flüchtlingen starten. Die Vorbereitungen, an denen auch Stadt und Region Hannover beteiligt sind, laufen derzeit. In den Flüchtlingsunterkünften wird nach geeigneten Teilnehmern gesucht. Unter anderem ist zu klären, ob Zeugnisse und Berufsabschlüsse aus den Herkunftsländern anerkannt werden können und in welchem Umfang Sprachkurse eingerichtet werden müssen. Bei der Auswahl der Personen wollen die Beteiligten Bewerber aus Ländern berücksichtigen, in die die Flüchtlinge wegen Bürgerkriegen oder drohender Verfolgung aus politischen oder religiösen Gründen nicht abgeschoben werden können.

Jörn Kießler 05.02.2015
03.02.2015
Andreas Schinkel 05.02.2015