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Aus der Stadt Juristen geißeln Landtagspläne
Hannover Aus der Stadt Juristen geißeln Landtagspläne
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11:53 19.02.2010
Von Klaus Wallbaum
Alles schon geplant? Der Siegerentwurf von Koch und Panse von 2002.
Alles schon geplant? Der Siegerentwurf von Koch und Panse von 2002. Quelle: Handout
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Weiter Streit um den Landtag in Hannover: Die Witwe von Dieter Oesterlen, der 1962 den alten Plenarsaal entworfen hat, sieht in den Plänen des Kölner Architekten Yi einen unvertretbaren Verstoß gegen die Auflagen des Denkmalschutzes. Zugleich hat sich das hannoversche Büro Koch/Panse gemeldet, das 2002 einen Wettbewerb zum Landtagsumbau gewonnen hatte – und nun den Auftrag haben will.

Beide, Oesterlen wie Koch/Panse, werden vom Anwaltsbüro HFK vertreten. Dessen Anwalt Frank Meier begründet die Einwände so: Oesterlen habe Anfang der sechziger Jahre das gesamte Leineschloss als Baudenkmal geschaffen – den Wiederaufbau des alten Laves-Schlosses und den damals neuen Plenarsaal. Wenn nun der Plenarsaal abgebrochen werde, verliere das Baudenkmal einen wichtigen Teil. Dies verstoße aber gegen das Denkmalschutzgesetz, denn dort ist ein Abriss nur erlaubt, sofern „ein überwiegendes öffentliches Interesse“ dies zwingend verlange. „Das kann aber nicht zwingend sein, wenn der Architektenwettbewerb von vornherein auch die Variante vorgesehen hatte, den alten Plenarsaal wenigstens teilweise zu erhalten“, sagt Meier.

Diese Argumentation hat am Donnerstag im Landtag Überraschung ausgelöst. Landtagspräsident Hermann Dinkla teilte nur knapp mit, man habe die Bedenken stets ernst genommen. In der Jury war Oesterlens Plenarsaal isoliert als Denkmal betrachtet worden – und weil im ersten Preis der Abbruch vorgeschlagen wurde, gingen einige Preisrichter davon aus, dass Denkmal-Gesichtspunkte keine Rolle mehr spielen. Allerdings sagt Anwalt Meier, er habe den Sachverhalt schon vor dem Wettbewerb dem Landtag mitgeteilt. Zudem pocht Eva-Maria Oesterlen auf das von ihrem Mann geerbte Urheberrecht – das verlange, dass sie ihr Einverständnis bei Änderungen geben muss. Die Witwe ist offenbar nicht bereit, dies gegenüber dem ersten Preisträger zu tun. Ob das auch für den zweiten Preisträger gilt, der den Plenarsaalbau teilweise erhalten will, bleibt offen. Schlagen Gespräche fehl, könnte Oesterlen wegen Verstoßes gegen den Denkmalschutz vor dem Verwaltungsgericht klagen.

Auch das Büro Koch/Panse erwägt, juristisch gegen die Baupläne vorzugehen – allerdings nicht mit Verweis auf den Denkmalschutz, sondern auf das Vergaberecht. 2002 hatte es schon einmal einen Architektenwettbewerb für den Landtag gegeben, damals hatte Koch/Panse den ersten Preis erhalten. Ihr Entwurf sah die Umgestaltung des alten Oesterlen-Plenarsaals vor. Der Umbau hatte damals nicht begonnen. Weil der aktuelle Wettbewerb im Kern die gleichen Fragen berühre wie der Wettbewerb von 2002, müsse bei der Auftragsvergabe der Sieger von 2002 zum Zuge kommen. Wird jemand anders beauftragt, könnten Koch/Panse dagegen vor die Vergabekammer und anschließend gerichtlich vorgehen.