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Aus der Stadt KWR richtet Klasse mit Kunstschwerpunkt ein
Hannover Aus der Stadt KWR richtet Klasse mit Kunstschwerpunkt ein
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00:29 13.03.2015
Von Saskia Döhner
Das Kaiser-Wilhelm-und Ratsgymnasium (KWR) im Zooviertel. Quelle: Fender (Archiv)
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Hannover

Ab dem nächsten Schuljahr ist Latein oder Altgriechisch im Abitur am Kaiser-Wilhelm-und Ratsgymnasium (KWR) nicht mehr Pflicht, zudem soll es ab dem Sommer mindestens eine fünfte Klasse geben, in der die Kinder nicht Latein lernen, sondern - wie sonst üblich - mit der zweiten Fremdsprache erst in Jahrgang 6 beginnen. Englisch lernen alle Kinder in Niedersachsen bereits seit der 3. Klasse.

Stattdessen soll in dieser 5. Klasse verstärkt Kunst und Musik „fächerübergreifend und projektorientiert“ unterrichtet werden, wie Direktorin Ruth Völker sagt. „Mars“ nennt die Schule ihr neues Profil, wobei der Begriff „nicht für den Kriegsgott oder den Schokoriegel steht“, betont die Schulleiterin. M ist die Abkürzung für Musik und Ars Lateinisch für Kunst. Wenn möglich, sollen die Musik- und Kunstpädagogen zu zweit in der Klasse unterrichten, damit Gruppenarbeit leichter möglich ist. In der Unterstufe, die nach der Umstellung auf G 9 an Gymnasien künftig wieder drei Jahre und nicht mehr nur zwei Jahre umfasst, soll am Ende jeweils eine Aufführung stehen. Das kann ein Musik- oder Theaterstück, eine Kunstaktion oder etwas ganz anderes sein.

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Direktorin Völker hoft, dass die Schule durch die Profilerweiterung für noch mehr Familien attraktiv wird und möglicherweise auch der Mädchenanteil wieder steigt. In einigen Klassen sind derzeit zwei Drittel Jungen und nur ein Drittel Mädchen. Normalerweise ist das Gymnasium vierzügig, in diesem Schuljahr hatten die Anmeldungen aber nur für die Einrichtung von drei Klassen gereicht. Sollten in diesem Sommer wieder vier Klassen zustandekommen, könnte es neben der Mars-Klasse auch eine weitere Klasse geben, in der die Fünftklässler erst mal nur Englisch lernen, aber nicht noch extra Kunst- und Musikstunden haben. „Das ist ein Angebot für Eltern, die ihren Kindern nach der Grundschule zunächst ein wenig Ruhe zur Eingewöhnung am Gymnasium gönnen wollen“, sagt Völker. Ganz neu ist dieses Konzept nicht: Eine entsprechende „E-Klasse“ hatte es am KWR auch schon vor 30 Jahren gegeben.

Der Schwerpunkt soll aber weiterhin auf den antiken Sprachen liegen. Das KWR versteht sich als ein humanistisches Gymnasium, „und das ist eben mehr als Latein und Alt-Griechisch, es geht um umfassende Menschenbildung“, sagt Schulelternratsvorsitzender Thomas von Hodenberg. Sollten die Anmeldezahlen stimmen und die Stadt die räumlichen Voraussetzungen schaffen, könnte die Schule irgendwann sogar fünfzügig werden, meint er. „Wir wollen die Tradition pflegen, uns aber trotzdem Neuem gegenüber öffnen“, sagt Völker. Die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren, die die rot-grüne Landesregierung in ihrem neuen Schulgesetz vorsieht, schaffe dafür die Spielräume.

Beim Tag der offenen Tür am KWR am Mittwoch von 15 bis 18 Uhr wird das neue Konzept erstmals öffentlich vorgestellt.

Kultur wird immer wichtiger

Mehr Wahlfreiheit im Abitur: Künftig können sich Abiturienten am KWR zwischen vier Profilen entscheiden: das Sprachenprofil, das mathematisch-naturwissenschaftliche Profil, das musisch-künstlerische Profil und das gesellschaftspolitische Profil. Nur wer sich für das Sprachenprofil entscheidet, muss auch zwingend Latein oder Alt-Griechisch als Abiturfach haben. Bei den anderen ist dies möglich, aber nicht mehr Pflicht. So sollen laut Direktorin Ruth Völker Schüler von anderen Schulen, ausdrücklich auch Realschulen, leichter den Anschluss finden.

Musik, aber auch Kultur insgesamt wird an immer mehr Schulen in Hannover ein Schwerpunkt. So hat die Goetheschule schon seit 38 Jahren einen eigenen Musikzweig, der derzeit elf Klassen mit insgesamt 250 Schülern umfasst. Voraussetzung ist Interesse an Musik und die Bereitschaft, ein Orchester­instrument zu lernen. Andere Gymnasien wie die Bismarckschule bieten schon seit Jahren Bläserklassen, in denen alle Schüler ein Blasinstrument spielen. An der Wilhelm-Raabe-Schule gibt es eine eigene Theaterklasse. Andere Schulen wie die Schillerschule, die Integrierten Gesamtschulen Roderbruch, Bothfeld und Linden und das Kurt-Schwitters-Gymnasium nehmen am neuen Landesprogramm „Kulturschule“ teil.

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