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Aus der Stadt Käufer haftet für Mangel am Mops
Hannover Aus der Stadt Käufer haftet für Mangel am Mops
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00:25 09.03.2015
Von Michael Zgoll
Foto: Bodo - hier ein Artgenosse - ist wieder auf dem Damm, doch Herrchen hat am Urteil zu knabbern.
Bodo - hier ein Artgenosse - ist wieder auf dem Damm, doch Herrchen hat am Urteil zu knabbern. Quelle: Symbolbild/dpa
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Hannover

Mops Bodo ist seinem Herrchen, einem 29-Jährigen aus dem Ammerland, lieb und teuer. Seit gestern ist der Rüde noch erheblich teurer geworden, dank eines Urteils der hannoverschen Amtsrichterin Dagmar Frost. 3162 Euro: So viel hat der Mann aus Edewecht in zwei Operationen an Bodos Hinterläufen investiert. Und in einige Physiotherapiestunden. Für den Mops. Doch nun ist klar - diese Rechnung zahlt er ganz allein. Und nicht die 23-Jährige, die ihm das Tier verkauft hat.

In einer Gerichtsverhandlung sechs Wochen zuvor hatte der Mann erklärt, warum er das Tierarzthonorar nicht begleichen wolle. Er habe im August 2013 in Hannover einen Hund gekauft, der ihm mopsfidel erschien. Einen Vierbeiner, der rund gelaufen sei. Für 550 Euro. Doch schon am Folgetag, im Ammerland, habe Bodo gelahmt. Er litt offensichtlich an einer typischen Gelenkerkrankung kleiner Hunde, einer Patellaluxation. Dabei springt die Kniescheibe immer wieder aus der Führung.

Hund wirkte bei Kauf „topfit“

Nun ist ein Mops von Haus aus kein Sprinter. Doch die Humpelei wurde immer heftiger, dem Herrchen und seiner Freundin brach es das Herz. So ließen sie das Tier operieren: Im Dezember am rechten, im März 2014 am linken Knie. Zum Glück war der chirurgische Eingriff erfolgreich.

Doch eines fanden die Käufer hundsgemein: dass sie auf den Kosten von 3162 Euro sitzen bleiben sollten. Die Vorbesitzerin habe ihnen wissentlich ein angeschlagenes Tier verkauft, und deshalb müsse die junge Frau Schadenersatz leisten. Dem Einwand der Richterin, dass Bodo am Tag des Kaufs doch topfit gewirkt habe, war der Anwalt des Käufers mit einem bemerkenswerten Satz begegnet: „Der Mops hat sich zusammengerissen.“

Forderung nach Schadenersatz kam zu spät

Einen Vergleichsvorschlag von Frost, sich mit einer Rückzahlung des Kaufpreises von 550 Euro zu begnügen, hatte der Ammerländer im Januar abgelehnt. Doch nach dem Urteilsspruch gibt’s gar nichts mehr. Der Käufer habe die Vorbesitzerin viel zu spät über den Mangel am Mops informiert, so die Richterin. Er habe die 23-Jährige nicht aufgefordert, Bodo auf eigene Rechnung zu kurieren. Oder ihm einen mangelfreien Ersatzhund zu liefern. Tatsächlich trudelte eine erste schriftliche Forderung zu Kaufpreisminderung und Schadenersatz erst fünf Monate nach dem Besitzerwechsel ein. Und das war viel zu spät.

Veronika Thomas 09.03.2015
Andreas Schinkel 07.03.2015
Tobias Morchner 09.03.2015