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Aus der Stadt Schüler müssen in der Pause pendeln
Hannover Aus der Stadt Schüler müssen in der Pause pendeln
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00:20 26.09.2014
Von Saskia Döhner
Eine halbe Stunde dauert der Fußweg von der Außenstelle Birkenstraße über die Marienstraße zum Hauptgebäude im Zooviertel. Mit Bus und Bahn geht es auch nicht viel schneller. Die 2,5 Kilometer sollen die Schüler demnächst mit dem Rad zurücklegen können. Die Stadt will 40 Räder finanzieren. Fotos: Surrey (6)
Eine halbe Stunde dauert der Fußweg von der Außenstelle Birkenstraße über die Marienstraße zum Hauptgebäude im Zooviertel. Mit Bus und Bahn geht es auch nicht viel schneller. Die 2,5 Kilometer sollen die Schüler demnächst mit dem Rad zurücklegen können. Die Stadt will 40 Räder finanzieren. Quelle: Rainer Surrey
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Der Rekord liegt bei zwölfmal Pendeln in der Woche. Zwei Jahrgänge, die Zehnt- und die Zwölftklässler des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums (KWR) müssen regelmäßig zwischen ihrem Hauptgebäude im Zooviertel und der temporären Außenstelle Birkenstraße in der Südstadt hin und her wechseln.

Weil ein seit Langem maroder Teil des KWR mittlerweile akut einsturzgefährdet ist, hatte die Stadt den Trakt in den Sommerferien abgesperrt. Und weil die benachbarte frühere Orientierungsstufe Lüerstraße, die früher noch von der Oberstufe des KWR mitgenutzt worden war, mittlerweile komplett zur Sophienschule gehört, mussten rund 180 KWR-Schüler in die Birkenstraße umziehen.

Der Weg von einem Standort zum anderen gehört seither zum Schulalltag. „Manche Schüler pendeln an zwei, andere sogar an fünf Tagen in der Woche“, sagt eine Abiturientin. Mitunter legen die Schüler die 2,5 Kilometer lange Strecke auch mehrmals an einem Unterrichtstag zurück. „Die Pause geht meistens für den Weg drauf“, sagt Anton Gillis (17). „Zeit zum Essen bleibt auch nicht.“ Und das gerade an langen Schultagen mit zehn Stunden bis nachmittags kurz vor 17 Uhr. Das Zuspätkommen ist programmiert. Schließlich dauert die große Pause meist nur 20 Minuten, die Strecke wiederum ist zu Fuß, selbst schnellen Schrittes, unter einer halben Stunde nicht zu schaffen. Mit Bus und Bahn dauert es auch nicht viel kürzer. Autos haben die Zwölftklässler, die meistens erst 16 oder 17 Jahre alt sind, auch nicht, und selbst wenn, würden sie in der Birkenstraße sowieso keinen Parkplatz bekommen. Es ist vertrackt.

So absurd ist die Situation schon geworden, dass die Stadt zu ungewöhnlichen Lösungen greift: Sie will jetzt 40 Fahrräder anschaffen, die später in den Besitz des Fördervereins der Schule übergehen sollen. Da viele Schüler im Umland wohnten und mit Zug oder S-Bahn zum KWR kämen, sei dies ein erster Schritt, um das Pendeln zu erleichtern, sagt Schulleiterin Ruth Völker. Eine Dauerlösung aber seien die Radeltouren zwischen den Unterrichtsstunden nicht. Völker hofft, dass spätestens zum Beginn des nächsten Halbjahres Container auf dem Sportplatz aufgebaut werden und die Zwölftklässler, die dann ihre Abiturprüfungen schreiben, keine langen Wege mehr haben.

Die Schüler, die am Dienstagvormittag um 11.25 Uhr in der Birkenstraße starten, sind um 11.40, wenn ihre nächste Stunde eigentlich beginnt, noch auf der Marienstraße. Erst um kurz vor 12 Uhr erreichen sie das Hauptgebäude.

„Meistens fängt die Stunde schon zehn Minuten später an, immer wieder geht die Tür auf und neue Schüler kommen herein“, sagt ein Mädchen. „Der Lehrer muss das, was er gesagt hat, immer wiederholen, damit auch alle es mitkriegen. So kann man nicht ordentlich lernen.“ Auch Philo Redecker (16) ärgert sich über die verlorene Unterrichtszeit: „In den Leistungskursen sind die ständigen Unterbrechungen echt störend.“

Der Physik-, Chemie- und Biologieunterricht findet weiter im Hauptgebäude statt, die Fachräume in der Birkenstraße, wo zuletzt die Jahrgänge 5 und 6 der Wilhelm-Raabe-Schule untergebracht waren, sind für Oberstufenexperimente nicht ausgerichtet. „Gerade die Abiturienten, die ein naturwissenschaftliches Profil gewählt haben, leiden unter der Pendelei besonders“, sagt Schülervertreter Philipp Hierner.

Fahrräder zum Pendeln einzusetzen hält er allenfalls für eine Zwischenlösung. „Jetzt ist es ja noch einigermaßen warm, doch was ist Ende November, wenn es richtig kalt wird?“

Andreas Schinkel 24.09.2014
Mathias Klein 26.09.2014
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