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Aus der Stadt Nach Attacke: Neue Diskussion ums Hundegesetz
Hannover Aus der Stadt Nach Attacke: Neue Diskussion ums Hundegesetz
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00:19 08.04.2018
Sollten die Vorschriften für die Besitzer von "Listenhunden" in Niedersachsen verschärft werden?
Sollten die Vorschriften für die Besitzer von "Listenhunden" in Niedersachsen verschärft werden? Quelle: HAZ-Collage/dpa
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Hannover

  Die tödliche Attacke eines Hundes auf seine beiden Besitzer in Hannover wirft die Frage auf, ob Niedersachsen bei den gesetzlichen Regelungen für Hundehalter nachbessern muss. In der Nacht zu Mittwoch hat ein Staffordshire-Terrier-Mischling in einer Wohnung in Groß-Buchholz eine 52 Jahre alte Frau und ihren 27 Jahre alten Sohn attackiert und nach Angaben der Polizei vermutlich totgebissen. 

Um die Todesursache zweifelsfrei zu klären, ordnete die Staatsanwaltschaft eine Obduktion an. Am Freitag wird das Ergebnis erwartet. Die Stadt Hannover muss entscheiden, ob das Tier eingeschläfert wird. Dazu werde der Hund durch einen Veterinärmediziner der Stadt Hannover begutachtet, teilte ein Stadtsprecher mit. Ein ähnlich dramatischer Fall ist in den vergangenen Jahren nicht bekannt geworden. 

Eine 52 Jahre alte Frau und ihr 27 Jahre alter Sohn sind in ihrer Wohnung vom Staffordshire-Terrier des Mannes angefallen und totgebissen worden.

Die Tochter der 52-Jährigen hatte die beiden Opfer in der Wohnung entdeckt und die Polizei gerufen. Die ebenfalls alarmierte Feuerwehr hatte Mühe, das bellende und zähnefletschende Tier einzufangen. Der Hund wurde ins Tierheim gebracht. Die Stadt Hannover muss nun entscheiden, ob er eingeschläfert wird – zuvor müsse das Tier begutachtet werden, sagte ein Sprecher. Das sei erst möglich, wenn es sich beruhigt habe. „Nach unserer Kenntnis ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, wie es zu diesem Vorfall gekommen ist und welche Rolle der Hund dabei gespielt hat.“ Man wolle sich „während der laufenden Untersuchung“ nicht zu Einzelheiten äußern.

Fassungslosigkeit in der Politik

Unklar ist auch, ob der 27-Jährige die Voraussetzungen erfüllt hat, einen Hund halten zu dürfen, und ob der Hund als gefährlich eingestuft war. In Niedersachsen müssen Halter seit einigen Jahren einen Hundeführerschein machen, wenn sie sich ein Tier neu anschaffen. Der sogenannte Sachkundenachweis besteht aus einer theoretischen Prüfung vor Beginn der Hundehaltung und einem Praxistest im ersten Haltungsjahr. Ziel des Führerscheins ist es auch, die Zahl der Attacken von Hunden zu reduzieren.

Etwa 0,1 Prozent aller knapp 350.000 registrierten Hunde in Niedersachsen werden nach Angaben des Agrarministeriums als gefährlich eingestuft. In Hannover waren es 32 Tiere seit 2013. Für die Haltung solcher Hunde werden besondere Auflagen gemacht, etwa ein permanenter Leinenzwang, eine Maulkorbpflicht oder die Vorschrift, dass die Tiere nur in umgrenzten Arealen gehalten werden dürfen.

„Möglicherweise müssen wir die Kontrollen verschärfen“

In der Landespolitik herrschte am Mittwoch Fassungslosigkeit. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Toepffer, sieht die Kommunen in der Pflicht, das Hundegesetz schärfer umzusetzen. „Möglicherweise müssen wir die Kontrollen verschärfen. Da sind auch die kommunalen Ordnungsdienste gefragt“, sagte er.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast zeigte sich „tief betroffen“ von dem „schrecklichen Unglück“. Den konkreten Fall wollte sie vorerst nicht bewerten. Zunächst müsse man die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten, teilte die CDU-Politikerin mit. Eine Rückkehr zu sogenannten Rasselisten, wie sie fast alle anderen Bundesländer haben, lehnte sie ab. Eine Einstufung eines Hundes per se als aggressiv oder gefährlich, die an die Zugehörigkeit zu einer Hunderasse anknüpfe, sei wissenschaftlich nicht zu begründen. Auch SPD und Grüne im Landtag sehen zunächst keinen Grund, das Hundegesetz zu ändern und Rasselisten wieder einzuführen.

Weiterlesen: Es kommt eben doch auf die Hunderasse an

Von Manuel Behrens, Karl Doeleke und Andreas Schinkel