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Aus der Stadt Karnevalisten ehren geschassten Üstra-Vorstand
Hannover Aus der Stadt Karnevalisten ehren geschassten Üstra-Vorstand
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00:15 23.01.2018
Wilhelm Lindenberg gefällt sich in der Rolle des Üstra-Schaffners.
Wilhelm Lindenberg gefällt sich in der Rolle des Üstra-Schaffners. Quelle: Christian Behrens
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 Die Rolle als Üstra-Vorstand hat Wilhelm Lindenberg noch nicht so richtig abgelegt. Trotz seines Rauswurfs aus dem Unternehmen war der frühere Personalchef in historischer Üstra-Schaffner-Uniform am Sonnabendabend zur Prunksitzung des Karnevalsvereins Fildele Ricklinger gekommen. Die gleiche Uniform hatte er auch schon im vergangenen Sommer beim Üstra-Jubiläum getragen, als er noch als Personalchef in Amt und Würden war. Die Ehrung Lindenbergs bei den Fidelen Ricklingern wurde auf der bunten, fröhlichen Sitzung zu einer ernsten Angelegenheit. 

Willi Lindenberg ist zum Ehrensenator der Fidelen Ricklinger ernannt worden. Während der Verleihung wurde die  fröhliche Sitzung kurzzeitig zu einer ernsten Angelegenheit.

Der Karnevalsverein erhob Lindenberg in den Rang eines Ehrensenators. Zwischen Tanzmariechen, Büttenreden und Sketchen bekam er Ehrenurkunde und Karnevalsmütze. „Ich bin seit 2016 hinter ihm hergelaufen“, sagte Vereinspräsident Jürgen Scheele in seiner sehr knappen Laudatio. Dass er seit Dezember schon nicht mehr an der Spitze der Üstra steht, konnte Scheele damals nicht ahnen. 

Eigentlich hätte Lindenbergs Vorgängerin, die frühere Landesjustizministerin Antje Niewisch-Lennartz, die Laudatio halten sollen. Doch die Grünen-Politikerin hatte wegen der Vergabeaffäre bei der Üstra abgesagt. Im Zuge der Affäre hatte Lindenberg seinen Hut nehmen müssen, bekommt aber bis zum Jahresende noch 200.000 Euro. Abgesagt hatte auch der stellvertretende Ricklinger Bezirksbürgermeister Michael Dette. Dagegen waren Bezirksbürgermeister Andreas Markurth (SPD), Bürgermeister Klaus-Dieter Scholz, der ehemalige Landtagskandidat Jesse Jeng und Regionspolitikerin Katrin Göllinger (alle CDU) gekommen. 

Lindenberg setzte bei der Prunksitzung seine Schaffnermütze auf und erfreute die Gäste im Freizeitheim Ricklingen mit einer gereimten Büttenrede: „Ich bin Willi, der Schaffner von ehedem, als das Straßenbahnfahren war noch bequem.“ Er freue sich, dass die Karnevalisten zu ihrem Wort stünden, meinte Lindenberg. „Trotz aller Umstände drumherum, das finde ich eine tolle Sache“, betonte er und bekam kräftigen Applaus der Ricklinger Karnevalisten. 

Hannovers Karnevalsprinz, Sascha I., nahm Lindenberg gegen die öffentliche Kritik in Schutz. „Ich kenne dich seit 20 Jahren“, sagte Sascha Glade, der ebenso wie Lindenberg SPD-Mitglied ist. „Und ich habe dich in jeder Form als einen zuverlässigen Mann der Tat kennengelernt“, berichtete er. Um den Karneval habe er sich Lindenberg große Verdienste erworben. 

Und Vereinspräsident Jürgen Scheele beendete dann den Programmpunkt, bevor es mit dem Mariechen-Tanz weiterging: „Wir wollen kein Politikum schaffen“, sagte er. Und Lindenberg marschierte als Üstra-Schaffner fröhlich zu seinem Platz.

Von Mathias Klein