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Aus der Stadt „Patientenverlegung ist nicht akzeptabel“
Hannover Aus der Stadt „Patientenverlegung ist nicht akzeptabel“
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00:23 11.04.2015
Von Mathias Klein
Foto: In den vergangenen Wochen mussten mindestens zwei Notfallpatienten nach ihrer Erstversorgung aus Hannover in Krankenhäuser außerhalb der Region gebracht werden.
In den vergangenen Wochen mussten mindestens zwei Notfallpatienten nach ihrer Erstversorgung aus Hannover in Krankenhäuser außerhalb der Region gebracht werden. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

In ungewöhnlich scharfer Form hat der Verband der Ersatzkassen in Niedersachsen gestern auf die Verlegung hannoverscher Notfallpatienten in Kliniken außerhalb der Region reagiert. Die Angelegenheit sei „unerträglich und nicht akzeptabel“, sagte gestern der Leiter der Landesvertretung der Ersatzkassen, Jörg Niemann. Er kündigte an, von dem betroffenen Clementinenhaus eine schriftliche Erklärung anzufordern, aus welchen Gründen die Behandlung eines bereits aufgenommenen Patienten dort nicht erfolgen konnte und bei welchen anderen Kliniken in Hannover wegen einer Weiterbehandlung angefragt wurde. „Wir halten es für nicht plausibel, dass es unmöglich gewesen sein soll, den Patienten in einer anderen Klinik in Hannover zu versorgen“, sagte Niemann.

Irritationen über Jagau-Äußerung

Es erscheine als Widerspruch, dass Krankenhäuser in Hannover ihre Auslastung steigern wollten und dafür nach neuen Geschäftsfeldern suchten, gleichzeitig aber der Eindruck entstehe, dass die Notfallversorgung nicht funktioniere, betonte der Ersatzkassenverbands-chef. „Notfallversorgung ist das Kerngeschäft der Krankenhäuser“, sagte er. Die Versicherten brächten Milliardensummen für die Klinikversorgung auf und hätten den Anspruch, gerade im Notfall angemessen versorgt zu werden. Der Ersatzkassenverband werde derartige Versäumnisse nicht akzeptieren und dies auch mit dem Sozialministerium erörtern.

Niemann zeigte sich zudem irritiert über die Äußerungen von Regionspräsident Hauke Jagau. Die neue Geschäftsführung des Regionsklinikums habe ausdrücklich versichert, dass es die Versorgung in der Region umfassend sicherstellen wolle und keinen Notfallpatienten abweisen werde. Wenn nun der Regionspräsident als Aufsichtsratsvorsitzender „unerträgliche Vorkommnisse mit finanziellen Erwägungen rechtfertigt, ist das ein schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit“ des Regionsklinikums.

Außerdem sei die Behauptung des Regionspräsidenten, dass Krankenhäuser nur für einen Teil der Betten Geld bekämen, nicht nachvollziehbar. „Krankenkassen bezahlen ein Krankenhaus nach Leistungen, nicht nach Betten“, erläuterte Niemann.

Der Ersatzkassenverbandschef bekräftige die Forderung, dass alle Notfallpatienten in der Region Hannover angemessen versorgt werden müssen. Fehler in der Organisation müssten abgestellt werden und sollten nicht auch noch für politische Diskussionen und Forderungen nach mehr Geld instrumentalisiert werden.

Mindestens zwei Fälle

Wie berichtet, mussten in den vergangenen Wochen mindestens zwei Notfallpatienten nach ihrer Erstversorgung aus Hannover in Krankenhäuser außerhalb der Region gebracht werden. Alle entsprechenden Betten in den hannoverschen Krankenhäusern und im Umland waren an diesen Tagen bereits belegt. Eine 84-jährige Frau war einen Tag nach ihrer Verlegung nach Rinteln (Kreis Schaumburg) an Herzversagen gestorben. Bereits seit Monaten gibt es immer wieder Berichte über Überbelegung oder abgemeldete Krankenhausstationen.

Die Fälle der Verlegung außerhalb der Region machten das Ausmaß der Misere im Klinikbereich in der Region deutlich, sagte der Vorsitzende der CDU-Regionsfraktion, Bernward Schlossarek. Er forderte gestern von Jagau die unverzügliche Aufnahme von Gesprächen, die eine Verbesserung der Patientenversorgung zum Ziel haben müssten.

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