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Aus der Stadt Katholiken in Hannover zollen dem Papst Respekt
Hannover Aus der Stadt Katholiken in Hannover zollen dem Papst Respekt
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00:15 14.02.2013
„Nur konsequent, zurückzutreten“: Bruder Nikolaus und Bruder Karl-Leo aus dem Kloster Cella St. Benedikt Hannover haben Verständnis für die Entscheidung des Papstes. Quelle: Hagemann
Hannover

Als Joseph Ratzinger im Jahr 2005 zum Papst gewählt wurde, sorgte das insbesondere in seiner Heimat Deutschland für Aufregung. „Die Wahl eines Deutschen zum Papst hat schon dazu geführt, dass die katholische Kirche hierzulande wieder neuen Schwung bekommen hat“, sagt Propst Martin Tenge. Er gibt aber auch zu, dass der Aufwind nicht lange anhielt. In der Region Hannover ist die Mitgliederzahl der katholischen Kirche seit Jahren stark rückläufig, ebenso wie bundesweit. Gab es im Jahr 2000 noch 165.000 Katholiken in der Region Hannover, waren es im Jahr 2011 nur noch 151 000 – das entspricht einem Mitgliederschwund von mehr als acht Prozent. Und dieser Trend wird sich fortsetzen, so die Prognosen.

Dass Papst Benedikt XVI nun zurücktritt, weil seine Kräfte nachlassen, sei sehr verantwortungsbewusst, sagt Probst Tenge. „Und es eröffnet der Kirche neue Wege nach vorne, denn sein Nachfolger wird vielleicht andere Fragen stellen“, so der Regionaldechant.

Der Papst ist zurückgetreten, dass sagen die Hannoveraner dazu.

Auch die evangelische Kirche in Hannover zeigte sich gestern überrascht von dem Schritt des Papstes. „Es ist aber auch ein schönes, anrührendes Zeichen, das zeigt, dass die Kirche zuallererst an Christus hängt und nicht an einer Person im Kirchenamt“, sagt Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann. In der evangelischen Kirche sei es ohnehin normal, Ämter auf Zeit zu vergeben. „Der Gedanke ist uns nicht fremd“, so Heinemann. Für einen Papst hingegen sei ein Rücktritt ein ungewöhnlicher Schritt, sagt Pfarrer Heinrich Plochg von der St.-Joseph-Gemeinde in der List – und in Benedikts Fall ein richtiger. „Da könnten sich auch andere Kirchendiener ein Beispiel dran nehmen.“

In den katholischen Schulen der Stadt werden Lehrer und Schüler den Papst morgen beim Aschermittwochsgottesdienst wohl in ihre Gebete einschließen. Auch im Religionsunterricht wird der einzigartige Rücktritt Thema sein. „Für unsere Schüler ist der Papst eine religiöse und menschliche Instanz, wenn es um Frieden und die Bekämpfung von Hunger in der Welt geht“, sagt Siegfried Heinemann, Konrektor der Ludwig-Windthorst-Schule. Beim Thema Sexualität sei die Autorität allerdings erschöpft, da hätten die Jugendlichen ihre eigenen Vorstellungen. Norbert Junker, Leiter der St.-Ursula-Schule, weist auf den Reformstau hin, den hiesige Katholiken beklagen. „Zwischen der Amtskirche und vielen Gläubigen gibt es mindestens ein Kommunikationsproblem.“

Für die Mönche im Kloster Cella Sankt Benedikt wird der Alltag unverändert weitergehen. Sie werden sich wie immer dreimal am Tag versammeln, beten und singen. „Der Nachfolger wird dann schon der fünfte Papst in meinem Leben sein, und ich hoffe, ich erlebe auch noch den sechsten“, sagt Bruder Karl-Leo. Die Ordensbrüder wünschen sich für den Nachfolger nur eines: „Wir brauchen jemanden, der die innere Einheit der Kirche herstellt, der die Gläubigen verbindet.“

Von Anne Grüneberg und Bärbel Hilbig

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