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Aus der Stadt Keilerei in Kopenhagen kostet 1000 Euro
Hannover Aus der Stadt Keilerei in Kopenhagen kostet 1000 Euro
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08:33 20.03.2012
Von Sonja Fröhlich
Ein Fan von Hannover 96 musste sich am Montag vor Gericht verantworten.
Ein Fan von Hannover 96 musste sich am Montag vor Gericht verantworten. Quelle: Symbolfoto
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Hannover

Im November 2011 ging es im Europa-League-Spiel des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 beim FC Kopenhagen um den Einzug in die K.-o.-Runde. Für einen 31-jährigen Hannoveraner, wie rund 10.000 Fans der Roten in die dänische Hauptstadt gereist, war das Spiel indes schon vor dem Anpfiff gelaufen. Im Gedränge um die Sicht aufs Spielfeld soll ihm ein anderer 96-Fan derart ins Gesicht geboxt haben, dass er kurzzeitig benommen war und sich eine Verletzung am Auge zuzog, die direkt im Krankenhaus behandelt werden musste. Der 31-jährige Controller zeigte den Fan an. Am Montag musste sich der Mann wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten.

Der Angeklagte sitzt im Saal 2170 des Amtsgerichts Hannover; er trägt einen dunklen Anzug und Krawatte, er ist nervös. Eine Verurteilung könnte weitreichende Folgen für ihn haben. Der 36-Jährige ist Hauptfeldwebel. Und bei der Bundeswehr schätzt man es nicht, wenn ein Unteroffizier in der Öffentlichkeit einen anderen per Faustschlag aus dem Weg räumt.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Seine Geschichte geht so: Er befand sich mit seiner schwangeren Frau und Freunden auf der vollen Tribüne, als sich der Controller „unmittelbar vor dem Anstoß“ vor ihn stellte und drängelte. Darauf angesprochen wurde er von dem Drängler beschimpft und danach mit einem Bierbecher beworfen. Dann nahm ihn der Controller in den Schwitzkasten. „Da habe ich aus Panik um mich geschlagen. Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich ihn getroffen habe“, sagt der Feldwebel.

Der Controller wirkt verblüfft, als ihm Richter Melle Klinkenborg die Aussage vorhält. Er habe den Angeklagten keineswegs beschimpft. Er habe auch keinen Becher in der Hand gehalten. Und schon gar nicht habe er ihn in den Schwitzkasten genommen. „Was soll ich machen?“, habe er lediglich gesagt und dabei vielleicht etwas genervt geklungen. Dann habe er auch schon einen wuchtigen Schlag gespürt. Der 31-Jährige erlitt eine Platzwunde an der Braue. Sie blutete so heftig, dass ihn seine Frau mit einem Taxi ins Krankenhaus bringen musste. Ein Freund des Controllers bestätigt die Angaben vor Gericht. Er selbst sah das Spiel bis zum Ende – Hannover siegte nach einem Rückstand noch mit 2:1 –, und er sagt, der Angeklagte habe ihn bis zum Schluss angepöbelt. Seine Mutter, die zum ersten Mal in einem Fußballstadion war, habe anschließend gesagt: „Nie wieder gehe ich in ein Stadion, wenn da schon unter den eigenen Fans so etwas passiert.“

Richter Klinkenborg befindet die Aussagen des Opfers für glaubwürdig. Sein Vorschlag zur Güte: Der Angeklagte zahlt jeweils 500 Euro an sein Opfer und an die Landeskasse und entschuldigt sich bei dem Controller – dann stellt er das Verfahren ein. Kurze Zeit später gibt es noch im Gerichtssaal den Handschlag, der die beiden Fans wieder zusammenführen soll. Schließlich kennen sie sich flüchtig, sie haben früher im gleichen Verein Fußball gespielt.

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