Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Kein Ehrengrab mehr für Kopf
Hannover Aus der Stadt Kein Ehrengrab mehr für Kopf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:59 12.06.2015
Von Simon Benne
Ein Findling ziert Hinrich Wilhelm Kopfs Grab in Stöcken. Quelle: Behrens (Archiv)
Anzeige
Hannover

Im Tod sind alle Menschen gleich - sofern die Stadt ihnen nicht ein Ehrengrab zuerkennt. Genau 73 Personen wurde in Hannover dieses Privileg posthum zuteil; darunter dem SPD-Chef Kurt Schumacher und dem Mundartdichter Wilhelm Henze, dem Flugpionier Karl Jatho und dem Reichswehrminister Gustav Noske. Die Stadt erhielt und bepflanzte diese Gräber auf eigene Kosten und auf Dauer.

Jetzt aber wird unter den Toten gewissermaßen neu sortiert - und der frühere Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf soll künftig kein Ehrengrab mehr haben. Wegen Kopfs Aktivitäten in der NS-Zeit war im April bereits der bisherige Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz am Landtag in Hannah-Arendt-Platz umbenannt worden. „Kopf ist gem. § 5 Abs. 1 der Ehrengräbersatzung der Ehrung unwürdig“, heißt es nun in einem Papier der Verwaltung.

Anzeige

Bislang hatte es eine Ehrengräbersatzung gar nicht gegeben. Um ein Grab zum Ehrengrab zu machen, reichte ein einfacher Ratsbeschluss. Nun jedoch sprach sich der städtische Kulturausschuss einstimmig für die Ehrengräbersatzung aus; und dafür, dem 1961 verstorbenen Kopf das Ehrengrab zu entziehen. Es habe „ein Unwohlsein“ angesichts der postmortalen Ehrung Kopfs geherrscht, sagt Kulturdezernentin Marlis Drevermann: „Eine Blaupause für weitere Umwidmungen ist das nicht.“

Kopfs letzte Ruhestätte auf dem Stöckener Friedhof würde nun in Gefahr schweben, irgendwann eingeebnet zu werden, wie alle gewöhnlichen Gräber - wenn die neue Ehrengräbersatzung es nicht erlaubt hätte, sie als „bedeutende Grabstätte“ zu klassifizieren. „So bleibt die historisch wichtige Stätte als Ort erhalten, an dem sich Geschichte erzählen lässt“, sagt Drevermann.

Die Stadt erhält das Kopf-Grab also weiterhin. „Es wird allerdings nicht mehr regelmäßig mit Blumen geschmückt“, sagt Karljosef Kreter vom städtischen Team Erinnerungskultur. Außerdem ist geplant, auf Friedhöfen künftig verstärkt erklärende Tafeln zu Grabstätten aufzustellen, wie unlängst auf dem Fössefeld-Friedhof geschehen.

Geringer wird die Zahl der Ehrengräber in Hannover nicht: Einstimmig sprach der Kulturausschuss sich gestern dafür aus, das Grab von Adolf Grimme in die Reihe der Ehrengräber aufzunehmen. Der 1963 verstorbene SPD-Kulturpolitiker ruht auf dem Engesohder Friedhof. Und das künftig in einem Ehrengrab.

Conrad von Meding 13.06.2015
Aus der Stadt „Toughest Firefighter Alive“ - Das schlaucht!
15.06.2015
Aus der Stadt Jochen Salfeld in Hannover - Der Pate aus Amerika
12.06.2015