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Aus der Stadt Keine Zukunft für Pflegekräfte aus Spanien
Hannover Aus der Stadt Keine Zukunft für Pflegekräfte aus Spanien
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07:48 04.09.2012
Von Thorsten Fuchs
Weil die Qualifikationen spanischer Pflegekräfte in Niedersachsen nicht anerkannt werden, kann die Pflegeheimkette Dana ihr Vorzeigeprojekt nicht durchführen. Quelle: dpa
Hannover

Es klang wie die perfekte Lösung gleich zweier großer Probleme: Junge, arbeitslose Pflegekräfte aus Spanien bekommen einen Job - und helfen in Hannover und anderswo, den Fachkräftemangel in der Altenpflege zu lindern. Lob kam vom spanischen Botschafter und von der Politik. Jetzt jedoch hat die Pflegeheimkette Dana ihr ehrgeiziges Projekt nach wenigen Monaten trotz großen Interesses aus Spanien schon wieder gestoppt. Der Grund: Die Qualifikationen der Spanier werden von den niedersächsischen Behörden nicht anerkannt.

Yazid Shammout, Geschäftsführer von Dana, ist verärgert: „Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagt er. 14 examinierte Krankenschwestern und -pfleger hat sein Unternehmen mit Sitz in der Nordstadt seit dem Frühjahr aus Südspanien geholt und in Heimen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein eingesetzt. Zehn von ihnen erhielten in Schleswig-Holstein mühelos die berufliche Anerkennung.

In Niedersachsen scheitert diese Anerkennung jedoch an den Sprachkenntnissen. Das Land fordert das sogenannte Sprachniveau B2, das eine „spontane und fließende Verständigung“ vorsieht. So weit aber sind die mit nur geringen Vorkenntnissen angereisten jungen Spanier trotz Einzelunterrichts und mehrerer Kurse bislang nicht.

Shammout hält die Anforderung für übertrieben. Als Kompromiss schlägt er eine sechsmonatige Übergangsfrist vor, in der die Spanier als Examinierte nur in Begleitung eingesetzt werden und gleichzeitig hier die Sprache lernen könnten. Er vermisst auch die Unterstützung der Politik. Unter anderem hatte Bundesbildungsminsterin Annette Schavan Unternehmen ermutigt, Arbeitskräfte aus Südeuropa zu rekrutieren. Shammout sieht darin nur „Lippenbekenntnisse“. Er vermisst bei den Behörden guten Willen. Das Fachwissen der Spanier stehe schließlich außer Frage: „Die sind höher qualifiziert als unsere eigenen Mitarbeiter.“ Um Krankenschwester zu werden, muss man in Spanien eine Hochschule besuchen.

Das Landesamt für Jugend und Soziales, zuständig für die Anerkennung der Berufsabschlüsse, beharrt jedoch auf den strengen Sprachansprüchen. „Diese dienen dem Schutz der alten Menschen“, betont Sprecher Joachim Niepel. „Gerade in Notsituationen darf es keine Kommunikationsprobleme geben.“ Dazu sei eines sichere Beherrschung der fremden Sprache nötig. Auch Schleswig-Holstein legt inzwischen strengere Maßstäbe an - und fordert bessere Sprachkenntnisse. Eine Übergangsregelung, wie von Shammout vorgeschlagen, hält Niepel ebenfalls für falsch: „Akute Probleme von Betroffenen nehmen keine Rücksicht auf Übergangsfristen.“

Leidtragende sind die jungen Spanier, die in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft hergekommen sind. Eine von ihnen ist die 21-jährige Cristina Casas. Seit April arbeitet sie im Pflegeheim an der Lister Meile, darf aber nur Hilfstätigkeiten übernehmen. „Ich bin traurig“, sagt sie. Zwei ihrer jungen Kollegen sind schon nach Spanien zurückgekehrt. Sie aber will ausharren und mit Unterstützung von Dana ihre Sprachkenntnisse weiter verbessern. In ihrer Heimat war sie arbeitslos, die Hälfte der jungen Menschen hat in ihrer Region keinen Job. „Und ich befürchte“, fügt sie hinzu, „es wird noch schlimmer.“

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