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Aus der Stadt Keine weitere 
Anklage gegen
 Mechthild Bach
Hannover Aus der Stadt Keine weitere 
Anklage gegen
 Mechthild Bach
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08:44 03.11.2009
Von Sonja Fröhlich
Dr. Mechthild Bach Quelle: Rainer Dröse (Archiv)

Insgesamt hatte es 78 Ermittlungsverfahren gegeben, nachdem die AOK die Ärztin im Jahr 2003 angezeigt hatte. Zwei Jahre später hatte die Staatsanwaltschaft Anklage in acht Fällen erhoben, im August dieses Jahres schob sie eine zweite Anklage mit fünf weiteren Fällen nach. Die Anklagebehörde wirft Bach vor, die Patienten der Langenhagener Paracelsusklinik mit hohen Dosen Morphium und Valium getötet zu haben. Bach dagegen sagt, sie habe den sterbenskranken Patienten lediglich den Schmerz nehmen wollen.

Darüber hat Bach aber offenbar nicht mit allen Patienten gesprochen. Wie Bachs ehemalige Assistenzärztin am gestrigen dritten Prozesstag aussagte, habe die Ärztin es vorgezogen, todkranke Patienten und deren Angehörige nicht über ihren Zustand und die geplante Behandlung aufzuklären. „Die Patienten sollten ohne Angst sterben und keine schlechten Nachrichten bekommen“, sagt die niedergelassene Ärztin, die dies nach eigenem Bekunden nicht gut gefunden habe. Ob sie sich denn dann nie gegen dieses Vorgehen aufgelehnt habe?, fragt der Richter. Das habe sie einige Male getan, „aber irgendwann wusste ich, dass ich sowieso abgewürgt werde“.

Die 42-Jährige beschrieb die Situation in der Klinik – ähnlich wie die vor ihr vernommene Stationsschwester – als streng hierarchisch. Es habe damals keine Besprechungen im Team gegeben, Diagnosen oder Medikationen seien nicht infrage gestellt worden. „Frau Dr. Bach war die Chefin, sie hat es so angeordnet. Daran gab es nichts zu rütteln.“ Um die Patienten im „präfinalen Stadium“, also diejenigen, die im Sterben lagen, habe sich Bach zumeist selbst gekümmert.

An deren Anordnung über hohe Dosen mit Diazepam (Valium) wollte sich die heute niedergelassene Allgemeinmedizinerin jedoch nicht erinnern. Sie stellte aber die Vermutung an, dass eine Menge von 100 Milligramm Diazepam in Kombination mit Morphium – diese Mischung soll Bach verabreicht haben – zum Tod führt. Konkretisieren konnte sie dies aber nicht. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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