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Aus der Stadt Kleinkind überlebt Sturz aus 17 Metern
Hannover Aus der Stadt Kleinkind überlebt Sturz aus 17 Metern
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20:42 30.03.2015
Von Bernd Haase
Quelle: dpa
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Hannover

Das Wichtigste, was sich zum Prozess vor dem Amtsgericht Hannover gegen eine 23-jährige Hannoveranerin sagen lässt: Ihrem mittlerweile 21 Monate alten Kind geht es den Umständen entsprechend gut. So etwas wird oft gesagt, aber die Umstände in diesem Fall sind bemerkenswert. Die kleine Ramona-Daniela ist im Oktober vergangenen Jahres durch das offen stehende Fenster eines Hauses in der Goethestraße auf den Bürgersteig gefallen - 17 Meter tief. Richter Lars Römermann verurteilte die Mutter wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 600 Euro.

Die Frau war erst im vergangenen Jahr mit ihrem Mann und drei weiteren Kindern aus Rumänien nach Hannover gekommen. Zum Zeitpunkt des Unfalls war sie hochschwanger, das fünfte Kind kam drei Tage später zur Welt. Nach wie vor spricht sie kein Deutsch; die Familie lebt von Kinder- und Elterngeld. „Die Wohnverhältnisse waren schwierig“, erklärte ein Polizist, der als Zeuge aussagte. Eltern und Kindern stand ein 30-Quadratmeter-Zimmer und ein Bad zur Verfügung. Eine abgetrennte Küche fehlte, was für den Hergang beim Unfall ein ebenso entscheidendes Detail ist wie die Beschaffenheit der Fenster. Sie hatten keine Riegel und ließen sich damit nicht vernünftig verschließen. Die Fensterbänke messen breite 45 Zentimeter. Nachbarn beobachteten häufig, wie die Kinder darauf gespielt haben. „Die Wohnung war ordentlich und aufgeräumt. Aber an den Fensterscheiben haben wir viele Abdrücke von Kinderhänden gefunden“, berichtet der Polizist.

Mutter öffnete Fenster zum Lüften

Am Unglücksabend hatte die Mutter gekocht, ein Fenster zum Lüften geöffnet und war ins Bad gegangen, um ein Glas zu spülen. In diesem Augenblick muss die kleine Ramona-Daniela über ein Bett auf das Fensterbrett geklettert und dann abgestürzt sein. Sie schlug auf dem Bürgersteig vor einer Bar auf. Kurze Zeit später erschien die Mutter auf der Straße. Passanten und später Polizisten halfen. Die Mutter und das stark blutende Kind wurden ins Krankenhaus gebracht.

Die Verletzungen der Kleinen, die Benno Ure, Leiter der MHH-Kinderchirurgie, auflistete, klingen grauenhaft: Hirnblutung, Schädelfraktur, Augenbodenbruch, Schläfenbeinbruch, Unterkieferbruch, Verletzungen am Brustkorb und Einblutungen in der Lunge. „Es bestand Lebensgefahr. Aber das Kind hat wohl überlebt, weil es waagerecht auf den Rumpf gefallen ist“, sagt Ure.

So unglaublich es klingt: „Nach derzeitigem Stand gibt es keine bleibenden Schäden.“ Die 23-Jährige, die mittlerweile mit Mann und Kindern in der Containersiedlung in Hainholz wohnt, wirkte während der Verhandlung erstaunlich ruhig und sachlich. „Im Inneren wird es rumoren“, sagte die Staatsanwältin. Sie plädierte ebenfalls auf Geldstrafe, aber zur Bewährung. Römermann wollte dem nicht ganz folgen. „Sie haben das Fenster zum Lüften geöffnet, ohne dass eine Aufsicht im Raum war und obwohl sie um die Gefahr wussten“, sagte er. Die Mutter nahm den Richterspruch an.

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